Tanner Bede

Tanner Bede – Rosenkilde and Bagger – MS. Tanner 10 – Bodleian Library (Oxford, Vereinigtes Königreich)

England — Erste Hälfte des 10. Jahrhunderts

Die Geburt englischer Geschichte in der Volkssprache: Bedas Kirchengeschichte in ihrer ältesten umfangreich erhaltenen altenglischen Abschrift, geschmückt mit kraftvollen zoomorphen Initialen

  1. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts in England geschrieben und älteste umfangreich erhaltene Abschrift der altenglischen Beda-Übersetzung

  2. Bedas Geschichte der Christianisierung Englands in einer gekürzten, auf Bekehrung, Kirche und beispielhafte Lebensgeschichten konzentrierten Fassung

  3. Mit kunstvollen zoomorphen Kapitelinitialen und der berühmten Geschichte Cædmons samt seinem altenglischen Schöpfungshymnus

Tanner Bede

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Beschreibung
Tanner Bede

Die Tanner Bede ist die älteste umfangreich erhaltene Abschrift der altenglischen Übersetzung von Bedas Kirchengeschichte des englischen Volkes. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts in England geschrieben, überträgt sie Bedas lateinische Darstellung der Christianisierung Britanniens in die Volkssprache der Angelsachsen. Missionare, Könige, Bischöfe, Klöster und Synoden prägen die Erzählung; zu den berühmtesten Episoden gehören Augustins Mission, die Synode von Whitby und die Geschichte Cædmons mit seinem Schöpfungshymnus. Die Übersetzung kürzt die lateinische Vorlage und konzentriert sich besonders auf Bekehrung, kirchliche Entwicklung und beispielhafte Lebensgeschichten. Kraftvolle zoomorphe Initialen, in denen Tierkörper, Flechtwerk und Buchstaben ineinandergreifen, gliedern den Text. So verbindet die Handschrift frühe englische Geschichtsschreibung, altenglische Prosa und ausdrucksstarke angelsächsische Buchkunst.

Bedas Geschichte in der Sprache der Angelsachsen

Beda Venerabilis vollendete seine lateinische Historia ecclesiastica gentis Anglorum um 731. Sie schildert, wie das Christentum in Britannien Fuß fasste und sich in den angelsächsischen Reichen ausbreitete. Missionare und Könige, Bischöfe und Äbtissinnen, Klöster und Synoden verbinden sich zu einer Geschichte, in der religiöser Wandel und eine gemeinsame englische Vergangenheit eng zusammengehören.

Die altenglische Übersetzung entstand spätestens gegen Ende des 9. Jahrhunderts. Ihr anonymer Übersetzer kürzte die Vorlage um etwa ein Drittel und ließ vor allem längere Dokumente, theologische Streitfragen und Teile der römisch-britischen Vorgeschichte fort. Dadurch rücken Bekehrung, kirchlicher Aufbau, englische Heilige und regionale Erinnerungen besonders deutlich in den Mittelpunkt.

Die älteste umfangreich erhaltene Abschrift

Der zu Beginn des 10. Jahrhunderts geschriebene Tanner Bede ist die älteste umfangreich erhaltene Handschrift dieser Übersetzung. Die Zuschreibung an König Alfred gilt heute als unwahrscheinlich; möglich bleibt eine Verbindung mit jener Bildungsbewegung, die lateinische Werke einem altenglisch lesenden Publikum erschließen wollte. Der Text macht Bedas Autorität in der Volkssprache zugänglich.

Die Handschrift umfasst heute 139 Pergamentblätter. Am Anfang fehlen drei, am Ende zwei Lagen, doch der größte Teil ist bewahrt. Vier Schreiber arbeiteten im ersten Viertel des 10. Jahrhunderts am Hauptbestand; ein weiterer ergänzte später fehlende Blätter. Unterschiedliche Hände und Schriftformen machen den gemeinschaftlichen Herstellungsprozess eines frühmittelalterlichen Buches sichtbar.

Von Augustinus bis Cædmon

Die Erzählung führt von Augustins Mission und der Taufe angelsächsischer Herrscher über bedeutende Klöster bis zu Auseinandersetzungen um kirchliche Ordnung und Ostertermin. Die Synode von Whitby steht für die Entscheidung zwischen unterschiedlichen christlichen Traditionen, während Heiligenleben den Glauben in anschaulichen Beispielen verkörpern.

Besonders berühmt ist die Geschichte des Viehhüters Cædmon, dem im Traum die Gabe des Dichtens verliehen wird. Sein Hymnus preist den Schöpfer des Himmels und der Erde und gehört zu den frühesten überlieferten Gedichten in englischer Sprache. Im Tanner Bede begegnen daher Geschichtsschreibung, Heiligenleben und ein Schlüsselzeugnis altenglischer Dichtung innerhalb desselben Erzählstroms.

Tiere, Flechtwerk und monumentale Anfangswörter

Eine reiche Folge dekorierter Initialen gliedert die Kapitel. Tierköpfe und geschlungene Körper verschmelzen mit Flechtwerk und Buchstaben zu zoomorphen Formen. Häufig wird nicht allein der erste Buchstabe, sondern eine ganze Gruppe des eröffnenden Wortes ausgezeichnet – eine Gestaltung, die an ältere insulare Handschriften erinnert.

Die Anfänge des vierten und fünften Buches werden durch große, komplexe Buchstabenfolgen hervorgehoben. Einige spätere Initialen blieben ungefüllt oder unkoloriert. Dieses Nebeneinander von vollendeter Ornamentik und sichtbaren Arbeitsspuren vermittelt einen Eindruck von Planung, Zusammenarbeit und Veränderung während der Herstellung.

Ein Buch mit bewegter Geschichte

Im Mittelalter befand sich die Handschrift wahrscheinlich in der Abtei Thorney. Darauf weisen wiederverwendete Blätter eines Totenrotels und einer Bücherliste hin, die bei einer Neubindung im 14. Jahrhundert eingesetzt wurden. Spätere Leser ergänzten Glossen.

1731 wurde der Band beim Transport der Bibliothek Thomas Tanners nach Oxford durchnässt. Trotz fehlender Lagen und Gebrauchsspuren bewahrt er die früheste große Gestalt von Bedas Geschichte in altenglischer Sprache. Seine Seiten zeigen, wie die Angelsachsen ihre christliche Vergangenheit erzählten, ihre Sprache zur Gelehrtensprache formten und insulare Buchkunst neu belebten.

Kodikologie

Alternativ-Titel
The Tanner Bede
The Tanner Bede
The Old English version of Bede’s Historia Ecclesiastica
Beda Venerabilis - Historia ecclesiastica gentis Anglorum
Bede the Venerable
Bede of Jarrow
Saint Bede
Ecclesiastical History of the English People
Datum
Erste Hälfte des 10. Jahrhunderts
Stil
Sprache
Buchschmuck
Zoomorphe Initialen
Inhalt
Altenglische Übersetzung von Beda Venerabilis Historia ecclesiastica gentis Anglorum
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Thorney Abbey (?)
Thomas Tanner (1674–1735)
Faksimile-Editionen

#1 The Tanner Bede. The Old English version of Bede’s Historia Ecclesiastica Oxford Bodleian Library Tanner 10, together with medieval binding leaves Oxford Bodleian Library Tanner 10*, and the Domitian extracts, London British Library Cotton Domitian A.IX f

Rosenkilde and Bagger – Kopenhagen, 1992

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Rosenkilde and Bagger – Kopenhagen, 1992
Limitierung: 250 Exemplare
Einband: Dreiviertelledereinband mit Blindprägung
Kommentar: 1 Band (39 S.) von Janet Bately
Sprache: Englisch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband. Die Faksimile-Ausgabe umfasst zusätzlich die Makulaturblätter, in die die Handschrift im Mittelalter gebunden wurde (Bodleian Library: Tanner 10*), sowie die die sogenannten Domitian extracts (British Library: Cotton Domitian A. ix), die ebenfalls von einer altenglischen Beda-Übersetzung stammen.
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