Chronica Hungarorum

Chronica Hungarorum – Helikon – Inc. 1146 and 1143b – Országos Széchényi Könyvtár (Budapest, Ungarn)

Augsburg (Deutschland) — 1488

1488 von Erhard Ratdolt in Augsburg gedruckt und durch einen monumentalen Holzschnittzyklus belebt: János Thuróczys Nationalchronik verwandelt Ungarns Geschichte von den Hunnen bis zu König Matthias in ein großes Bilderbuch

  1. Die Augsburger Ausgabe von 1488, verfasst von János Thuróczy und gedruckt vom berühmten Erhard Ratdolt

  2. Zahlreiche große Holzschnitte schaffen die erste umfangreiche gedruckte Bildgeschichte Ungarns und seiner Herrscher

  3. Die Exemplare der Széchényi-Nationalbibliothek umfassen sowohl unkolorierte als auch luxuriöse Pergamentdrucke mit farbiger und vergoldeter Ausstattung

Chronica Hungarorum

  1. Beschreibung
  2. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Chronica Hungarorum

Die von Erhard Ratdolt 1488 in Augsburg gedruckte Chronica Hungarorum des János Thuróczy gehört zu den großartigsten illustrierten Geschichtswerken der frühen Druckzeit. Sie erzählt die Vergangenheit der Ungarn von den sagenhaften hunnischen Ursprüngen über mittelalterliche Könige und Kriege bis in die Epoche Matthias Corvinus’. Ein gewaltiger Holzschnittzyklus verleiht Herrschern, Schlachten, Städten, Krönungen und Wundern eine bis dahin unerreichte gedruckte Präsenz. Ratdolts Ausgabe erschien nur wenige Monate nach dem ersten Brünner Druck, verwandelte die Chronik jedoch durch ihren bildlichen Ehrgeiz und ihre technische Verfeinerung. Die Széchényi-Nationalbibliothek bewahrt mehrere Exemplare, darunter luxuriöse Pergamentdrucke mit kolorierten und vergoldeten Holzschnitten. Die Signaturen Inc. 1146 und 1143b gehören zu dieser Thuróczy-Ausgabe von 1488 – nicht zur andersartigen, 1473 von Andreas Hess in Buda gedruckten Chronica Hungarorum.

Eine gedruckte Geschichte des ungarischen Königreichs

János Thuróczys Chronica Hungarorum wurde 1488 zunächst in Brünn gedruckt und erschien noch im selben Jahr in einer wesentlich prachtvolleren Ausgabe aus der Augsburger Offizin Erhard Ratdolts. Das Werk vereint ältere ungarische Chroniktraditionen und führt die Erzählung bis in die Regierungszeit Matthias Corvinus’ fort.

Es beginnt mit sagenhaften Ursprüngen und der Geschichte der Hunnen, behandelt die Landnahme der Ungarn, die Dynastie des heiligen Stephan, Einfälle, innere Konflikte und Thronfolgen und mündet in die jüngste Vergangenheit. Mythos, dynastisches Gedächtnis und zeitgenössische Politik werden zu einer geschlossenen nationalen Erzählung verbunden.

Geschichte in Holzschnitten

Ratdolts Augsburger Ausgabe zeichnet sich durch ein außergewöhnliches Bildprogramm aus. Große Holzschnitte zeigen Herrscher, Schlachten, Belagerungen, Städte, Beratungen und Wunderzeichen. Manche Bilder wurden für bestimmte Episoden geschaffen, andere wiederholt verwendet und durch den jeweiligen Kontext neu gedeutet.

Die Darstellungen verliehen der ungarischen Geschichte eine Sichtbarkeit, die handschriftliche Chroniken in vergleichbarer Breite nicht erreichen konnten. Die Leser begegneten einer Folge königlicher Bildnisse und dramatischer Ereignisse, in der Vergangenheit und Gegenwart eine visuelle Genealogie bildeten. Die Chronik wurde nicht nur zum Text über das Königreich, sondern zum gedruckten Bild des Königreichs.

Gedrucktes politisches Gedächtnis

Eine Chronik zeichnet Ereignisse nicht nur auf. Indem sie Anfänge wählt, Dynastien ordnet und Legende mit jüngster Geschichte verbindet, erklärt sie, warum ein Reich besteht und wie Herrschaft von einem König zum nächsten gelangt. Thuróczys Erzählung gibt der ungarischen Vergangenheit eine lange Dauer von hunnischer Abstammung bis zum zeitgenössischen Hof. Die Abfolge verwandelt Erinnerung in politische Ordnung. Siege, Katastrophen, Heilige, Könige und Konflikte erscheinen als Bestandteile einer fortlaufenden Geschichte.

Die Holzschnitte verstärken diese Wirkung. Wiederkehrende Typen von Herrscher, Schlacht, Rat oder Stadt schaffen visuelle Kontinuität, selbst wenn Jahrhunderte zwischen den Ereignissen liegen. Einzelne Szenen erhalten zugleich besonderes Gewicht und werden zu Ankern der Erinnerung. Die Wiederverwendung von Druckstöcken ist daher nicht nur ökonomisch; der jeweilige Zusammenhang verleiht einem Bild verschiedene historische Bedeutungen. Die gedruckte Seite lehrt, Kategorien von Macht und Ereignis zu erkennen.

Ratdolts technische Verfeinerung gab dem Werk zusätzliche Autorität. Sorgfältige Typografie, ehrgeizige Illustration und die Möglichkeit von Kolorierung oder Vergoldung erlaubten Ausgaben für unterschiedliche Besitzer – vom Gebrauchsexemplar auf Papier bis zum kostbaren Pergamentdruck.

Die Abgrenzung von der 1473 in Buda gedruckten Chronik ist wesentlich, weil der gemeinsame Titel ganz unterschiedliche Werke verdeckt. Die Thuróczy-Ausgabe gehört in die letzten Jahre Matthias Corvinus’ und in ein internationales Drucknetz zwischen Ungarn, Mähren und Augsburg. Sie ist zugleich nationale Geschichte und europäische Inkunabel, geprägt von der Bewegung von Texten, Künstlern, Druckern und Auftraggebern über Grenzen hinweg.

Luxusexemplare und die Welt der Corvina

Die Széchényi-Nationalbibliothek bewahrt mehrere Exemplare der Augsburger Ausgabe. Darunter befinden sich Pergamentdrucke in Schwarz und Gold mit kolorierten und vergoldeten Holzschnitten und Initialen ebenso wie Papierexemplare mit unkoloriertem Bildschmuck. Die Signaturen Inc. 1146 und 1143b stehen für unterschiedliche Ausstattungsstufen derselben Ausgabe und dienten als Grundlage der modernen Faksimileedition.

Das Werk darf nicht mit der 1473 von Andreas Hess in Buda gedruckten Chronica Hungarorum, dem ersten in Ungarn gedruckten Buch, verwechselt werden. Thuróczys Chronik ist eine spätere und wesentlich umfangreicher illustrierte Geschichtssynthese. In Ratdolts Händen wurde sie zum Meisterwerk, in dem ungarisches Gedächtnis, Renaissancehistoriografie und die Bildmacht des Inkunabeldrucks zusammenfinden.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Magyar Krónika
Chronicon Pictum
Képes Krónika
Thuróczy Chronicle
Thuróczy Chronik
Chronica Hungarorum 1488
Herkunft
Deutschland
Datum
1488
Sprache
Buchschmuck
Zahlreiche große Holzschnitte, viele davon koloriert
Inhalt
Chronica Hungarorum
Auftraggeber
Theobald Feger
Künstler / Schule

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Chronica Hungarorum – Helikon – Inc. 1146 and 1143b – Országos Széchényi Könyvtár (Budapest, Ungarn)
Helikon – Budapest, 1986
Faksimile-Editionen

#1 Magyar Krónika

Helikon – Budapest, 1986

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Helikon – Budapest, 1986
Kommentar: 1 Band von János Horvát, Iván Boronkai und Pál Engel
Sprache: Ungarisch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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