Nyújtódi-Codex

Nyújtódi-Codex – Schöck ArtPrint Kft. – Liceul Teoretic Tamási Áron (Odorheiu Secuiesc, Rumänien)

Szeklerland (?) und Teiuș — 1526–1528

1526 von einem Franziskaner für seine Ordensschwester übersetzt: Die erste ungarische Fassung des Buches Judit und ein zutiefst persönliches Zeugnis weiblicher Klosterlektüre am Vorabend von Mohács

  1. András Nyújtódi übersetzte und kopierte 1526 das Buch Judit für seine im Kloster Tövis lebende Schwester Judit

  2. Enthält die älteste ungarische Judit-Fassung, einen frühen ungarischen Katechismus, Meditationen, Exempel und Evangelienperikopen

  3. Eine selten namentlich überlieferte Übersetzung, deren persönliches Kolophon geschwisterliche Zuneigung zur Literaturgeschichte macht

Nyújtódi-Codex

  1. Beschreibung
  2. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Nyújtódi-Codex

Der Nyújtódi-Codex, auch Székelyudvarhelyer Codex genannt, gehört zu den persönlichsten Denkmälern der frühen ungarischen Literatur. 1526 übersetzte und kopierte der Franziskaner András Nyújtódi das Buch Judit für seine im Kloster Tövis lebende Schwester Judit, damit ihr in der Zelle das Buch ihrer Namenspatronin nicht fehle. Damit bewahrt die Handschrift die älteste erhaltene ungarische Judit-Fassung und eine der seltenen mittelalterlichen Übersetzungen, deren Urheber sich selbst nennt. Der zwischen 1526 und 1528 entstandene Sammelcodex enthält außerdem katechetische Unterweisung, Meditationen über Tod und Gehorsam, Exempel, Lehren zum Ordensleben und Evangelienperikopen. Gelehrte Quellen, mündlich wirkende Erklärungen und geschwisterliche Fürsorge eröffnen einen ungewöhnlich unmittelbaren Einblick in weibliche Lektüre und franziskanische Seelsorge im spätmittelalterlichen Siebenbürgen.

Das Buch eines Bruders für seine Schwester

Der Nyújtódi-Codex verdankt seine Berühmtheit einem ungewöhnlich persönlichen Kolophon. 1526 übersetzte der Franziskaner András Nyújtódi das Buch Judit aus dem Lateinischen ins Ungarische für seine Schwester Judit, die als Nonne in Tövis lebte. Er erklärt, er habe dies aus geschwisterlicher Liebe getan, damit sie in ihrer Zelle nicht ohne das Buch der Heiligen bleiben müsse, deren Namen sie trug.

Diese persönliche Stimme ist in der mittelalterlichen ungarischen Handschriftenkultur außergewöhnlich, da Übersetzer und Schreiber gewöhnlich anonym blieben. Der Kolophon macht aus der Übersetzung ein Dokument von Familie, Seelsorge und weiblicher Lektüre.

Ein Sammelbuch für Ordensfrauen

Die Handschrift entstand aus fünf Teilen, die zunächst getrennt benutzt worden waren. Der erste enthält die älteste erhaltene ungarische Übersetzung des Buches Judit und katechetische Unterweisung. Weitere Abschnitte bieten Meditationen über den Tod, moralische Exempel, Betrachtungen zu Gehorsam und Beharrlichkeit im Ordensleben sowie Evangelienperikopen.

Mehrere Hände waren beteiligt. Ein 1528 in Tövis abgeschlossener Teil könnte von Judit selbst kopiert worden sein, doch ist dies nicht sicher. Die unterschiedlichen Schriften und Inhalte zeigen ein Buch, das im Gebrauch gewachsen ist und keinem einheitlichen repräsentativen Plan folgt. Es war ein praktischer geistlicher Begleiter für Frauen in einem franziskanisch geprägten Klosterumfeld.

Übersetzung als Seelsorge

Die Judit-Übersetzung zeigt, wie volkssprachliches Schreiben einer genau bestimmten Gemeinschaft dienen konnte. András Nyújtódi schuf keine neutrale literarische Fassung für ein anonymes Publikum. Er wandte sich an eine bekannte Leserin, deren religiöses Leben, Name und Alltag seine Arbeit prägten. Wo lateinische Gelehrsamkeit Vermittlung verlangte, konnte er Erläuterungen hinzufügen; die biblische Heldin wurde zum unmittelbaren Beispiel für Mut, Treue und göttliche Hilfe. Übersetzen ist hier ebenso ein Akt der Fürsorge wie der Gelehrsamkeit.

Ebenso wichtig ist das weibliche Zielpublikum. Bücher für Nonnen verbanden häufig biblische Erzählung, Unterweisung, Exempel, Gebet und praktische Anleitung, weil gemeinschaftliche und private Frömmigkeit verschiedene Arten der Lektüre verlangten. Der Codex spiegelt diese Breite. Seine Texte helfen, Glaubenslehre zu verstehen, das eigene Verhalten zu prüfen, sich auf den Tod vorzubereiten und im Gehorsam zu beharren. Statt eines einzigen fortlaufenden Werkes bietet er Material zur wiederholten Benutzung.

Der zusammengesetzte Charakter bewahrt das gesellschaftliche Leben der Texte. Einzelne Hefte konnten von verschiedenen Händen kopiert, in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet und erst später verbunden werden. Unterschiede in Schrift und Anordnung sind daher keine Mängel, sondern Spuren von Zirkulation und Anpassung. Die mögliche Beteiligung Judits selbst ist zwar unsicher, verweist aber auf eine breitere Wirklichkeit: Ordensfrauen waren nicht nur Empfängerinnen, sondern konnten Bücher lesen, kopieren, ordnen und innerhalb ihrer Gemeinschaft weitergeben.

Ungarische Sprache am Vorabend von Mohács

Der erste datierte Abschnitt wurde nur wenige Wochen vor der Schlacht von Mohács vollendet, die die Geschichte des ungarischen Königreichs grundlegend veränderte. Der Codex spricht jedoch nicht in der Sprache großer Politik. Er hält die stillere Arbeit fest: die Übersetzung der Bibel, die Erklärung des Glaubens, die Vorbereitung auf den Tod und die Stärkung der religiösen Berufung.

Für Sprach- und Literaturgeschichte ist die Handschrift unschätzbar. András Nyújtódi übersetzt nicht mechanisch, sondern fügt Erklärungen ein und spricht seine Leserinnen mit seelsorgerischer Unmittelbarkeit an. Der ***Nyújtódi-Codex*** ist damit zugleich ein Hauptzeugnis früher ungarischer Prosa und ein seltenes Buch, in dem Zuneigung, Glaube und Volkssprache in einer unverwechselbar menschlichen Stimme zusammenfinden.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Nyújtódi/Udvarhelyi kódex
Nyújtódi Codex
Nyujtodi Codex
Codex of Nyújtód
Székelyudvarhelyi Codex
Székely-Oudvarhely Codex
Umfang / Format
312 Seiten / 14,1-14,2 × 10,0-10,4 cm
Herkunft
Rumänien
Datum
1526–1528
Buchschmuck
Zierinitialen, Rubrizierungen und Randilluminationen
Inhalt
Das Buch Judith, Grundlagen der ewigen Seligkeit, Über den Tod, Heiliger Gehorsam, Die Gefahren des Austritts aus dem religiösen Leben und die Beharrlichkeit in der Religion, Evangelienperikopen
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Judit Nyújtódi
Jesuitenkolleg von Odorheiu Secuiesc
Dániel Fancsali
Katholisches Gymansium von Odorheiu Secuiesc

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Nyújtódi-Codex – Schöck ArtPrint Kft. – Liceul Teoretic Tamási Áron (Odorheiu Secuiesc, Rumänien)
Schöck ArtPrint Kft. – Szekszárd, 2018
Faksimile-Editionen

#1 Nyújtódi/Udvarhelyi Kódex

Schöck ArtPrint Kft. – Szekszárd, 2018

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Schöck ArtPrint Kft. – Szekszárd, 2018
Einband: Ledereinband mit Blindprägung im transsylvanisches Stil des 16. Jahrhunderts, entsprechend dem Originaleinband
Kommentar: 1 Band
Sprache: Ungarisch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Ausgabe bei uns verfügbar!
Preiskategorie: €
(unter 1.000€)
Filterauswahl
Verlag