Ein goldleuchtendes Beispiel für frühen internationalen Kulturaustausch: Die großartige Melanche europäischer Kunsttraditionen im Auftrag von Anna von Böhmen

Der Breslauer Psalter

Breslau (Polen) — 1255 - 1267

Der Breslauer Psalter

Der Breslauer Psalter

Breslau (Polen) — 1255 - 1267

  1. Mindestens sieben schlesische Künstler unter der Ägide des Giovanni di Gaibana (1220-1297) haben dieses wunderbare Werk geschaffen

  2. Das Kunstwerk zeichnet sich durch ein extravagantes Zusammentreffen verschiedener Einflüsse der gesamteuropäischen Buchmalerei aus

  3. Es ist ein hervorragendes Beispiel für den internationalen Kulturaustausch zwischen Ost und West, Nord und Süd

Der Breslauer Psalter

Alternativ-Titel:
  • Breslau Psalter
Der Breslauer Psalter – MS 36-1950 – Fitzwilliam Museum (Cambridge, Großbritannien)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Der Breslauer Psalter fasziniert seinen Betrachter mit großem Ausstattungsreichtum und mit dem Aufeinandertreffen verschiedener Einflüsse der europäischen Buchmalerei. Die prächtige Handschrift entstand zwischen 1255 und 1267 in Westpolen und versammelt auf 294 Seiten unglaubliche 27 ganzseitige Miniaturen, 168 Randminiaturen, 36 Kalendermedaillons, 10 Initialzierseiten sowie zahlreiche Ornamente und figürliche Szenen auf den Blatträndern. Während Schreiber aus Deutschland für den Text der 150 Psalmen und alttestamentarischen Lobgesänge zuständig waren, übernahm der aus Padua stammende Buchmaler Giovanni di Gaibana die Leitung der Maler. Unter ihm arbeitete ein ganzes Team aus schlesischen Künstlern, die nach seinen Vorgaben die große Fülle an Darstellungen zauberten. Nur so konnten fantasievolle Architekturen mit östlichen Kuppeldächern und einem abendländischem Formenrepertoire entstehen.

Der Breslauer Psalter

In dem einzigartigen Breslauer Psalter kommen verschiedene Einflüsse der europäischen Buchmalerei auf beeindruckende Art und Weise zusammen. Die zwischen 1255 und 1267 in Breslau entstandene Handschrift mit 150 Psalmen und Lobgesängen aus dem Alten Testament wurde von mindestens sieben schlesischen Künstlern ausgestattet, die unter der Leitung des Italieners Giovanni di Gaibana arbeiteten. Zusammen zauberten sie 27 ganzseitige Miniaturen, 168 Randminiaturen, 36 Kalendermedaillons, 10 Initialzierseiten sowie zahlreiche Ornamente und figürliche Szenen auf den Blatträndern.

Beispiel für europäische Buchkunst

Der Breslauer Psalter ist ein hervorragendes Beispiel für den kulturellen Austausch zwischen Ost und West, Nord und Süd. Während Schreiber aus Deutschland für die Psalmen und Lobgesänge zuständig waren, führte der aus Padua stammende Buchmaler Giovanni di Gaibana als Hauptmeister die Miniaturen aus. Unter seiner Leitung arbeitete außerdem ein ganzes Team von schlesischen Malern, die ihn bei der großen Zahl an Darstellungen unterstützten. Nur durch diese Zusammenarbeit konnte eine Bildwelt entstehen, die schimmernde Goldhintergründe und östliche Kuppeldächer mit dem abendländischen Formenrepertoire verbindet.

Großer Ausstattungsreichtum

Jeder der Psalmen und Lobgesänge ist mit einem eigenen Bild versehen, was dazu führt, dass gelegentlich bis zu drei Darstellungen auf einer Seite Platz finden müssen. Diese hohe Dichte an Miniaturen ist umso erstaunlicher, wenn man sie genauer betrachtet und die umfangreiche Bildsprache und die große Vielfalt der Motive entdeckt. So befinden sich die Figuren nicht vor einem schlichten Goldgrund sondern vor fantasievollen Architekturen mit Spitzbögen, gotischen Drei- und Vierpässen und zarten Säulen. Besonders individuell ist zudem die Gestaltung der Gesichter und der verschiedenen Körperhaltungen. Aus dem Zusammenspiel von Gestik und Mimik lassen sich Emotionen wie Trauer und Mitgefühl deutlich erkennen.

Böhmische Herzogin als Auftraggeberin

Durch die Betonung der böhmischen Heiligen im Kalender des Psalters und die weiblichen Gebetsformeln, kann angenommen werden, dass Anna von Böhmen (1204-1268) die Auftraggeberin der herrlichen Handschrift ist. Sie ist die Witwe von Heinrich II., Herzog von Schlesien (1196/1207-1241) und gründete 1242 zusammen mit ihrem Sohn Boleslaw II. das Kloster Grüssau.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Breslau Psalter
Umfang / Format
294 Seiten / 32,6 × 22,7 cm
Datum
1255 - 1267
Sprache
Schrift
Gotische Textualis
Buchschmuck
28 ganzseitige Miniaturen, 36 Kalenderbilder, 10 großformatige historisierte Zierinitialen, 168 kleinere Miniaturen auf den Seitenrändern
Inhalt
Psalmen; Gesänge; Litaneien; Kurzgebete
Auftraggeber
Anna von Böhmen (1204–1268), Witwe Herzog Heinrichs II. von Schlesien
Künstler / Schule
Der Breslauer Psalter

Der Breslauer Psalter

Geburtsszene

Hier sind realistische Szenen, die mit der Geburt Christi in Verbindung stehen, kreisförmig um die in der Mitte ruhende Jungfrau Maria angeordnet, deren Bedeutung durch ihre Größe betont wird und die gerade liebevoll ihr Neugeborenes streichelt. Die Hügel um sie herum sind voller Hirten, ein erschöpfter Joseph stützt seinen Kopf auf seiner Hand auf und das Christkind wird zum ersten Mal gebadet, während interessierte Engel alles von oben aus beobachten.

Der als Hand B bezeichnete Meister, der diese prächtige Miniatur schuf, kombinierte traditionelle Elemente der byzantinischen Ikonographie mit dem zeitgenössischen deutschen Zackenstil und Einflüsse des Gaibana-Meisters. So sehen wir etwa eine starke Stilisierung beim Faltenwurf und bei den Darstellungen der Hügel sowie standardisierte, abgeflachte Gesichtszüge, ausdrucksstarke Gesten und einen glänzenden Blattgoldhintergrund.

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Der Breslauer Psalter
Der Breslauer Psalter – MS 36-1950 – Fitzwilliam Museum (Cambridge, Großbritannien)
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Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2019
Limitierung
680 Exemplare
Kommentar
1 Band von Nigel Morgan, Stella Panayotova and Paola Ricciardi
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Details
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
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