Codex Sforza

Codex Sforza

Cremona — 27. November 1467

  1. Ludovico (1452-1508) wurde Herzog von Mailand, nachdem sein Bruder Galeazzo 1476 ermordet worden war

  2. Seine Mutter Bianca Maria Visconti (1425-1468) hatte die Weitsicht, ihn gut ausbilden zu lassen

  3. Ludovico wurde von Francesco Filelfo (1398-1481) in Kunst, Literatur, Regierungs- wie Kriegsführung unterwiesen

Codex Sforza

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Beschreibung
Codex Sforza

Francesco I. Sforza legte den Grundstein für eine neue Dynastie im Herzogtum Mailand, die künftig eine entscheidende Rolle in der italienischen Politik spielen sollte, als er Bianca Maria Visconti, die letzte Nachfahrin der vorherigen Dynastie, heiratete. Als sein Sohn Ludovico Sforza nach der Ermordung des älteren Bruders Galeazzo unerwartet die Macht übernommen hatte, erwies sich Ludovico als geschickter Herrscher – und verdankte dies wesentlich der Weitsicht seiner Mutter Bianca, die ihm durch den italienischen Renaissance-Humanisten Francesco Filelfo eine erstklassige Ausbildung hatte angedeihen lassen. Das vorliegende Dokument ist ein aufwendiges Lernportfolio für den jungen Prinzen und besteht aus einem Kommentar zu dem antiken Text Rhetorica ad Herennium, der von ihm verfasst und dann von einer talentierten Gruppe von Illuminatoren verziert wurde. Diese umrahmten den Text mit Portraits seiner Familienmitglieder sowie mit Wappen und Szenen aus der antiken griechischen und römischen Geschichte.

Codex Sforza

Bei diesem achtseitigen Portfolio handelt es sich um ein aufwendiges Büchlein, das erstellt wurde, um Bianca Maria Visconti (1425-1468), der Ehefrau des berühmten Condottieres und Begründers der Sforza-Dynastie, Francesco I. Sforza (1401-66), zu zeigen, wie sich ihr Sohn und zukünftiger Herzog von Mailand Ludovico als Student machte. Es handelt sich um dessen Kommentar zur Rhetorica ad Herennium, dem Werk eines anonymen Autors aus den späten 80er Jahren v. Chr. Es ist die älteste erhaltene lateinische Abhandlung über Rhetorik, war in der Renaissance ein beliebtes Lehrbuch und wird auch heute noch für das Studium der Rhetorik und die Kunst der Überredung herangezogen. Nachdem die Handschrift durch verschiedene Hände gegangen war, wurde sie 1860 in London von Marquis Vittorio Emanuele Tapparelli d'Azeglio (1816-1890) erworben, der sie wiederum dem italienischen König Viktor Emanuel II. (1820-1878) schenkte.

Ein fürstlicher Fortschrittsbericht

Auch wenn nicht anzunehmen war, dass Ludovico Maria Sforza (1452-1508) jemals die Regentschaft übernehmen würde (er war erst der vierte Sohn), hatte sich seine Mutter Bianca klugerweise schon früh dazu entschieden, ihm eine Erziehung zukommen zu lassen, die einem Prinzen der italienischen Renaissance angemessen war. So wurde er sowohl in Kunst und Literatur als auch in den Methoden der Regierung und der Kriegsführung unterrichtet. Diesen Kommentar verfasste Ludovico am 27. November 1467 selbst, während er als gerade mal 15-jähriger Schüler unter der Obhut des bekannten italienischen Renaissance-Humanisten Francesco Filelfo (1398-1481) stand. Der Kommentar wurde dann an mehrere Buchmaler übergeben, die aufwendige Rahmen mit Porträts von Ludovicos Familienmitgliedern, Wappen und Bas-de-Page-Miniaturen schufen, die antike Schlachtszenen zu Land und zu Wasser zeigen. Satte Primärfarben und Gold- und Blattsilber wurden verwendet, um sicherzustellen, dass sich seine Mutter von den akademischen Fortschritten ihres Sohnes beeindruckt zeigen konnte.

Kodikologie

Alternativ-Titel
In Rhetoricam ad Herennium Commentaria
Codice Sforza
Umfang / Format
8 Seiten / 19,2 × 14,3 cm
Herkunft
Italien
Datum
27. November 1467
Schrift
Littera Humanistica
Inhalt
Kommentar zur Rhetorica ad Herennium
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Familie Sforza
Vittorio Emanuele Tapparelli d'Azeglio
Victor Emmanuel II. von Italien

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Codice Sforza
Nova Charta – Venedig, 2017
Limitierung: 200 Exemplare
Faksimile-Editionen

#1 Codice Sforza

Nova Charta – Venedig, 2017
Codice Sforza
Codice Sforza Copyright Bildmaterial: Ziereis Faksimiles

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Nova Charta – Venedig, 2017
Limitierung: 200 Exemplare
Kommentar: 1 Band von Rossana Rummo, Giovanni Saccani, Gianfranco Malafarina, Alessandro Brovarone Vitale, Milvia Bollati, Luca Di Palma und Paolo Crisostomi
Sprache: Italienisch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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