Bilderbibel aus Padua

Bilderbibel aus Padua Faksimile

Padua (Italien) — Ende des 14. Jahrhunderts

Im Geiste der von Giotto kurz vorher in Padua geschaffenen Fresken: Eine einzigartige Bilderbibel im Übergang von der Spätgotik zur Frührenaissance mit über 500 virtuosen Miniaturen

  1. Mit Ausnahme von fünf sogar ganzseitigen Miniaturen zeigen die meisten Seiten drei bis vier Miniaturen mit kurzen Beschriftungen in italienischer Sprache

  2. Durch die ausgeklügelte Zusammenstellung des Bildprogramms entfaltet sich die Geschichte des Alten Testaments mit der Dramatik eines modernen "Films"

  3. Die Miniaturen markieren den Übergang von der Gotik zur Renaissance und nehmen neue Innovationen aus Giottos kurz zuvor entstandenen Fresken für die Arenakapelle in Padua auf

Bilderbibel aus Padua

  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Bilderbibel aus Padua

In dieser prachtvoll illuminierten Handschrift mit den Geschichten des Alten Testaments steht die Bildsprache im Vordergrund. Sie entstand um 1400 in der Werkstatt der sogenannten "Meister der Bilderbibel aus Padua", die mit dem Mäzen Francesco Novello und dem Hof von Carrara in Padua in Zusammenhang stand. Die Bücher Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomium und Josua sind durch über 500 meisterhaften Miniaturen in einfachen schwarzen und roten Rahmen illuminiert. Die meisten Seiten zeigen vier, gelegentlich auch drei Miniaturen, es gibt jedoch auch fünf ganzseitige Miniaturen, die unter anderem die Bundeslade und die Menora des Tempels darstellen. Ob Innenräume, Landschaften, Architekturen, Menschen oder Tiere - der Charme, die Natürlichkeit und die Unmittelbarkeit der Miniaturen beeindrucken, selbst wenn sie Szenen der Gewalt darstellen. Nicht nur das Arrangement und der Stil sind einzigartig unter den italienischen Manuskripten. Das Werk ist zudem die einzige erhaltene Bilderbibel in italienischer Sprache und markiert künstlerisch den Übergang von der Gotik zur Renaissance.

Bilderbibel aus Padua

Dieses einzigartige und kostbare Juwel der italienischen Buchmalerei wurde um 1400 in Padua geschaffen – wahrscheinlich auf Geheiß von Francesco Novello da Carrara (1359–1406), der ab 1388 als Herr von Padua regierte. Der Reichtum und die Kultiviertheit des Auftraggebers kommen in dieser meisterhaft entworfenen und ausgeführten Bilderbibel mit den alttestamentlichen Büchern Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomium und Josua zum Ausdruck. Die 529 kunstvollen Miniaturen, darunter 5 ganzseitige, repräsentieren die Qualität der norditalienischen Kunst des späten 14. Jahrhunderts. sie sind in der Regel in Vierer- oder Dreierkompositionen auf den Seiten angeordnet. Bei der so üppig ausgestatteten Handschrift handelt es sich um die einzige Bilderbibel in italienischer Sprache. Und auch ihr Stil und ihr Layout sind einzigartig unter den italienischen Handschriften, was sie zu einem der wertvollsten Besitztümern der British Library macht.

Ein Schatz aus Padua

Das in Venetien westlich von Venedig gelegene Padua ist eine der ältesten Städte Italiens und eine der historisch und kulturell bedeutendsten des Landes. Sie wurde ca. 1183 v. Chr. vom trojanischen Prinzen Antenor gegründet und beherbergt die fünftälteste noch existierende Universität, die seit 1222 besteht. Die Stadt wurde ein Zentrum des Humanismus und der Renaissance, da hier zahlreiche Artefakte aus der Antike entdeckt wurden. Die Familie Carraresi erlangte 1318 die Herrschaft über die Stadt und stellte insgesamt neun Fürsten. Unter der Herrschaft von Francesco Novello verlor Padua seinen Status als unabhängiger Stadtstaat, als es 1405 besiegt wurde, woraufhin es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Teil der Republik Venedig sein sollte. Die Bilderbibel ist eines der letzten Zeugnisse aus der Zeit des unabhänigen Paduas und stammt aus der Werkstatt der Meister Bilderbibel von Padua, die eng mit der mächtigen Familie Carraresi in Zusammenhang stand und von ihr gefördert wurde.

Künstlerische und literarische Einflüsse

Die Bilderbibel aus Padua steht an der Schwelle zwischen Spätgotik und Frührenaissance und zeigt Einflüsse verschiedener Künstler. Vor allem die Fresken, die kurz zuvor in Padua von Giotto (ca. 1267–1337) vollendet wurden, scheinen ein wichtiges Vorbild gewesen zu sein. Der Stil erinnert aber auch an jene Fresken des Lebens der Jungfrau Maria, die Jacopo da Verona (1355 – nach 1443) im Oratorium San Michele, einem gotischen Gebetssaal in Padua, schuf. Einige Forscher vermuten in Jacopo sogar den Künstler der reichen Miniaturen. Außerdem ermutigte die Tatsache, dass die drei größten Literaten der italienischen Frührenaissance - Dante, Petrarca und Boccaccio - ihre größten Werke in italienischer statt in lateinischer Sprache schrieben, die Verfasser des Text offensichtlich dazu, dies ebenfalls in der Volkssprache zu tun. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass das Manuskript für einen Laienmäzen angefertigt wurde, wobei Francesco Novello der wahrscheinlichste Kandidat ist.

Das Alte Testament im Kleid der frühen Renaissance

Die Plagen der Ägypter, die Flucht der Israeliten aus Ägypten, Moses und die Zehn Gebote, die Anbetung des Goldenen Kalbs und die Trompeten von Jericho - in dieser Handschrift werden die bekanntesten Geschichten des Alten Testaments zum Leben erweckt. Sie sind in die Gewänder des späten 14. Jahrhunderts gekleidet und spielen in zeitgenössischen Städten und Dörfern. Ihre detaillierte Darstellung in zarten Farben und mit subtilen Schattierungen verleiht ihnen ein verträumtes und doch realistisches Aussehen. Die Miniaturen sind so angeordnet, dass die Abfolge der Ereignisse in der Art eines modernen Comics leicht nachvollzogen werden kann. Architektonische Elemente, Landschaftsdetails und Personengruppen sind dabei oft als Einheiten konzipiert, die zur Perspektive und Tiefe des Bildraums beitragen. Viele der Miniaturen stellen Szenen voller Spannung und Gewalt dar, sind aber ebenso liebevoll gestaltet wie friedvollere Bilder.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Picture Bible of Padua
Paduan Bible Picture Book
Umfang / Format
172 Seiten / 32,5 × 23,0 cm
Herkunft
Italien
Datum
Ende des 14. Jahrhunderts
Stil
Buchschmuck
529 Miniaturen, davon 5 ganzseitig
Inhalt
Miniaturenzyklus zum Alten Testament, versehen mit knappen Textpassagen
Auftraggeber
Wohl Francesco Novello da Carrara
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Augustus Frederick, 1. Duke of Sussex

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Bilderbibel aus Padua – Add. MS 15277 – British Library (London, Vereinigtes Königreich) Faksimile
Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2023
Limitierung: 680 Exemplare
Detailbild

Bilderbibel aus Padua

In der Schmiede

Neben den dramatischen Ereignisse des Alten Testaments bietet das Manuskript einen detaillierten Einblick in das alltägliche Leben im spätmittelalterlichen Italien. Im Falle dieser Miniatur kann der Betrachter einen Blick auf die Arbeit zweier Schmiede in Lederschürzen erhaschen. Der Schmied in Rot bedient mit der linken Hand den Blasebalg, während er mit der rechten Hand das rohe Eisen in der Schmiede-Esse zum Glühen bringt, neben der ein Härtebecken zu sehen ist. Währenddessen fixiert sein Kollege ein Stück Metall mit einer Zange auf dem Amboss, um es mit seinem Hammer zu bearbeiten. Man meint fast die Hammerschläge in der Schmiede zu hören!

Die Bilderbibel aus Padua
Einzelseite

Bilderbibel aus Padua

Bezalel und Oholiab

Im Buch Exodus ist Bezalel der führende Kunsthandwerker der Israeliten und wird von Moses mit dem Bau des Heiligtums und dessen Ausstattung beauftragt. Unterstützt wurde er dabei unter anderem von Oholiab, dem Sohn von Ahisamach, einem Meister der Tischlerei, Weberei und Stickerei, der als stellvertretender Architekt agierte. Anstatt Priestern und Propheten ist ihnen hier eine gesamte Seite mit vier Miniaturen gewidmet. Sie zeigt die bescheidenen Handwerker, die ihren Glauben und ihre Hingabe mit dem Geschick ihrer Hände ausdrücken.

Hier werden die verschiedenen Fertigkeiten von Bezalel (in blau mit roter Kappe) und Oholiab (in rot mit blauer Kappe) dargestellt, die Moses den Israeliten anpreist, um ihnen zu erklären, warum er gerade diese beiden ausgewählt hat. In den zwei oberen Miniaturen fertigen sie ein zeremonielles Gewand und dessen schmuckvolle Besätze für den Hohepriester Aaron an. Darunter fertigen sie die Tempelmenora und die Säulen für das Heiligtum.

Die Bilderbibel aus Padua
Faksimile-Editionen

#1 Die Bilderbibel aus Padua

Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2023

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2023
Limitierung: 680 Exemplare
Einband: Schwarzer Ledereinband mit eleganter Goldprägung auf den Innenspiegeln und handumstochenem Kapitalband. Das Faksimile und der Kommentarband kommen in einer handgefertigten Leinenkassette.
Kommentar: 1 Band von Karl-Georg Pfändtner und Ulrike Bauer-Eberhardt
Sprache: Deutsch

Der Kommentarband enthält eine deutsche Übersetzung des altitalienischen Textes von Marina Molin Pradel und Norbert Kössinger.
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Neuerscheinung in 2023
Endpreis nach Erscheinen5.980 
Vorauszahlungspreis (gültig bis 30.09.2022):4.850 
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