Entstanden am Hofe König Wenzels IV. in Prag: Ein Meistwerk der internationalen Gotik in sage und schreibe 700 Miniaturenmedallions

Martyrologium von Usuard

Prag (Tschechien) — Um 1400

Martyrologium von Usuard

Martyrologium von Usuard

Prag (Tschechien) — Um 1400

  1. Ein Text aus dem 9. Jahrhundert, der um 1400 am Hofe König Wenzels IV. von Böhmen (1361-1419) meisterlich illuminiert wurde

  2. 700(!) Medaillonminiaturen zeigen die Martyrien verschiedener Heiligen in ihren Qual oder ihre Begräbnisse

  3. Die Handschrift war im Besitz wichtiger Adelshäuser in Österreich, Ungarn, Schweden und Italien

Martirologio de Usuardo

Martyrologium von Usuard

Martyrium des heiligen Ignatius von Antiochia

Der heilige Ignatius von Antiochia soll ein Schüler des Apostels Johannes gewesen sein und war Bischof von Antiochia. Als solcher erlitt er auf Befehl des Kaisers Trajan im Kolosseum in Rom den Märtyrertod. Zwar wird sein Festtag heute am 17. Oktober gefeiert, im mittelalterlichen Heiligenkalender hatte er jedoch am 1. Februar seinen Gedenktag. Deshalb findet sich diese Medaillonminiatur zusammen mit anderen Märtyrern im Monat Februar. Ignatius ist bis zur Taille ausgezogen und trägt die Mitra eines Bischofs, als er vor einem roten Hintergrund von Löwen mit goldenen Ranken angegriffen wird.

Martyrologium von Usuard

Alternativ-Titel:
  • Martyrology of Usuard
  • Martirologio de Usuardo
  • Martyrologium von Usuard
  • Martirologio di Usuardo
  • Martyrologe d’Usuard
  • Martirológio de Usuardo
Martyrologium von Usuard – Museu Diocesà (Gerona, Spanien)
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Bildvon
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Das Martyrologium von Usuard ist eine kostbare illuminierte Handschrift, die im neunten Jahrhundert vom Mönch Usuard geschrieben wurde und um 1400 mit hochwertigen Miniaturen ausgestattet wurde. Das Werk wird als die schönste Arbeit der internationalen gotischen Kunst betrachtet.

Das Martyrologium von Usuard

Etwa in der Mitte des neunten Jahrhunderts verfasste ein Benediktinermönch namens Usuard eine Handschrift, welche über die Jahrhunderte hinweg viel reiste und die Buchkunst des Mittelalters deutlich beeinflusste. Bei jener Handschrift handelt es sich um das Martyrologium des Usuard. Dieser Codex wird von Kunsthistorikern einstimmig als das nobelste und extravaganteste illuminierte Manuskript der Gotik bezeichnet. Der Text des Werkes handelt von Heiligen, wie sie ihre Martyrien durchleiden und ist mit beeindruckenden Miniaturen geschmückt. Insgesamt enthält das Werk 700 farbige und goldverzierte Miniaturen.

Wer war Usuard?

Der Benediktinermönch Usuard war ein Mitglied der Abtei Saint-Germain-des-Prés in Paris und lebte im neunten Jahrhundert. Usuard war ein wichtiges Ordensmitglied und wurde berühmt für sein erstaunliches Martyrologium, welches über die Jahrhunderte hinweg unzählige Male rezipiert wurde. Im Prolog der Handschrift wird davon berichtet, wie der Mönch sein Werk an Karl den Kahlen überreicht. Etwa um 1400 wurde der Codex am Hofe Wenzeslaus´ von Böhmen um einige Heilige erweitert und erhielt seinen atemberaubenden Buchschmuck.

Höfische Buchmalerei

In der internationalen höfischen Buchkunst spielt das Martyrologium eine wichtige Rolle. Die Bilder der Handschrift sind typische Beispiele der vorzüglichen böhmischen Malerei des Mittelalters und zeigen deutlich Einflüsse internationaler Kunst am Übergang vom 14. Ins 15. Jahrhundert. Die Miniaturen zeigen Heilige, die sich in den Qualen ihrer Martyrien befinden oder deren Überreste begraben werden. Jedes Bild ist in lebendigen Farben gehalten und wurde üppig mit goldenen Verzierungen ausgestattet. Die Darstellungen befinden sich runden Medaillons, die von naturalistischen Pflanzenranken elegant eingerahmt und miteinander verbunden sind.

Eine weitgereiste Handschrift

Usuard nahm seinen Codex auf eine Reise nach Spanien mit, wohin er geschickt wurde, um wichtige Reliquien zu überführen. Sein Martyrologium blieb der Jahrhunderte lang in Katalonien und befand sich später im Besitz wichtiger Adelshäuser in Österreich, Ungarn, Schweden und Italien. Im 17. Jahrhundert gelangte das wertvolle Manuskript in das Museu Diocesà in der spanischen Stadt Girona, wo es noch heute aufbewahrt wird.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Martyrology of Usuard
Martirologio de Usuardo
Martyrologium von Usuard
Martirologio di Usuardo
Martyrologe d’Usuard
Martirológio de Usuardo
Umfang / Format
252 Seiten / 46,3 x 33,0 cm
Datum
Um 1400
Sprache
Buchschmuck
705 goldschmückte Miniaturen
Auftraggeber
Wenzel IV. (1361-1419), König von Böhmen und Kaiser
Martirologio de Usuardo

Martyrologium von Usuard

Der heilige Pontianus von Spoleto und der heilige Germanicus von Izmir

Dieses Martyrologium hat die Form eines Kalenders, wobei jede Seite die Heiligen darstellt, die mit dem jeweiligen Datum verbunden sind. Diese werden typischerweise in Form von 2-5 Medaillon-Miniaturen präsentiert, die durch mehrfarbige Ranken verbunden sind, die entlang der Ränder verlaufen. Diese Seite hier ist aber innovativer und bricht mit diesem strengen Bildprogramm.

Der Textkörper ist hier an den Seitenrändern und oben mit einem Rahmen aus floralem Flechtwerk versehen, der untere Rand wird durch eine Bas-de-Page-Miniatur gebildet. Sie ist eine meisterhafte Darstellung eines schrecklichen Drachen mit roten Augen, der den heiligen Germain (+ 156) im Mund hält: Der Heilige hängt dort schlaff in seiner grünen Tunika und den blauen Beinkleidern herunter. Eine in den Blumenrahmen am linken Seitenrand eingearbeitete Miniatur zeigt einen Engel, der den gefangenen Pontianus von Spoleto (+ 169) besucht: Dieser Heilige wurde am 14. Januar 175 von den Römern gefangen genommen und enthauptet.

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Martyrologium von Usuard“

Martirologio de Usuardo
Martyrologium von Usuard – Museu Diocesà (Gerona, Spanien)
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Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
M. Moleiro Editor – Barcelona, 1997
Limitierung
987 Exemplare
Einband
Granatrotes, goldgeprägtes Leder
Kommentar
1 Band (410 Seiten) von Rosa Ferrer, Jaume Camprodon, Josefa Arnall, Gabriel Roura, Milada Studnicková und Joaquín Yarza Luaces
Sprache: Spanisch
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Details
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