Troilus und Cressida von Geoffrey Chaucer

Troilus und Cressida von Geoffrey Chaucer – D. S. Brewer – MS 61 – Parker Library at Corpus Christi College Cambridge (Cambridge, Vereinigtes Königreich)

England — Um 1430

Liebe, Treue und Verrat im Schatten Trojas: Geoffrey Chaucers große Liebestragödie in einer der bedeutendsten frühen Handschriften der mittelenglischen Literatur

  1. Um 1386 von Geoffrey Chaucer in siebenzeiligen Reimstrophen verfasst

  2. Entstand um 1415–1425 in England, nur wenige Jahrzehnte nach dem Tod des Dichters

  3. Mehr als neunzig Miniaturen waren geplant, jedoch nur das berühmte ganzseitige Frontispiz vollendet

Troilus und Cressida von Geoffrey Chaucer

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Beschreibung
Troilus und Cressida von Geoffrey Chaucer

Geoffrey Chaucers Troilus und Cressida zählt zu den großen Liebestragödien der englischen Literatur des Mittelalters.

Chaucers große Erzählung von Liebe und Verlust

Geoffrey Chaucer verfasste Troilus und Cressida in den 1380er-Jahren und schuf damit eines der bedeutendsten Werke der mittelenglischen Literatur. In fünf Büchern und siebenzeiligen Strophen, der später sogenannten Rhyme Royal, formte er eine überlieferte Geschichte des Trojanischen Krieges zu einer erschütternden Untersuchung menschlicher Gefühle. Als wichtige Vorlage diente Giovanni Boccaccios Il Filostrato; doch Chaucer verlieh den Figuren eine neue psychologische Tiefe. So wurde der höfische Liebesstoff zu einer Dichtung von außergewöhnlicher Vielschichtigkeit.

Eine Liebe im Schatten des Trojanischen Krieges

Zu Beginn verspottet der trojanische Prinz Troilus die Macht der Liebe – bis er Cressida erblickt und selbst von ihr überwältigt wird. Ihr Onkel Pandarus führt die beiden zusammen; für kurze Zeit scheint ihre heimliche Verbindung alle Widerstände zu überwinden. Doch der Krieg greift in ihr Glück ein: Cressida wird im Austausch gegen einen Gefangenen in das griechische Lager geschickt und kann ihr Versprechen, nach Troja zurückzukehren, nicht erfüllen.

Aus dieser Liebestragödie entwickelt Chaucer ein Werk voller innerer Konflikte und moralischer Zwischentöne. Troilus liebt mit bedingungsloser Hingabe, während Cressida zwischen Gefühl, Angst und dem Zwang ihrer Lebensumstände steht. Weil Chaucer ihre Zweifel ernst nimmt, besitzt die Erzählung eine bemerkenswerte menschliche Unmittelbarkeit.

Zwischen Schicksal, Freiheit und Vergänglichkeit

Die wechselnde Fortuna bestimmt nicht nur das Kriegsgeschehen, sondern auch das Leben der Liebenden. Immer wieder fragt das Werk, ob der Mensch sein Schicksal selbst lenken kann oder höheren Mächten ausgeliefert bleibt. Damit verbindet Chaucer höfische Liebesdichtung mit philosophischer Reflexion über Treue, freien Willen und die Unbeständigkeit irdischen Glücks.

Auch der Erzähler wahrt keine kühle Distanz. Er kommentiert, zweifelt, empfindet Mitleid und weist einfache Urteile zurück. Besonders Cressida erscheint nicht nur als treulose Geliebte, sondern als verletzliche Frau in einer vom Krieg bestimmten Welt. Diese psychologische Offenheit lässt Troilus und Cressida bisweilen beinahe wie einen frühen Roman erscheinen.

Eine fürstlich geplante Bilderhandschrift

MS 61 entstand um 1415 bis 1425 in England, nur wenige Jahrzehnte nach Chaucers Tod. Der Codex war als luxuriöse Ausgabe mit mehr als neunzig Bildern geplant. Das Vorhaben blieb jedoch unvollendet: Zahlreiche für Miniaturen freigehaltene Räume blieben leer, und allein das ganzseitige Frontispiz wurde ausgeführt. Diese Spuren gewähren einen seltenen Einblick in die Entstehung einer aufwendigen englischen Bilderhandschrift.

Das Frontispiz zählt zu den berühmtesten mittelalterlichen Darstellungen Chaucers. Vor einem kostbar gekleideten höfischen Publikum erscheint der Dichter bei der Rezitation seines Werkes; darüber wird die Welt der Erzählung sichtbar. Die Verbindung von Autorenbild und dichterischer Handlung erhebt den Codex über eine reine Textabschrift hinaus. Der Auftraggeber ist unbekannt, doch Anlage und Ausstattung weisen auf ein hochgestelltes höfisches Umfeld.

Ein Schlüsselzeugnis englischer Buchkultur

Im Jahr 1570 befand sich der Codex im Besitz des Schriftstellers und Geistlichen Stephen Batman, eines Kaplans von Matthew Parker. Kurz darauf gelangte er in die Sammlung des Erzbischofs von Canterbury und wird heute in der Parker Library des Corpus Christi College in Cambridge bewahrt.

Seine frühe Entstehung, die herausragende Textüberlieferung und das einzigartig dokumentierte, unvollendete Bildprogramm machen MS 61 zu einem Schlüsselzeugnis englischer Literatur- und Buchgeschichte. Der Codex führt unmittelbar in Chaucers Welt und bewahrt den ehrgeizigen Versuch, eines der großen Werke des Mittelalters in eine prachtvolle Buchgestalt zu überführen.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Chaucer's Troilus
Troilus and Criseyde by Geoffrey Chaucer
Troilus and Criseyde
Umfang / Format
302 S. / 31,8 × 22,0 cm
Datum
Um 1430
Stil
Sprache
Schrift
Gotische Textualis
Buchschmuck
1 vielfarbiges Frontispiz (ganzseitig)
Vorbesitzer
John Shirley
Stephen Batman

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Troilus und Cressida von Geoffrey Chaucer – D. S. Brewer – MS 61 – Parker Library at Corpus Christi College Cambridge (Cambridge, Vereinigtes Königreich)
D. S. Brewer – Suffolk, 1978
Faksimile-Editionen

#1 Troilus and Criseyde

D. S. Brewer – Suffolk, 1978

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: D. S. Brewer – Suffolk, 1978
Einband: Brauner Kunstledereinband
Kommentar: Einleitung (23 S.) von Malcolm B. Parkes und Elizabeth Salter
Sprache: Englisch
Ausgabe bei uns verfügbar!
Preiskategorie: €€
(1.000€ - 3.000€)
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