Eine Allegorie für die mittelalterliche Gesellschaft, versteckt in einer herrlich illuminierten Abhandlung über Schach
Schachbuch des Jacobus de Cessolis
Amberg (Deutschland) — 1458

Schachbuch des Jacobus de Cessolis
Amberg (Deutschland) — 1458
Eine Schach-Abhandlung des Dominikanermönchs Jacobus de Cessolis als Allegorie der mittelalterlichen Gesellschaft
Diese deutsche Ausgabe von 1485 ist eines der am schönsten gestalteten Ausgaben des beliebten Werkes
Die stilisierte Ikonographie zeigt, was der Text alleine nicht ausdrücken kann

Schachbuch des Jacobus de Cessolis
Die Königin
Jacobus de Cessolis benutzte das Schachspiel als Allegorie für die mittelalterliche Gesellschaft, und einer der wichtigsten Spieler war in beiden Fällen die Königin. Sie thront hier mit ihrem königlichen Ornat, den Symbolen ihrer Macht: Krone, Zepter und Reichsapfel - alles wird mit Blattgold hervorgehoben. Mit ruhigem Gesichtsausdruck trägt sie eine blaue Jacke mit Hermelinbesatz und ihr wunderschönes rosa Kleid hat einen wunderbar eckigen und stilisierten Faltenfall im sogenannten Zackenstil.
Schachbuch des Jacobus de Cessolis
- Chess Book of Jacobus de Cessolis
Kurzbeschreibung
Das Schachbuch des Jacobus de Cessolis entstand etwa 1330. Es ist die erste Abhandlung über das Schachspiel und gleichzeitig eine Allegorie auf die mittelalterliche Ständegesellschaft. Es ist eines der am meisten verbreiteten Werke des Mittelalters. Die deutsche Ausgabe von 1485 enthält 15 Miniaturen und zahlreiche Schmuckinitialen, die die gesellschaftskritische Schrift illustrieren.
Das Schachbuch des Jacobus de Cessolis
Jacobus de Cessolis war ein italienischer Mönch des Dominikanerordens, der im 14. Jahrhundert lebte. Er erlangte Berühmtheit durch sein Schachbuch, welches eines der ersten Traktate über das Schachspiel ist. Es ist ein Buch über die Sitten der Menschen und die Pflichten der Vornehmen und Niederen, welche er mithilfe von Schachmetaphern erläutert. Dieses Werk ist in über 100 Handschriften erhalten und stellt eines der meistverbreiteten Werke des Spätmittelalters dar. Die deutsche Ausgabe der Schrift entstand 1485 in Amberg und ist mit 15 Miniaturen und zahlreichen Schmuckinitialen ein besonders reizvolles Exemplar.
Das Schachspiel als Metapher
Das Werk beruht auf von Cessolis gehaltenen Predigten, bei denen er das Schachspiel als Allegorie der Gesellschaft heranzog. Die Schachfiguren repräsentieren dabei die einzelnen Stände der Gesellschaft. Entscheidend ist, dass die edlen Figuren, wie König und Dame, alleine nichts ausrichten können und auf die Mithilfe der gemeinen Figuren, also der Bauern, angewiesen sind. Diese werden sogar mit Berufsbezeichnungen genannt, es gibt unter anderem Schmiede, Kaufmänner und Ärzte. Dadurch wird die Rolle der Berufstätigen niederer Stände hervorgehoben. Nicht nur das Volk hat Verpflichtungen gegenüber Adel und Klerus, sondern auch umgekehrt. Das gesellschaftskritische Werk verlor über Jahrhunderte hinweg nicht an Popularität.
Programmatische Miniaturen
Die deutsche Ausgabe des berühmten Schachtraktates enthält 15 hochwertige Miniaturen. Dabei handelt es sich nicht um alleinstehende Bilder, sondern um Bildprogramme. Diese stilisierten Bildprogramme zeigen anschaulich, was die Schrift des Werkes alleine nicht ausdrücken kann. Somit dienen die Miniaturen nicht nur zur Dekoration, sondern bieten eine Hilfestellung zum besseren Verständnis des Werkes. Neben den Miniaturen ist der Text von insgesamt 29 farbigen Initialen geschmückt.
Kodikologie
- Alternativ-Titel
- Chess Book of Jacobus de Cessolis
- Umfang / Format
- 138 Seiten / 20,3 × 14,7 cm
- Herkunft
- Amberg (Deutschland)
- Datum
- 1458
- Stil
- Genre
- Sprache
- Buchschmuck
- 15 Miniaturen und 29 Initialen
- Künstler / Schule
- Autor: Jacobus de Cessolis
- Vorbesitzer
- Bakkalaureus
Johann Pachmann

Schachbuch von Jacobus de Cessolis
Der Wirt
Hier sehen wir den sechsten von acht Landmännern, die in diesem allegorischen Werk über die mittelalterliche Gesellschaft vorgestellt werden. Das rot-weiße Schild in der Miniatur zeigt an, dass seine adligen Herren Habsburger sind. Grüne und violette Akanthusblätter wachsen aus der blauen S-Initiale mit Goldgrund am linken Rand heraus.
Der Wirt hält ein Tablett mit einem Becher in seiner Hand, während ihm vom Gürtel eine ganze Menge Schlüssel hängen. Sowohl sein Gesichtsausdruck als auch die ausgestreckte rechte Hand sind einladend und freundlich. Er steht vor seinem Gasthaus und ist für einen Bürger gut gekleidet. Er trägt schwarze Stiefel, rote Beinkleider und eine rosa Tunika mit blauen Rüschen an den Ärmeln. Der untere Rand des Rahmens bleibt offen: Dadurch sieht es fast so aus, als würde er die Seite verlassen, um den Betrachter in seinem Wirtshaus begrüßen zu können.
1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Schachbuch des Jacobus de Cessolis“
Schachbuch des Jacobus de Cessolis
- Verlag
- Belser Verlag – Zürich, 1988
- Limitierung
- 2980 Exemplare
- Einband
- Leder
- Kommentar
-
1 Band von Chiara Frugoni, Giovanna Balbi und Anezka Vidmanova
Sprache: Deutsch - Mehr Informationen
- Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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