Entstanden im Kloster Werden an der Ruhr: Ein Bindeglied zwischen spätkarolingischer und romanischer Buchmalerei

Werdener Psalter

Benediktinerabtei Werden (Deutschland) — Nach 1029

Werdener Psalter

Werdener Psalter

Benediktinerabtei Werden (Deutschland) — Nach 1029

  1. Ein Höhepunkt der Buchmalerei des 11. Jahrhunderts aus dem Skriptorium der Abtei Werden an der Ruhr

  2. Wunderbare Initialen vor allen 150 Psalmen und herausragende Miniaturen schmücken die Handschrift

  3. Sie gilt als Bindeglied zwischen spätkarolingischem und romanischem Stil

Werdener Psalter

Alternativ-Titel:
  • Werden Psalter
Werdener Psalter – Ms. theol. lat. fol. 358 – Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz (Berlin, Deutschland)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Die Abtei Werden an der Ruhr war gegen 800 vom hl. Liudger gegründet worden. Im 11. Jahrhundert erlebte sie eine Blütezeit und erwarb ein Selbstbewusstsein, für das die Pracht des Werdener Psalters ein faszinierendes Zeugnis ablegt: Er war nie für den liturgischen Gebrauch bestimmt, sondern einer reichen und hochgestellten Persönlichkeit zugedacht. Das Autorenbild zeigt David in seiner Doppelfunktion als übermächtigen König Israels und als empfindsamen Verfasser der Psalmen. Das Spiel mit reizvollen Gegensätzen durchzieht diesen Höhepunkt der Buchmalerei des 11. Jahrhunderts. Würdevoller Ernst, den auch die elegante, spätkarolingische Minuskel ausdrückt, steht in kreativer Spannung zur phantasiebewegten Initialornamentik. Vor jedem der 150 Psalmen finden sich wunderbare Initialen und romanische Miniaturen höchster Kunstfertigkeit. Damit ist dieser Prachtpsalter ein wichtiges Bindeglied zwischen spätkarolingischem und romanischem Stil.

Romanische Miniaturen und Initialen in höchster Kunstfertigkeit

Der Werdener Psalter gehört zu den bedeutenden und weithin berühmten mittelalterlichen Prachthandschriften aus dem Besitz der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Aufgrund seiner verschwenderischen Ausstattung wird er auch „Luxuspsalter“ genannt und legt ein glanzvolles Zeugnis mittelalterlicher Buchkunst ab. Entstanden ist der Codex in Werden, wo der hl. Liudger, Bischof von Münster, um 800 ein Kloster gegründet hatte. Diese Benediktinerabtei erlebte im 11. Jh. eine Blütezeit, sodaß der Werdener Psalter als der künstlerische Ausdruck eines selbstbewußten Klosters angesehen werden darf.
Die Handschrift enthält ein Psalterium in ungewöhnlicher Textgestalt. Inhalt und künstlerischer Schmuck des Werdener Psalters sind von hohem Rang und in allen Teilen bemerkenswert. Es sind sowohl die großartigen Miniaturen, die immer wieder bewundert worden sind, als auch die buchkünstlerisch überaus bedeutsamen Initialen, Zierseiten und Ziertitel sowie die Schrift, die allesamt eine unvergleichliche Einheit bilden.

Ein Luxuspsalter von verschwenderischer Pracht
Eröffnet wird die Reihe der Psalmen mit dem Autorenbild, das den biblischen König David in seinen beiden Funktionen, als Herrscher und als Verfasser der Psalmen, darstellt (fol. 1v). Auf fol. 74r kehrt das Davidthema mit der Tötung des Goliath und der Überbringung seines Hauptes an König Saul in zwei weiteren Episoden wieder. Die dritte ganzseitige Miniatur schließlich zeigt Christus als Sieger über den Drachen und den Löwen (fol. 64r).
Mit ihrem streng formalen, symmetrischen Aufbau und der Ausgewogenheit der Farbgebung strahlen die Titelbildillustrationen Ruhe und würdevollen Ernst aus und treten so in einen reizvollen Gegensatz zur phantasiebewegten Initialornamentik. Die jeweils unmittelbar auf die Miniaturseiten folgenden Initialseiten leiten mit gold-silbernen Rankeninitialen auf purpurfarbenem Hintergrund und mit gold- und silberfarbenen Kapitalen den nächsten Psalm ein.
Zudem beginnen alle 150 Psalmen sowie die nachfolgenden Cantica mit großen Initialen aus Gold- und Silberranken. Dazu kommen noch besonders hervorstechende Zierzeilen auf Purpurhintergrund mit abwechselnd goldenen und silbernen Majuskeln. Der Text ist absatzlos in einer regelmäßigen, eleganten, spätkarolingischen Minuskel geschrieben. Wirkungsvoll sind jedoch die Versanfänge hervorgehoben, die durch kleine Purpurquadrate mit ebenfalls goldenen und silbernen Buchstaben in der feierlichen Auszeichnungsschrift gekennzeichnet sind.
Die insgesamt 190 Rankeninitialen selbst bestehen teils aus geometrisch geführten Bändern, häufiger jedoch aus Pflanzenteilen. Architekturen, Drachen, Vögel, Hunde und auch Darstellungen von Menschen bereichern das Rankenwerk der Zierbuchstaben und machen sie zu phantasievollen Miniaturen. All dies verleiht dem Werk in seiner Gesamtheit den Eindruck von kostbarer Pracht, wie wir sie nur von wenigen Handschriften kennen.

Text und Kalender
Der Werdener Psalter enthält den Text des Psalterium Romanum, einen altlateinischen Text, der sich von der Vulgataversion nicht sehr stark unterscheidet, weiters die zugehörigen altlateinischen Cantica und einige Gebete. Ein umfangreicher Kalender sowie zwei Tafeln zur Berechnung des Datums des Osterfestes und der dazu nötigen Monddaten stehen am Ende der Handschrift.
Der Werdener Psalter ist zweifellos ein Luxuspsalter, der nicht für den liturgischen Gebrauch, sondern für eine hochgestellte und reiche Persönlichkeit hergestellt worden war. Dies legen sowohl der Text als auch die kostbare Ausstattung nahe.

Der Einband
Die Handschrift wird von einem reich verzierten Ledereinband geschützt, der nicht der ursprüngliche Einband ist, sondern aus der zweiten Hälfte des 16. Jh.s stammt. Er wurde mit Rollenstempeln geschmückt, d. h. Metallrollen, die zuvor heißgemacht wurden, wurden in das feuchte Leder abgerollt. In einem Rahmen erkennen wir die beschrifteten Büsten der Fortitudo („Tapferkeit“), Prudentia („Klugheit“) und Iusticia („Gerechtigkeit“) sowie als vierte nicht etwa die der Temperantia („Mäßigung“), wie man bei einer solchen Aufzählung der Tugenden erwarten sollte, sondern der Lucrecia.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Werden Psalter
Umfang / Format
237 Seiten / 25,4 x 17,5 cm
Datum
Nach 1029
Sprache
Buchschmuck
6 ganzseitige Miniaturen mit Ornamentik, 190 größere, meist goldene und silberne Initialen
Der Werdener Psalter (Normalausgabe)

Werdener Psalter

Porträt von König David

Die erste Seite dieses unglaublich harmonischen Werkes romanischer Buchmalerei zeigt den bekannten Verfasser der Psalmen, König David. Er ist in seinen beiden Funktionen in dieser Miniatur abgebildet, die in zwei Register unterteilt ist: Oben sehen wir David, den Herrscher des Königreichs Israel, unten sehen wir ihn als Komponisten der Psalmen.

Wie die übrigen Miniaturen des Manuskripts zeichnet sich diese Komposition durch eine symmetrische Struktur, eine ausgewogene Farbpalette und einen allgemeinen Eindruck von Frieden und erhabener Nüchternheit aus. Die kräftigen Farben, insbesondere Lila, kontrastieren wunderbar mit dem Blattgold des Rahmens und unterstreichen die Bildsprache der Szene. In kleinen Medaillons an den Ecken des Rahmens sind Unterhaltungskünstler abgebildet, von Musikern bis zu Jongleuren.

2 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Werdener Psalter“

Der Werdener Psalter (Normalausgabe)
Werdener Psalter – Ms. theol. lat. fol. 358 – Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz (Berlin, Deutschland)
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Der Werdener Psalter (Normalausgabe)

Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1979
Limitierung
765 Exemplare
Einband
Ganzleder, Kopie des Originaleinbandes. Alle Blätter sind dem Original entsprechend randbeschnitten. Faksimile in Leinenschuber.
Kommentar
1 Band (54 Seiten) von H. Knaus
Sprache: Deutsch

Der wissenschaftliche Kommentar, der von Hermann Knaus verfaßt wurde, gibt eine ausführliche Beschreibung des Werdener Psalters. Es werden sowohl die Miniaturen und der übrige Buchschmuck in ihrer kunsthistorischen Bedeutung betrachtet als auch Inhalt sowie Datierung und Lokalisierung der Handschrift erläutert und analysiert.
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Der Werdener Psalter (Vorzugsausgabe)
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Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1979
Limitierung
85 Exemplare
Einband
Ganzleder, Kopie des Originaleinbandes. Alle Blätter sind dem Original entsprechend randbeschnitten. Faksimile in Leinenschuber.
Kommentar
1 Band (54 Seiten) von H. Knaus
Sprache: Deutsch

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