Bestiarium aus Peterborough

Bestiarium aus Peterborough

Abtei / Kathedrale von Peterborough (Vereinigtes Königreich) — Um 1300

Lebendig gemalt auf goldenem Grund: Über 100 gotische, oft in dynamischer Bewegung dargestellte Tier- und Fabelwesen in einem prächtigen Bestiarium

  1. Über 100 Miniaturen auf Goldgrund oder mit goldenen Rahmen mit verschiedenen Tieren, Vögeln und Fabelwesen

  2. Oft in einem Bewegungsausbruch zu sehende, gotische Tierdarstellungen sind direkt in den Text integriert

  3. Der Text basiert auf dem *Physiologus*, einer um das Jahr 200 entstandenen Schrift zur Naturkunde

Bestiarium aus Peterborough

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  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (2)
Beschreibung
Bestiarium aus Peterborough

Im Bestiarium von Peterborough, einer liebevoll bebilderten Tierlehre, werden sowohl heimische als auch exotische Tiere und sogar Fabelwesen wie Einhorn und Phönix eingehend beschrieben, gemalt und christologisch gedeutet. In über 100 Miniaturen über den gesamten Text verteilt zeigt der Buchmaler sein Können bei der möglichst realistischen Darstellung von Tieren, die er oft selbst noch nie gesehen hatte. Dabei wird zudem auf die prachtvolle Ausgestaltung der Handschrift mit Gold und leuchtenden Farben für Miniaturen, Initialen und Rankenwerk Wert gelegt.

Bestiarium aus Peterborough

Das Bestiarium aus Peterborough stellt ein eindrucksvolles Beispiel für die seit dem 12. Jahrhundert sehr beliebten Tierdichtungs-Handschriften dar. Der beschreibende und interpretierende Text wird mit unzähligen kleineren Bildfeldern illustriert und mit wunderschönen Initialen und Blattranken geschmückt. Dabei sind sowohl heimische als auch exotische Tiere und Fabelwesen aufgeführt, die liebevoll und so realitätsnah wie möglich gezeigt werden.

Liebe- und phantasievoll bebilderte Tierlehre

In über 100 Miniaturen auf Goldgrund oder im Goldrahmen finden sich über das ganze Buch verteilt Tiere wie Löwe, Biber, die verschiedensten Vögel, Krokodil, Elefant, aber auch Fabelwesen wie Einhorn, Phönix und Satyr. Sie illustrieren die zugehörigen Textpassagen, in denen jedes einzelne Tier eingehend beschrieben und meist auch christologisch und moralisch gedeutet wird. So wird die Krähe als Beispiel für die Morallehre über die Liebe zu und Sorge um Kinder genannt.
Der Text geht zurück auf den um 200 n. Chr. verfassten sogenannten „Physiologus“, eine Schrift, die sich mit Naturkunde beschäftigt. Diese wurde über die folgenden Jahrhunderte hinweg vielfach erweitert und ergänzt (beispielsweise durch Isidor von Sevillas „Etymologiae“ im 7. Jahrhundert), in viele Sprachen übersetzt und dadurch zwangsläufig auch verändert. Bis ins hohe Mittelalter hinein blieben solche Naturbeschreibungen ein beliebtes Sujet und boten den Buchmalern die Gelegenheit, sich in der möglichst realistischen Darstellung der Tierwelt zu ergehen.

Prachtvolle künstlerische Ausgestaltung

Für die Künstler war das nicht immer ein einfacher Auftrag, hatten sie doch viele der exotischen Tiere noch nie wirklich gesehen. Als Vorlagen konnten ihnen nur Beschreibungen anderer dienen, die selbst oftmals ins Phantastische drifteten. Der Buchmaler des Bestiariums aus Peterborough gestaltete die Handschrift auf sehr abwechslungsreiche Weise. Die Tierdarstellungen sind direkt in den Text integriert und nicht in einer eigenen Bildhälfte zusammengefasst. Die kleinen rechteckigen Felder sind bunt gestaltet und reichlich mit Gold geschmückt. Der künstlerische Stil erscheint sehr gotisch in der natürlicheren Gestaltung der Tiere, die häufig in Bewegung dargestellt sind.
Neben den Tierdarstellungen begeistert aber auch die sonstige künstlerische Gestaltung des Bestiariums. Viele Initialen schmücken den Text neben ausgreifenden floralem Rankwerk. Die Initialen sind zum Teil mit wunderschönen männlichen oder weiblichen Porträts gefüllt, zum Teil ornamental gestaltet.

Exotischer Zauber und lehrreiche Lektüre

In diese prächtigen Bilder konnte sich der Leser versenken und durch das Studium der informativen und gleichzeitig sehr unterhaltsamen Lektüre exotische Gefilde kennenlernen, die er noch nie zu Gesicht bekommen hatte und wohl auch nie sehen würde. Diesem Umstand des Exotischen und Unbekannten ist es wohl auch zu verdanken, dass Fabelwesen wie das Einhorn oder der Satyr neben den bekannten Tieren aufgelistet werden. Dass solche Bestiarien besonders in England und Nordfrankreich sowohl für geistliche als auch weltliche Auftraggeber gefertigt wurden, bezeugt ihren Unterhaltungs- als auch Bildungswert, der noch heute - trotz der fortgeschrittenen wissenschaftlichen Erkenntnisse - seinen Zauber auf den Leser und Betrachter ausstrahlt.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Peterborough Bestiary
Umfang / Format
44 Seiten / 34,8 × 23,6 cm
Datum
Um 1300
Stil
Schrift
Gotische Quadrata
Buchschmuck
104 Miniaturen, 108 Initialen, verschiedene Drolerien und Marginalien schmücken alle Seiten der Handschrift
Inhalt
Meister des Jesus College MS D.40
Vorbesitzer
Abtei von Peterborough
Matthew Parker (1504–75)

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Bestiarium aus Peterborough – MS 53 – Parker Library, Corpus Christi College (Cambridge, Großbritannien)
Faksimile Verlag – Luzern, 2003
Limitierung: 1480 Exemplare (Co-Edition mit Salerno Editrice)

Bestiario di Peterborough
Salerno Editrice – Rom, 2004
Limitierung: 1480 Exemplare (Co-Edition mit Faksimile Verlag Luzern)
Detailbild

Bestiarium aus Peterborough

Drachen

Ganz gleich, ob die Menschen im Mittelalter tatsächlich glaubten, es gäbe exotische Regionen der Welt, die von Drachen bewohnt werden, oder ob die furchterregenden Fabelwesen von Künstlern und Gelehrten absichtlich für ihre Symbolik genutzt wurden – sie sind in praktisch allen mittelalterlichen Bestiarien präsent. Die obere Miniatur zeigt einen Drachen mit einem zweiten Kopf am Ende seines Schwanzes. Währenddessen kämpft ein anderer Drache im Meer mit einer Art gehörntem Monster, das den Kopf des Drachens im Maul hat.

Bestiarium aus Peterborough
Einzelseite

Bestiarium aus Peterborough

Der Löwe

In der mittelalterlichen Allegorie war der Löwe ein Symbol für Macht, Stärke, Mut und Großzügigkeit. Er hatte sowohl in der jüdisch-christlichen Tradition als auch in der antiken Mystik eine große symbolische Bedeutung. Die vorliegende Seite enthält sowohl eine Miniatur als auch eine historisierte Initiale mit einem sitzenden Löwen, der den Betrachter anschaut. Alles ist in satten Rot- und Blautönen mit schimmerndem Blattgold gehalten.

In der unteren linken Ecke zeigt eine Miniatur fünf Szenen aus dem Leben eines Löwen: Er wird in einer gejagt und in einer anderen von einer Schlange angegriffen, in den anderen drei sehen wir aber, wie Tier, Affe und Mensch gleichermaßen dem mächtigen König der Tiere zum Opfer fallen. Vögel beleben die kunstvoll gestalteten Rankenränder, darunter auch das Mischwesen eines Bogenschützen mit dem Unterleib eines Falken.

Bestiarium aus Peterborough
Faksimile-Editionen

#1 Bestiarium aus Peterborough

Faksimile Verlag – Luzern, 2003
Bestiarium aus Peterborough – MS 53 – Parker Library, Corpus Christi College (Cambridge, Großbritannien)
Bestiarium aus Peterborough – MS 53 – Parker Library, Corpus Christi College (Cambridge, Großbritannien) Copyright Bildmaterial: Ziereis Faksimiles

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Faksimile Verlag – Luzern, 2003
Limitierung: 1480 Exemplare (Co-Edition mit Salerno Editrice)
Einband: Ein in sorgfältiger Handarbeit blindgeprägter brauner Ledereinband, eine getreue Nachbildung eines typischen Einbands aus Cambridge, umschließt den Faksimileband. Alle Blätter wurden zuvor originalgetreu randbeschnitten und von Hand zum Buchblock geheftet. Die Rollenstempel auf der Einbanddecke zeigen, passend zum Inhalt des Buches, als Motive Greif, Löwe und Drache.
Kommentar: 1 Band von Christopher de Hamel und Lucy Freeman Sundler
Sprachen: Englisch, Deutsch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Regulärer Preis ohne Anmeldung (wie neu)1.390 
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#2 Bestiario di Peterborough

Salerno Editrice – Rom, 2004

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Salerno Editrice – Rom, 2004
Limitierung: 1480 Exemplare (Co-Edition mit Faksimile Verlag Luzern)
Einband: Ein in sorgfältiger Handarbeit blindgeprägter brauner Ledereinband, eine getreue Nachbildung eines typischen Einbands aus Cambridge, umschließt den Faksimileband. Alle Blätter wurden zuvor originalgetreu randbeschnitten und von Hand zum Buchblock geheftet. Die Rollenstempel auf der Einbanddecke zeigen, passend zum Inhalt des Buches, als Motive Greif, Löwe und Drache.
Kommentar: 1 Band (96 Seiten) von Christopher De Hamel, Lucy Freeman Sundler und Valerio Marucci
Sprache: Italienisch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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