Bestiarium aus St. Petersburg

Bestiarium aus St. Petersburg

Crowland Abbey, Lincolnshire, England (Vereinigtes Königreich) — Frühes 12. Jahrhundert

Eines der frühesten Bestiarien der Gotik, heute aufbewahrt in St. Petersburg: Eine englische Meisterhandschrift mit realistischen Tierdarstellungen auf leuchtendem Grund

  1. Moralisierende und lehrende Bestiarien gehörten zu den beliebtesten Handschriften des Mittelalters

  2. Diese englische Handschrift aus dem 12. Jahrhundert ist eines der frühesten gotischen Beispiele dafür

  3. Die realistischen Tierdarstellungen finden sich darin auf für die Zeit typischen, leuchtenden Goldgründen

Bestiarium aus St. Petersburg

Preiskategorie: €€ (1.000€ - 3.000€)
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Beschreibung
Bestiarium aus St. Petersburg

Die literarische Gattung der Bestiarien gehörte zu den beliebtesten Buchgenres der mittelalterlichen Welt. Es handelt sich hierbei um reich illuminierte Tierdichtung, die Lebewesen aus der Tier- und Fabelwelt auf moralisierende Art und Weise beschreibt. Besonders im England des 12. und 13. Jahrhunderts hatten diese illustrierten Manuskripte eine hohe Bedeutung inne. Das Bestiarium von St. Petersburg ist eines der schönsten und hochwertigsten Beispiele für diese Codices. Es ist ausgesprochen reich illuminiert mit farbigen Miniaturen, die meist mit einem edlen Hintergrund aus Blattgold hinterlegt sind.

Das Bestiarium von St. Petersburg

Ein Bestiarium ist eine mittelalterliche Tierdichtung, die moralisierend tatsächliche oder vermutete Eigenschaften von Tieren, auch Fabelwesen, allegorisch mit der christlichen Heilslehre verbindet. Bestiarien gehörten zu den beliebtesten Manuskripten des Mittelalters und waren oft reich illustriert. Eines der schönsten und hochwertigsten Beispiele dieses Buchgenres ist das Bestiarium von St. Petersburg. Das Werk ist ausgestattet mit insgesamt 114 fantasievollen, farbigen Miniaturen. Vier davon erstrecken sich über eine ganze Seite und so gut wie alle Bilder wurden vor einen opulenten goldenen Hintergrund gesetzt. Das Manuskript wurde im frühen 12. Jahrhundert in England verfasst und stellt eines der ersten Dokumente des gotischen Stils der Buchmalerei dar.

Ein internationaler Codex

Die literarische Gattung der Bestiarien hatte im England des 12. und 13. Jahrhunderts eine hohe Bedeutung. Untersuchungen zu ihrer inhaltlichen und stilistischen Einordnung waren stets mit Schwierigkeiten verbunden. Die Entstehungsorte der Handschriften sind unbekannt oder nicht eindeutig festzulegen, Ursprung und Ikonografie der Werke ist oft unklar. Das „Bestiarium von St. Petersburg“ entstand wahrscheinlich um 1190 in einem englischen Kloster in den nördlichen Midlands. Im 15. und 16. Jh. befand es sich in Frankreich, was durch zahlreiche Anmerkungen, meist Tiernamen, in französischer Sprache bestätigt wird. Eine Notiz in lateinischer Sprache verweist am Ende des Textes auf einen der Besitzer zu Beginn des 17. Jh.: Franciscus de la Morlière. Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts befand sich die Handschrift in der Bibliothek von Pierre Séguier, dem Leiter der königlichen Kanzlei unter zwei Königen Frankreichs, welcher eine der bedeutendsten Büchersammlungen seiner Zeit besaß. Von dort gelangte der Codex über einen Erben in die berühmte Pariser Abtei von Saint-Germain-des-Près. Ende des 18. Jh. erstand der erste russische Besitzer die Handschrift. Dabei handelte es sich um Pierre Dubrowsky, einen bibliophilen Diplomaten, der seinen Namen in verschiedenen Eintragungen verewigte. 1805 ging das Bestiarium gemeinsam mit den übrigen Werken der Bibliothek Dubrowsky in den Bestand der damaligen Kaiserlichen Bibliothek von St. Petersburg über. Diese bildet heute die russische Nationalbibliothek.

Luxuriöses Bildprogramm

Das Bestiarium von St. Petersburg war eines der ersten Luxusbestiarien mit Miniaturmalereien in kostbarer Blattgoldtechnik. Das Werk ist zusätzlich zu seinen Tierdarstellungen mit einem Bildzyklus zur Schöpfungsgeschichte ausgestattet. Die Miniaturen des Bestiariums wurden fertiggestellt, noch bevor ein Schreiber seinen handschriftlichen Text verfasste. Dies wird besonders deutlich an einigen Stellen, die den deutlichen Eindruck machen, dass Textzeilen den Bildszenen ausweichen mussten. Die Miniaturen des Bestiariums wurden von mindestens zwei verschiedenen Buchmalern geschaffen. Einer der Künstler besorgte die Gestaltung der Tierdarstellungen, der andere Meister kümmerte sich um die Illustration des Schöpfungszyklus. Im Stil der Illumination sind einige Besonderheiten zu erkennen, die die Datierung des Codex auf das Jahr 1190 ermöglichen. Die lebhafte Linienführung und die edle, stimmige Farbgebung der Bilder zeugen von einem Malstil, wie er in der englischen Literatur dieser Zeit häufig vorkam. Besonders hervorzuheben ist die Gestaltung der Figuren, vor allem in den Gesichtslinien und den Falten der Gewänder dargestellter Personen. Trotz flächiger Malweise gelang es den Meistern des Bestiariums, ihre Personen plastisch und bewegt-lebendig erscheinen zu lassen.

Kodikologie

Alternativ-Titel
St. Petersburg Bestiary
Bestiario de San Petersburgo
Saltykov-Shchedrin Bestiary
Umfang / Format
182 Seiten / 20,0 × 14,5 cm
Datum
Frühes 12. Jahrhundert
Stil
Sprache
Schrift
Gotische Textualis Prescissa
Buchschmuck
114 Miniaturen (4 ganzseitig), die meisten davon mit Goldhintergrund, mit Rot und Blau verzierte Initialen
Vorbesitzer
François de la Morlière
Pierre Séguir
Abtei von Saint-Germain-des-Près
Peter Petrovich Dubrovsky (1754–1816)

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Bestiarium aus St. Petersburg – Rf. Lat.Q.v.V.1 – Russische Nationalbibliothek (St. Petersburg, Russland)
AyN Ediciones – Madrid, 2002
Limitierung: 995 Exemplare
Detailbild

Bestiarium aus St. Petersburg

Löwenfamilie

Als „König der Tiere“ ist der Löwe das erste Tier, das in diesem prachtvollen englischen Bestiarium aus dem späten 12. Jahrhundert aufgeführt wird. Kurios erscheint, dass hier beide Tiere – Löwe und Löwin – eine dicke Mähne um den Hals tragen, was wohl aufdeckt, dass der Künstler niemals echte Löwen gesehen hatte und die Miniatur vielmehr nach einem Modell anfertigte, was durchaus üblich war. Nichtsdestotrotz sind sie mit liebevollen Gesichtern dargestellt, während sie ihre Jungen zärtlich abschlecken.

Bestiario de San Petersburgo
Einzelseite

Bestiarium aus St. Petersburg

Der Bonnacon

Mittelalterliche Bestiarien werden von Bibliophilen wegen der oft humorvollen Darstellung realer und imaginärer Kreaturen geliebt. Nur wenige mythische Tiere aber geben so viel Anlass zum Lachen wie der Bonnacon, der zuerst von Plinius dem Älteren beschrieben wurde: Das dem Wisent vergleichbare Tier schützt sich vor potenziellen Verfolgern, indem es seine ungewöhnlich feurige Blähung als Waffe einsetzt.

Die extrem hohe Qualität dieser Miniatur - fein gefärbte und konturierte Figuren mit glänzendem Blattgoldhintergrund - steht im Kontrast zu ihrem grobschlächtigen Thema. Der grün dargestellte Bonnacon blickt zurück auf seine Verfolger und ähnelt einem Stier mit nach innen gebogenen Hörnern und Mähne. Wir sehen den Anführer, der den Rest seiner Leute mit einem großen blauen Drachenschild vor der „Waffe“ des Bonnacon schützt, während ein Mann ganz links eine Axt hebt.

Bestiario de San Petersburgo
Faksimile-Editionen

#1 Bestiario de San Petersburgo

AyN Ediciones – Madrid, 2002

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: AyN Ediciones – Madrid, 2002
Limitierung: 995 Exemplare
Einband: Leder mit vier Schließbändern
Kommentar: 1 Band von O. N. Bleskina, Javier Docampo und Gregorio Solera
Sprache: Spanisch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Preiskategorie: €€ (1.000€ - 3.000€)
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