Defensorium Immaculatae Virginitatis

Defensorium Immaculatae Virginitatis – Insel Verlag – Xylogr. 34 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland)

Nördlingen (Deutschland) — 1470

Wunder als Beweis für die jungfräuliche Empfängnis Christi: Biblische Ereignisse, antike Mythen und Naturphänomene vereint in einem der frühen Bilderbücher der Druckgeschichte

  1. Vom Wiener Dominikaner und Theologen Franz von Retz als bildhafte Verteidigung der jungfräulichen Empfängnis Christi verfasst

  2. In Nördlingen im Jahr 1470 als frühes Blockbuch mit 59 Bildszenen und erläuternden lateinischen Versen gedruckt

  3. Sorgfältig von Hand koloriert und dadurch jedes Exemplar zu einem individuellen Zeugnis früher Druckkunst gestaltet

Defensorium Immaculatae Virginitatis

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Beschreibung
Defensorium Immaculatae Virginitatis

Das Defensorium Immaculatae Virginitatis versammelt wundersame Begebenheiten aus dem Alten Testament, der antiken Mythologie sowie der Tier- und Naturwelt, um die jungfräuliche Empfängnis Christi und die unversehrte Jungfräulichkeit Mariens zu verteidigen. Das dem Wiener Dominikaner und Theologen Franz von Retz zugeschriebene Werk folgt dabei einer einprägsamen Argumentation: Wenn selbst außergewöhnliche Vorgänge in Natur und Überlieferung als wahr gelten, muss auch das Wunder der Gottesmutterschaft Mariens glaubhaft erscheinen. Die 1470 in Nördlingen entstandene Ausgabe gehört zu den frühen Blockbüchern des 15. Jahrhunderts, bei denen Bild und Text gemeinsam von Holztafeln gedruckt wurden. Acht Druckstöcke erzeugten sechzehn Bildseiten mit nahezu sechzig Szenen und erläuternden Versen. Die sorgfältige Handkolorierung verleiht den Darstellungen besondere Lebendigkeit. So verbindet das Werk theologische Beweisführung, volkstümliche Erzählkunst und frühe Drucktechnik zu einem eindrucksvollen Bilderbuch des späten Mittelalters.

Ein theologischer Beweis in Bildern

Um 1400 verfasste der Wiener Dominikaner und Theologe Franz von Retz das Defensorium Immaculatae Virginitatis. Im Streit um mariologische Glaubensfragen wollte er Zweifel an der jungfräulichen Empfängnis Christi und an der unversehrten Jungfräulichkeit Mariens widerlegen. Dafür wählte er eine Folge einprägsamer Beispiele aus Bibel, Sage und Naturkunde.

Die Grundidee ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Wenn in Geschichte und Natur scheinbar Unmögliches geschehen kann, darf auch das Wunder der Gottesmutterschaft Mariens nicht bezweifelt werden. Das Werk übersetzt damit theologische Argumentation in anschauliche Bilder und kurze lateinische Verse.

Wunderbare Begebenheiten als Beweismittel

Zu den Beispielen gehören Ereignisse aus dem Alten Testament, Motive der antiken Mythologie und erstaunliche Erzählungen über Tiere und Naturerscheinungen. Ein Phönix ersteht aus der Asche, eine Jungfrau trägt Wasser in einem Sieb, Vögel wachsen an Bäumen, und ein Löwe erweckt seine Jungen durch sein Brüllen zum Leben. Auch die Verwandlung von Menschen durch Circe wird einbezogen.

So wird sichtbar, wie das Werk überzeugen wollte: Das Staunen über die Schöpfung wird zum Argument für das Glaubensgeheimnis.

Ein Bilderbuch mit gelehrtem Anspruch

Die nahezu sechzig Darstellungen sind keine bloße Ausschmückung. Jede Szene veranschaulicht ein Beispiel und wird durch erläuternde Verse auf die Jungfräulichkeit Mariens bezogen. So konnte die Aussage rasch erfasst und leichter erinnert werden. Bild und Wort bilden eine untrennbare Einheit der Beweisführung.

Die dichte Folge kleinformatiger Szenen verleiht dem Werk den Charakter eines spätmittelalterlichen Bilderbuches. Zugleich bleibt sein gelehrter Ursprung erkennbar: Franz von Retz war Professor der Theologie in Wien und befasste sich auch in anderen Schriften mit der Marienverehrung. Die Bildsprache verlieh der Abhandlung eine unmittelbare Wirkung über theologische Fachkreise hinaus.

Gedruckt von ganzen Holztafeln

Die 1470 in Nördlingen geschaffene Ausgabe gehört zu den frühen Blockbüchern des 15. Jahrhunderts. Dabei wurden Bild und Text gemeinsam in eine Holztafel geschnitten, eingefärbt und auf Papier gedruckt. Für jede vollständige Seite musste ein eigener Druckstock angefertigt werden.

Acht große Holztafeln lieferten sechzehn Bildseiten mit 59 Darstellungen und den zugehörigen Versen. Die Herstellung zeigt, wie eng das Blockbuch noch mit der handwerklichen Tradition des Holzschnitts verbunden war. Zugleich eröffnete es die Möglichkeit, Bilder und Texte in mehreren Exemplaren zu vervielfältigen.

Friedrich Walther und Hans Hürning

Die Ausgabe wird dem Nördlinger Maler und Zeichner Friedrich Walther zugeschrieben, dessen Initialen und die Jahreszahl 1470 auf dem Werk erscheinen. Wahrscheinlich arbeitete er mit dem Schreiner und Holzschneider Hans Hürning zusammen. Walther dürfte die Bildentwürfe geliefert haben, während Hürning an der Herstellung der Druckstöcke beteiligt war.

Die klar umrissenen Figuren, lebhaften Gesten und knappen Bildräume konzentrieren jede Darstellung auf den entscheidenden Vorgang. Die Folge verbindet volkstümliche Erzählfreude mit prägnanter visueller Argumentation.

Früher Druck und individuelle Farbigkeit

Nach dem Druck wurden die Holzschnitte sorgfältig von Hand koloriert. Grün, Rot, Orange, Ocker und Minium beleben Gewänder, Tiere und Landschaftselemente. Obwohl die Motive vervielfältigt werden konnten, blieb jedes kolorierte Exemplar durch die Handarbeit ein individuelles Erzeugnis früher Druckkunst.

Nur wenige Blockbücher haben die Jahrhunderte überdauert. Das Defensorium Immaculatae Virginitatis bewahrt daher eine eindringliche theologische Bilderwelt und eine entscheidende Phase der Buchgeschichte: den Übergang von der handgefertigten Handschrift zum vervielfältigten gedruckten Buch.

Kodikologie

Herkunft
Deutschland
Datum
1470
Stil
Sprache
Schrift
Bastarda
Buchschmuck
60 kolorierte Holzschnitte
Inhalt
Apologie der Unbefleckten Empfängnis Mariä
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Benediktinerkloster Rott am Inn
Universitätsbibliothek Landshut

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Defensorium Immaculatae Virginitatis – Insel Verlag – Xylogr. 34 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland)
Insel Verlag – Frankfurt, 1925
Limitierung: 500 Exemplare
Faksimile-Editionen

#1 Defensorium Immaculatae Virginitatis

Insel Verlag – Frankfurt, 1925

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Insel Verlag – Frankfurt, 1925
Limitierung: 500 Exemplare
Kommentar: 1 Band (4 Seiten) von Kurt Pfister
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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