Das älteste erhaltene Exemplar des "Heilspiegels": Ein seltener Einblick in die Architektur, Kleidung und den Alltag des 14. Jahrhunderts

Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster

Österreich — 1325-1330

Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster

Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster

Österreich — 1325-1330

  1. Der "Heilsspiegel zur menschlichen Erlösung" war das beliebteste mittelalterliche Buch zur religiösen Erbauung

  2. Das hier vorliegende, älteste Manuskript dieser Art enthält lateinischen und deutschen Text mit 192 Miniaturen

  3. Architektur, Kleidung und andere Alltagsgegenstände bieten dabei einen Einblick in das 14. Jahrhundert

Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster

Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster

Wurzel Jesse

Jesse, der Vater König Davids, liegt rücklinks auf einem Felsen und blickt den Baumstamm hinauf, der aus ihm entspringt. Er verästelt sich zu zahlreichen Zweigen, die biblische Figuren zeigen, die der Linie des Stammvaters entspringen – so auch die Jungfrau Maria. Sie bildet als bekrönte Madonna mit Kind den Stamm, der über ihr in einem Medaillon mit dem Lamm Gottes sein heilsgeschichtliches Ziel findet. Der genealogische Stammbaum Christi ist häufig, wie auch hier, vor dem Matthäus-Evangelium anzutreffen.

Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster

Alternativ-Titel:
  • Heilsspiegel
  • Spiegel des menschlichen Heils
  • Way to Human Salvation
  • Mirror of Human Salvation
  • Codex aus Kremsmünster
  • Speculum Humanae Salvationis
Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster – Codex Cremifanensis 243 – Stift Kremsmünster (Kremsmünster, Österreich)
Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster – Codex Cremifanensis 243 – Stift Kremsmünster (Kremsmünster, Österreich)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

„Spiegel des menschlichen Heils“ ist der Titel dieses bemerkenswerten Codex. Er besagt, dass sich in diesem deutsch-lateinischen Werk und insbesondere in seinen 192 Miniaturen die menschliche Heilsgeschichte insgesamt spiegelt. Doch auch der Betrachter soll sich darin wie in einem Spiegel selbst erkennen: Die Federzeichnungen sind zwar farblich nur sparsam mit Rot und Blau koloriert, aber heben gerade so die höchst individuell gestaltete Emotionalität der Figuren hervor. In ihnen kann der Betrachter sich, seine eigene affektive Verfassung und die seiner Mitmenschen wiederfinden. Damit zeigt ihm dieses Speculum den Zusammenhang zwischen der Heilsgeschichte im Ganzen mit dem Leben des einzelnen Betrachters. Dieser Grundzug wird durch die präzise Abbildung von Alltagsgegenständen des frühen 14. Jahrhunderts betont. Dadurch ist diese Bilderbibel heute in einem weiteren Sinn ein Spiegel, in dem wir die Kulturgeschichte der Zeit betrachten können.

Die älteste zweisprachige Bilderhandschrift des Heilsspiegels

Eine der schönsten und zugleich ältesten Handschriften des Speculum humanae salvationis, zu deutsch „Spiegel des menschlichen Heils“, ist der Codex Cremifansensis 243, der heute im Benediktinerstift Kremsmünster verwahrt wird. Die insgesamt 192 Miniaturen, allesamt mit sicherer Hand und einem feinen Sinn für die Ausnutzung des Bildraums entworfene, mit Rot und Blau sparsam kolorierte Federzeichnungen, machen den Betrachter mit den Grundfesten der christlichen Lehre vertraut.
Dieser Codex ist nicht nur die älteste Bilderhandschrift des Speculum humanae salvationis, sondern zugleich auch die älteste zweisprachige Ausgabe, in der dem lateinischen Urtext eine etwas verkürzte deutsche Fassung beigefügt ist.
Das Speculum humanae salvationis ist ein Spiegel der Erlösung des Menschen durch Christus und Maria. Es ist eine Bilderbibel, die mit ihrer systematischen Zusammenstellung von Ereignissen aus dem Alten und dem Neuen Testament die umfangreiche Gesamtschau der christlichen Heilsgeschichte enthält.

Die Bilder – ein eindrucksvoller Spiegel der Zeit
Von der Kostbarkeit der Kremsmünsterer Handschrift zeugen die überaus zahlreichen Miniaturen, die in ihrer Einfachheit dem Betrachter sehr eindrucksvoll erscheinen. Der Hintergrund der Miniaturen ist abwechselnd in Rot und Blau gehalten, wobei die Gestalten in der Farbe des Pergaments ausgespart werden. Aus den Gesichtern der Figuren strahlt im allgemeinen Freundlichkeit, Lieblichkeit und ein angenehmes, sympathisches Wesen. Allein zur Darstellung des Bösen sind die Gesichter schwarz verschmiert.
Die in den Miniaturen dargestellten Alltagsgegenstände, Architekturen und Gewänder gestatten uns einen reizvollen Einblick in die Kultur des frühen 14. Jh.s, sodaß diese Handschrift auch eine reichhaltige Quelle für die Kulturgeschichte dieser Zeit darstellt.

Das religiöse Erbauungsbuch des Spätmittelalters
Im Speculum werden die engen Beziehungen zwischen Neuem und Altem Testament sichtbar gemacht, wobei immer vier in Wort und Bild vorgestellte Episoden zu einer Typenreihe zusammengefaßt werden. Das dem neutestamentlichen Kanon entnommene Heilsereignis, der sogenannte Antitypus, der die Typenreihe eröffnet und gleichsam das Thema vorgibt, wird von drei darauf vorausdeutenden Szenen aus dem Alten Testament begleitet. Aus der Wechselbeziehung dieser vier Begebenheiten werden dem Betrachter die inneren Zusammenhänge des jeweiligen Erlösungsthemas deutlich. Auf diese Weise wird eine chronologisch geordnete Gesamtschau des göttlichen Heilsplans, wie er sich sowohl im Alten wie auch im Neuen Bund manifestiert, geboten. Dabei wird die Heilstat Gottes im Neuen Testament immer als das Größere dargestellt.
Die Quantität der dargestellten biblischen Ereignisse und nicht zuletzt der umfangreiche Bilderzyklus machten das Speculum humanae salvationis zum beliebtesten religiösen Erbauungsbuch und zu einem der meistgelesenen Werke des Spätmittelalters.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Heilsspiegel
Spiegel des menschlichen Heils
Way to Human Salvation
Mirror of Human Salvation
Codex aus Kremsmünster
Speculum Humanae Salvationis
Umfang / Format
124 Seiten / 33,5 x 25,5 cm
Herkunft
Österreich
Datum
1325-1330
Buchschmuck
192 Miniaturen (etwa von der Größe 80 x 80 mm), abwechselnd auf blauem oder rotem Grund
Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster

Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster

Anbetung der Könige / Darstellung im Tempel

Dies ist ein schönes Beispiel für die 192 sparsam kolorierten, aber dennoch sehr ausgefeilten Miniaturen in diesem Manuskript, deren Hintergrund jeweils zwischen rot und blau wechselt. Die Szene vermittelt ein großes Raumgefühl und die Gesichter der Figuren sind im Allgemeinen durch einen sympathisch-freundlichen, ja charmanten Ausdruck gekennzeichnet. Ihre Kleidungsstücke werden mit einem sehr realistischen Faltenwurf dargestellt.

Auf der linken Seite sehen wir die Heiligen Drei Könige: Einer kniet vor der thronenden Madonna und dem Kind und überreicht seine Gabe, während die anderen beiden sich unterhalten und einer von den beiden auf den Stern deutet, der sie nach Bethlehem geführt hat. In der Szene rechts wird das Jesuskind in dem Moment gezeigt, in dem es Simeon am Altar des Tempels übergeben wird; dabei sieht der kleine Jesus seine Mutter liebevoll an und berührt sie zart.

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster“

Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster
Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster – Codex Cremifanensis 243 – Stift Kremsmünster (Kremsmünster, Österreich)
Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster – Codex Cremifanensis 243 – Stift Kremsmünster (Kremsmünster, Österreich)
Speculum Humanae Salvationis aus Kremsmünster – Codex Cremifanensis 243 – Stift Kremsmünster (Kremsmünster, Österreich)
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Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1972
Einband
Leder, Kopie des Originaleinbandes. Alle Blätter sind originalgetreu randbeschnitten.
Kommentar
1 Band (46 Seiten) von W. Neumüller
Sprache: Deutsch

Der wissenschaftliche Kommentar zur Faksimile-Ausgabe ist der Schlüssel zum Verständnis der Handschrift. Darin beschreibt Willibrord Neumüller O. S. B. sowohl den Inhalt wie auch die Bilder und erläutert die Typologie des Speculum.
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband. Die Blätter sind originalgetreu randbeschnitten.
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