Losbuch in deutschen Reimpaaren

Losbuch in deutschen Reimpaaren – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Cod. Vindob. S. N. 2652 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)

Limburg (Deutschland) — Letztes Viertel des 14. Jahrhunderts

Von ernstem Glauben bis zu spöttischer Belustigung: Lang tradierte prophetische SprĂŒche aus dem alten Griechenland in einem der Ă€ltesten erhaltenen ReimbĂŒcher in deutscher Sprache, schmuckvoll illuminiert auf fast jeder Seite

  1. Eines der Ă€ltesten und umfangreichsten deutschsprachigen ReimbĂŒcher

  2. Die SprĂŒche aus dem alten Griechenland wurden aus dem Arabischen ins Lateinische ĂŒbersetzt, bevor sie ins Deutsche ĂŒbertragen wurden

  3. Der Ton der Fragen und Antworten schwankt zwischen ernstem Glauben und spöttischer Belustigung

Losbuch in deutschen Reimpaaren

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Beschreibung
Losbuch in deutschen Reimpaaren

Die Frage, was die Zukunft wohl bringen mag, beschĂ€ftigte in Form mantischer Praktiken schon den antiken Menschen. Antwort hierzu gaben ihm LosbĂŒcher: Sammlungen von SprĂŒchen, die zur Vorhersage der Zukunft und des individuellen Schicksals verwendet wurden, indem man einen zufĂ€llig gefundenen Spruch auf die eigene Situation bezog. Die Kirche hielt das zunĂ€chst fĂŒr Aberglauben, aber ab dem 12. Jahrhundert entfachten aus dem Arabischen ĂŒbersetzte Werke das Interesse an der Materie neu. SpĂ€ter betrachtete vor allem der Adel die ganze Thematik halb ernst, halb spöttisch als Zeitvertreib. In diese Zeit fĂ€llt auch unsere Handschrift: Der feste Fragenkatalog, fertige Antworten und einfache Bedienung ermöglichten ihre Verwendung auch dem Laien. Die 1296 Reimpaare oszillieren zwischen dem Glauben an die Vorhersagbarkeit der Zukunft und einer skeptisch-ironischen Einstellung hierzu.

Losbuch in deutschen Reimpaaren

Gereimte BĂŒcher enthielten im Mittelalter oft eine kuriose Kombination von Texten, die sowohl der moralischen Erbauung als auch der einfachen Unterhaltung dienten. Das Losbuch in deutschen Reimpaaren gehört zu den Ă€ltesten und umfangreichsten ReimbĂŒchern, die vollstĂ€ndig in deutscher Sprache verfasst wurden. Es ist eine Sammlung von OrakelsprĂŒchen zur moralischen Ermahnung oder geselligen Unterhaltung, die aus dem Arabischen ins Lateinische ĂŒbersetzt wurden. Als Ausgangspunkt des Losbuchs gelten die SprĂŒchesammlungen, die im antiken Griechenland bei zeremoniellen Ritualen verwendet wurden. Nach der Eroberung des Nahen Ostens durch die Griechen wurde die Bestimmung des individuellen Schicksals weiterentwickelt.

Teil einer Welle von Arabisch-Übersetzungen

Die Übersetzung vieler arabischer Werke ins Lateinische im 12. Jahrhundert weckte im Westen das Interesse an der weiteren Auseinandersetzung mit den SprĂŒchen. In Deutschland setzte schon frĂŒh, gegen Ende des 14. Jahrhunderts, ein Wandel in der Funktion des Genres ein: weg vom reinen Wahrsagetext, hin zu einem Text mit Unterhaltungswert. Die Entstehung unserer Handschrift fĂ€llt in diese Übergangszeit. Die Formulierung ihrer Fragen und Antworten bewegt sich im Bereich zwischen ernsthaftem Glauben und Lebensangst auf der einen und spöttischer Belustigung auf der anderen Seite. Mit dem festen Fragenkatalog, den fertigen Antworten und der einfachen Bedienung war es zudem auch dem Laien möglich, Losbefragungen durchzufĂŒhren und damit einen mystischen Blick in die eigene Zukunft zu werfen.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Rhyming German Losbuch
Umfang / Format
46 Seiten / 29,5 × 20,0 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
Letztes Viertel des 14. Jahrhunderts
Stil
Sprache
Schrift
Gotisch
Buchschmuck
2 ganzseitige Miniaturen, alle anderen Seiten mit kleinen ZierrÀndern
Inhalt
Astronomische Tabellen und Losbuch
Vorbesitzer
Königlich-kaiserliche Sammlung von Ambras

VerfĂŒgbare Faksimile-Editionen:
Losbuch in deutschen Reimpaaren – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Cod. Vindob. S. N. 2652 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1972
Detailbild

Losbuch in deutschen Reimpaaren

Traubenernte im Oktober

In diesem Losbuch sind die Fragen und Antworten Monaten zugeordnet, die durch kleine Darstellungen von Sonne und Mond sowie der zugehörigen Sternzeichen und Monatsarbeiten illuminiert werden. Diese Seite fĂŒr den Monat Oktober zeigt entsprechend zwei Figuren bei der Traubenernte und -verarbeitung – eine typische Darstellung fĂŒr diese Zeit des Jahres, die mit der LebensrealitĂ€t der Menschen ĂŒbereinstimmte.

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Losbuch in deutschen Reimpaaren

Prophetie nach den Gestirnen

Folio 2 ist das prĂ€chtigste Blatt dieser prophetischen Handschrift. Vorder- und RĂŒckseite, also fol. 2r und 2v, zeigen ganzseitige Miniaturen, die miteinander korrespondieren und ein Ganzes ergeben. In der oberen HĂ€lfte erscheint auf beiden Seiten das Firmament mit Sonne, Mond und den fĂŒnf Planeten Venus, Jupiter, Saturn, Merkur und Mars in Form goldener Sterne, die jeweils anders angeordnet sind.

Darunter sehen wir je zwölf Propheten – auf fol. 2r sind dies antike Gelehrte, etwa Vergil und Seneca, hier auf fol. 2v erscheinen hingegen alttestamentliche Figuren, beispielsweise Mose und Abraham. Sie sitzen und stehen, teils mit aufgeschlagenen BĂŒchern, diskutieren miteinander und stellen Überlegungen zu ihren Prophezeiungen an, die sie aus den Gestirnen ableiten. Dies wird durch zwölf Verbindungslinien zwischen den Propheten und den Gestirnen, aber auch Gestik und Kopfbewegungen dargestellt und fĂŒhrt der Leserschaft die antiken Grundlagen der gereimten Prophezeiungen in dieser Handschrift vor Augen.

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Faksimile-Editionen

#1 Losbuch in deutschen Reimpaaren

Details zur Faksimile-Edition:

Einband: Der Einband wurde dem der Originalhandschrift unter Verzicht auf die MetallbeschlÀge nachempfunden: Brauner Ledereinband mit BlindprÀgung.
Kommentar: 1 Band (34 Seiten) von Werner Abraham
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Alle BlÀtter sind dem Original entsprechend randbeschnitten.
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