Gebetbuch von Dominicus Kálmáncsehi

Gebetbuch von Dominicus Kálmáncsehi – Schöck ArtPrint Kft. – MS nouv. acq. lat. 3119 – Bibliothèque nationale de France (Paris, Frankreich)

Buda (Ungarn) — 1492

Um 1492 in Buda für einen der führenden Prälaten am Hof König Matthias Corvinus’ geschaffen: Ein juwelenhaftes Gebetbuch, in dem italienische Renaissanceornamentik in die ungarische Hofkultur einzieht

  1. Bestellt von Domonkos Kálmáncsehi, Großpropst von Székesfehérvár und bedeutender Persönlichkeit am Königshof

  2. Ein kompaktes privates Andachtsbuch mit Renaissancebordüren, Zierinitialen und leuchtender Farbigkeit

  3. Ein seltenes Zeugnis der Budaer Werkstatt, die neben der Corvina-Bibliothek auch hochrangige ungarische Prälaten ausstattete

Gebetbuch von Dominicus Kálmáncsehi

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Beschreibung
Gebetbuch von Dominicus Kálmáncsehi

Das Gebetbuch des Dominicus Kálmáncsehi entstand um 1492 in Buda für einen der gebildetsten Kirchenmänner am Hof König Matthias Corvinus’. Kálmáncsehi, Großpropst von Székesfehérvár, übernahm diplomatische und finanzielle Aufgaben; seine erhaltenen Handschriften zeigen ihn jedoch vor allem als leidenschaftlichen Bibliophilen. Der kompakte Band verwandelt private Andacht in ein Juwel ungarischer Renaissancebuchkunst. Die lateinischen Gebete werden von leuchtenden Bordüren, ornamentalen und historisierten Initialen sowie italienisch geprägten Motiven gerahmt, wie sie den künstlerischen Austausch im Umfeld der königlichen Bibliothek kennzeichnen. Zugleich belegt die Handschrift, dass die berühmte Budaer Werkstatt nicht allein für den König arbeitete: Hochrangige Prälaten folgten seinem Vorbild und bestellten Bücher von vergleichbarer Verfeinerung. Es verbindet persönliche Andacht mit der kultivierten Bildsprache des ungarischen Renaissancehofes.

Ein Bibliophiler am Hof Matthias Corvinus’

Domonkos Kálmáncsehi, Großpropst von Székesfehérvár, gehörte zum Kreis der hochrangigen Prälaten um König Matthias Corvinus. Zeitgenössische Berichte erinnern an seine Beredsamkeit sowie an diplomatische und finanzielle Aufgaben. Sein dauerhaftestes Vermächtnis bilden jedoch wohl die kostbaren Handschriften, die er für den eigenen Gebrauch anfertigen ließ.

Das Gebetbuch des Dominicus Kálmáncsehi entstand um 1492 in Buda. Es gehört in jene Kunstwelt, die sich um die Bibliotheca Corviniana entwickelte und in der ungarische Auftraggeber, italienischer Humanismus und lokale Handwerkskunst zusammentrafen. Der Band zeigt, wie die Pracht der königlichen Bibliothek zum Vorbild für die geistliche Elite des Königreichs wurde.

Private Andacht im Gewand der Renaissance

Die kompakte Pergamenthandschrift enthält lateinische Gebetstexte für den persönlichen Gebrauch. Reiche Bordüren, ornamentale und historisierte Initialen, Rubrizierungen und leuchtende Farben beleben die Seiten. Klassische Ranken, Edelsteinformen, kleine Figuren und italienisch geprägte Ornamente verwandeln die Ränder in einen fortlaufenden Rahmen der Andacht.

Diese Ausstattung ist nicht nur importierter Stil. In der Budaer Werkstatt wurden italienische Renaissanceformen auf ungarische Auftraggeber zugeschnitten und mit mitteleuropäischen Schreibtraditionen verbunden. So entsteht eine eigenständige Hofkunst – kosmopolitisch, gelehrt und zugleich zutiefst persönlich.

Auftraggeberschaft und persönliche Identität

Ein privates Gebetbuch kann zugleich intim und öffentlich sein. Seine Texte leiten die persönliche Andacht, doch Material, Schrift und Schmuck verkünden auch Bildung, Rang und kulturelle Zugehörigkeit des Besitzers. Für Kálmáncsehi bedeutete die Bestellung eines solchen Bandes, sich in die von Matthias Corvinus geförderte humanistische Welt einzuschreiben und ihr zugleich eine persönliche religiöse Form zu geben. Das Buch ist ebenso ein Bild seines Auftraggebers wie ein Behältnis von Gebeten.

Besonders aufschlussreich ist das Verhältnis von heiligem Text und Renaissanceornament in den Bordüren. Das Gebet bleibt im Zentrum, doch die Ränder öffnen sich zu klassischen Ranken, Edelsteinformen, spielerischen Figuren und einer an italienischer Kunst geschulten Bildsprache. Dieser Rahmen lenkt nicht von der Andacht ab, sondern erhöht sie. Das Beten erscheint als Handlung, die der kultiviertesten visuellen Sprache des Hofes würdig ist.

Die Bedeutung der Budaer Werkstatt liegt in ihrer Fähigkeit zur Anpassung. Italienische Motive wurden nicht bloß kopiert, sondern für lokale Auftraggeber neu geordnet, mit regionaler Schreibpraxis verbunden und auf Bücher unterschiedlicher Funktion übertragen. Königliche Pracht wurde zu einer flexiblen Kunstsprache, die Bischöfe, Pröpste und Diplomaten nutzen konnten. Die erhaltenen Handschriften Kálmáncsehis zeigen, dass die kulturelle Energie der Corvina-Bibliothek weit über die persönlichen Bücher des Königs hinausstrahlte.

Da diese Bände heute verstreut sind, bewahrt jeder zugleich einen Teil einer verlorenen Privatbibliothek. Zusammen betrachtet sprechen sie für bewusstes Sammeln und nicht für einen einzelnen Zufallsauftrag. Kálmáncsehis Frömmigkeit, Amt und Bücherliebe verdichten sich in Handschriften, die geistliches Leben durch die Formen der Renaissancepracht sichtbar machten.

Jenseits der königlichen Bibliothek

Die Budaer Werkstatt ist vor allem für die Codices König Matthias’ berühmt. Die Handschriften Kálmáncsehis zeigen jedoch, dass sie auch für mächtige Kirchenmänner arbeitete. Drei reich ausgestattete Bücher aus seinem Besitz haben sich heute in Budapest, Paris und New York erhalten und bilden ein außergewöhnliches Zeugnis privaten Sammelns im ungarischen Klerus.

Das Gebetbuch des Dominicus Kálmáncsehi ist daher weit mehr als eine elegante Andachtshandschrift. Es ist ein juwelenhaftes Zeugnis für die Ausbreitung der Renaissancekultur in Ungarn und für einen Prälaten, der seine geistliche Identität durch die Schönheit von Büchern formte.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Dominicus Kálmáncsehi's Prayer Book
Prayer Book of Dominicus Kálmáncsehi
Horae Dominici Kalmancsehi, Prepositi Albensis
Dominique Kalmancsehi's Prayer Book
Umfang / Format
240 Seiten / 20,5 × 15,5 cm
Herkunft
Ungarn
Datum
1492
Sprache
Buchschmuck
Historisierte und Ornament-Initialen, kunstvolle Bordüren, Rubrizierungen
Auftraggeber
Dominicus Kálmáncsehi
Künstler / Schule
Vorbesitzer
K. W. Hiersemann
Dr. Schwartz
A. Chester Beatty
L. Wilmerding
Guy du Boisrouvray

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Gebetbuch von Dominicus Kálmáncsehi – Schöck ArtPrint Kft. – MS nouv. acq. lat. 3119 – Bibliothèque nationale de France (Paris, Frankreich)
Schöck ArtPrint Kft. – Szekszárd, 2023
Faksimile-Editionen

#1 Dominicus Kálmáncsehi's Prayer Book

Schöck ArtPrint Kft. – Szekszárd, 2023

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Schöck ArtPrint Kft. – Szekszárd, 2023
Einband: Brauner Ledereinband mit Goldprägung
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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