Libro del Chiodo

Libro del Chiodo – Edizioni Polistampa – Archivio di Stato di Firenze (Florenz, Italien)

Florenz (Italien) — Vor 1358

Ein Nagel, zwei Urteile und lebenslanges Exil: Das monumentale Florentiner „Schwarzbuch“ mit Dantes Verurteilung zum Scheiterhaufen und einem Jahrhundert erbitterter politischer Ächtungen und Parteikämpfe

  1. Mit 80 Pergamentblättern und einem mächtigen Eisennagel als eindrucksvolles Register florentinischer Urteile gestaltet

  2. Bewahrt die Urteile vom 27. Januar und 10. März 1302, die Dantes Verbannung und drohenden Feuertod besiegelten

  3. Dokumentiert Ächtungen von Ghibellinen und Weißen Guelfen sowie die politische Macht der Parte Guelfa von 1268 bis 1379

Libro del Chiodo

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Beschreibung
Libro del Chiodo

Ein mächtiger Eisennagel gab dem Libro del Chiodo seinen Namen – berühmt wurde der imposante Pergamentcodex jedoch als das „Schwarzbuch“ der florentinischen Parteikämpfe. Die im späten 14. Jahrhundert zusammengestellte Handschrift bewahrt Abschriften von Urteilen, Verbannungen und politischen Ächtungen aus den Jahren 1268 bis 1379. Ghibellinen und Weiße Guelfen erscheinen darin als Rebellen, deren Besitz eingezogen, deren Ämter gesperrt und deren Rückkehr mit dem Tod bedroht werden konnte. Weltgeschichtlichen Rang besitzen die beiden Urteile gegen Dante Alighieri vom 27. Januar und 10. März 1302: Geldstrafe, lebenslanger Ausschluss von öffentlichen Ämtern, Verbannung und schließlich der Tod auf dem Scheiterhaufen im Falle einer Rückkehr nach Florenz. Da die ursprünglichen Akten 1343 verbrannten, überliefert der Codex ihre entscheidenden Texte. So verbindet das Buch eindrucksvolle Materialität mit einem schonungslosen Protokoll politischer Macht, Ausgrenzung und Exil.

Ein Buch mit einem drohenden Namen

Das Libro del Chiodo verdankt seinen Namen einem großen Eisennagel, der noch heute aus dem hinteren Holzdeckel ragt. Ursprünglich trugen offenbar beide lederbezogenen Deckel einen solchen Nagel. Die ungewöhnliche Ausstattung verleiht dem Pergamentband eine einschüchternde Präsenz – passend zu einem Werk voller Urteile, Verbannungen und politischer Ächtungen.

Der im späten 14. Jahrhundert zusammengestellte Codex umfasst 80 Blätter beziehungsweise 160 beschriebene Seiten. In eleganter gotischer Kanzleischrift bewahrt er Dokumente aus den Jahren 1268 bis 1379. Gestalt und Inhalt machen ihn zu einem eindrucksvollen Zeugnis florentinischer Stadtgeschichte.

Das „Schwarzbuch“ der Parteikämpfe

Florenz wurde im 13. und 14. Jahrhundert von erbitterten Konflikten zwischen Guelfen und Ghibellinen geprägt. Auch nach dem Sieg der päpstlich orientierten Guelfen endeten die Auseinandersetzungen nicht: Die Partei spaltete sich in Schwarze und Weiße Guelfen. Wer der unterlegenen Seite zugerechnet wurde, konnte als Rebell gelten und aus dem politischen Gemeinwesen ausgeschlossen werden.

Das Buch enthält Abschriften der Urteile gegen die Weißen Guelfen aus dem Jahr 1302, ältere Listen verurteilter Ghibellinen von 1268 sowie Reformen und weitere Beschlüsse bis nach dem Ciompi-Aufstand von 1378. Geldstrafen, Beschlagnahmungen, Hauszerstörungen, Amtsverbote, Verbannung und Todesdrohungen zeigen die enge Verbindung von Recht und Parteiherrschaft. Namen und Urteile formen eine beklemmende Galerie derjenigen, die Florenz zu Feinden erklärte.

Die beiden Urteile gegen Dante

Seinen einzigartigen Ruhm verdankt der Codex den beiden Verurteilungen Dante Alighieris. Am 27. Januar 1302 wurde der ehemalige Prior in Abwesenheit unter anderem wegen Amtsmissbrauchs und unerlaubter Bereicherung angeklagt. Er sollte eine hohe Geldsumme zahlen, für zwei Jahre verbannt und dauerhaft von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen werden.

Dante erschien nicht vor Gericht und leistete der Forderung keine Folge. Am 10. März folgte das zweite, noch härtere Urteil: Sollte er jemals wieder in die Gewalt der Kommune Florenz gelangen, müsse er verbrannt werden. Mit wenigen Zeilen wurde das Exil besiegelt, aus dem der Dichter bis zu seinem Tod nicht zurückkehren sollte. Das Libro del Chiodo bewahrt damit den amtlichen Hintergrund einer der folgenreichsten Verbannungen der Literaturgeschichte.

Kopien, die die Originale überlebten

Die im Codex eingetragenen Urteile sind keine unmittelbar ausgestellten Originalurkunden, sondern sorgfältig angefertigte Abschriften. Gerade darin liegt ihr unschätzbarer Wert. Die ursprünglichen Akten zu Dantes Verurteilung befanden sich einst im Archiv der kommunalen Kammer, gingen jedoch 1343 bei einem Brand während der Unruhen um die Vertreibung des Herzogs von Athen verloren.

Das vermeintlich sekundäre Register wurde dadurch zum entscheidenden Überlieferungsträger. Seine Texte ermöglichen es, Anklagen, Strafen und politische Sprache der Zeit nahezu im Wortlaut nachzuvollziehen. Zugleich dokumentiert die Zusammenstellung, wie die Guelfische Partei ihre Herrschaft historisch begründete und die Erinnerung an ihre Gegner ordnete.

Recht, Macht und das Gedächtnis von Florenz

Das Libro del Chiodo ist weit mehr als ein Dokument zu Dante. Es zeichnet über ein Jahrhundert hinweg nach, wie die Kommune und die Parte Guelfa Zugehörigkeit definierten, Gegner brandmarkten und politische Rechte entzogen. Hinter den nüchternen Formeln stehen zerstörte Existenzen, beschlagnahmte Vermögen und Familien, die ihre Heimat verlassen mussten.

Gleichzeitig besitzt der Band eine unvergleichliche symbolische Kraft: Der hervortretende Nagel, das schwere Pergament und die endlosen Namensreihen machen politische Ausgrenzung körperlich erfahrbar. So ist das Buch zugleich Rechtsregister, Machtinstrument und ein einzigartiges Monument des konfliktreichen republikanischen Florenz.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Book of the Nail
Libro delle condanne delle famiglie ribelli del Comune di Firenze dal 1302 al 1379
Capitani di Parte Guelfa
Sentences against the Ghibellines
Herkunft
Italien
Datum
Vor 1358
Stil
Sprache
Buchschmuck
Zierinitialen
Inhalt
Sammlung von Urteilen, die von den sog. schwarzen Guelfen gegen die sog. weißen Guelfen in Florenz verhängt wurden, darunter auch das Urteil, mit dem Dante Alighieri ins Exil geschickt wurde

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Faksimile-Editionen

#1 Libro del Chiodo

Details zur Faksimile-Edition:

Einband: Hardcover
Kommentar: 1 Band von Francesca Klein Simone Sartini und Riccardo Fubini
Sprache: Italienisch

Kommentar und Faksimile befinden sich klar getrennt voneinander in einem Band. Der Kommentar umfasst eine Einführung ins Werk sowie eine kritische Edition des Textes.
Faksimile: 1 Band Teilfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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