Geschmückt mit 72 romanischen Miniaturen zum Alten und Neuen Testament: Das persönliche Gebetbuch der berühmten Äbtissin, Schriftstellerin, Philosophin und Mystikerin Hildegard von Bingen

Hildegard-Gebetbuch

Deutschland — Um 1175–1180

Hildegard-Gebetbuch

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Deutschland — Um 1175–1180

  1. Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) war eine berühmte Universalgelehrte des Hochmittelalters

  2. Sie wird u.a. als Schriftstellerin, Komponistin, Philosophin, Mystikerin und Visionärin verehrt

  3. 72 romanische Miniaturen illustrieren die Texte des Alten und Neuen Testaments

Hildegard-Gebetbuch

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Die Versuchung Christi

Nach seiner Taufe durch Johannes den Täufer begab sich Jesus in die judäische Wüste, um dort 40 Tage und Nächte zu fasten. Während dieser Zeit wurde er dreimal vom Satan versucht. Das untere Register dieser Seite zeigt die Versuchung auf der Zinne des Tempels, vermutlich auf dem Tempelberg in Jerusalem. Auf einem Ziegeldach über dem Eingang sitzend, bewahrt Jesus seine Integrität angesichts der Herausforderungen des Satans und sagt: "In der Schrift heißt es auch: Du sollst den HERRN, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen." (Mt. 4:7)

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Alternativ-Titel:
  • Gebetbuch der Hildegard von Bingen
  • Book of Hours of Hildegard von Bingen
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie
Kurzbeschreibung

Unter den mittelalterlichen Gebetbüchern zeichnet sich der Liber precatorius der Bayerischen Staatsbibliothek, der im Mittelrheingebiet um 1175 entstanden ist, sowohl durch die Fülle seiner Illustrationen als auch durch deren außergewöhnliche Qualität und ikonographische Besonderheit aus. 72 Illustrationen begleiten die einzelnen Gebete, einige zeigen alttestamentliche Szenen von der Schöpfungsgeschichte bis zu den Zehn Geboten, andere beziehen sich auf neutestamentliche Ereignisse, den Abschluss bildet eine Darstellung des Jüngsten Gerichts. Neben der Bedeutung der Gebete und der damit verbundenen einzigartigen Bildfolge zeichnet sich die Handschrift dadurch aus, dass es sich in ihren letzten Lebensjahren um das persönliche Gebetbuch der berühmten Äbtissin, Schriftstellerin, Komponistin, Philosophin, Mystikerin, Visionärin und Botanikerin Hildegard von Bingen handeln soll.

Hildegard-Gebetbuch

Diese kostbare Handschrift aus der Bayerischen Staatsbibliothek soll sich im persönlichen Besitz einer der berühmtesten Frauen des gesamten Mittelalters befunden haben: Hildegard von Bingen** (1098–1179). Hauptsächlich in lateinischer Sprache geschrieben, deutet die prächtige Gestaltung und die Auswahl der Gebete darauf hin, dass das Liber precatorius für eine hochrangige Frau bestimmt war und wahrscheinlich von einem Zisterziensermönch geschaffen wurde, der mit einem Miniaturisten zusammenarbeitete, der sowohl mit älteren theologischen Traditionen als auch mit den neuen Ideen des 12. Jahrhunderts, einer Zeit der Reformen und Innovationen in der Kirche, vertraut war.

Ein ungewöhnliches Gebetbuch

Das Manusktipt ist äußerst ungewöhnlich. Nur ein einziges anderes erhaltenes Werk teilt sein Bildprogramm und seine heilsgeschichtliche Perspektive, dessen Aufbau mehr als nur die Absicht ausdrückt, eine biblische Vollständigkeit zu vermitteln, sondern den Leser über den Lauf der Welt und die eigene Existenz in ihr nachdenken lässt. In 72 Miniaturen wird chronologisch die Geschichte der Frömmigkeit von der Genesis bis zum Jüngsten Gericht nachgezeichnet, einschließlich einer detaillierten Darstellung des Wirkens Christi. Sie sind so gestaltet, dass sie dem Leser die Möglichkeit geben, das Heilsgeschehen zu betrachten und eine meditative Beziehung zu ihm aufzubauen. Die Miniatur zum Thema Kreuztragung etwa zeigt Christus, der ein schweres, großes, auf dem Boden stehendes Kreuz umarmt. Hier wird nicht das eigentliche Tragen des Kreuzes betont, sondern die Bereitschaft Christi, das Kreuz auf sich zu nehmen und den Weg des Leidens zu beschreiten. Damit wird der Schwerpunkt vom historischen Ereignis auf den inneren Prozess der Handlung verlagert. Das Kreuz wird auch mit dem Baum des Lebens in Verbindung gebracht, besonders in der Darstellung des Jüngsten Gerichts.

Ursprünge der Handschrift

Nach der Ikonographie zu urteilen, dürfte die Handschrift in Trier entstanden sein, vielleicht im Kloster St. Eucharius, zu dem Hildegard regelmäßigen Kontakt gehabt haben dürfte. Irgendwann in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden deutsche Texte hinzugefügt, um die Illustrationen zu erklären, die zwei der Mariengebete begleiten, von denen eines von einer späteren Hand mit Tinte durchgestrichen wurde, was für die Forschung ein erhebliches Hindernis darstellt. Eine linguistische Analyse deutet jedoch darauf hin, dass die Notizen in einem alemannischen Dialekt, d. h. im südwestlichen deutschen Sprachraum, geschrieben wurden. Es wird daher vermutet, dass diese Notizen von Nonnen aus der Region Bingen-Worms, die nicht weit von dem von Hildegard gegründeten Kloster am Rupertsberg entfernt ist, hinzugefügt wurden.

Kodikologie
Alternativ-Titel
Gebetbuch der Hildegard von Bingen
Book of Hours of Hildegard von Bingen
Umfang / Format
72 Folios / 17,0 × 11,5 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
Um 1175–1180
Stil
Sprache
Buchschmuck
72 ganzseitige Miniaturen; Zierinitialen
Künstler / Schule
Hildegard-Gebetbuch

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Einzug in Jerusalem

Der triumphale Einzug Christi in Jerusalem, dem heute am Palmsonntag gedacht wird, markiert den Beginn des Passionszyklus. Begleitet von seinen Jüngern reitet Christus auf einem Esel, der im Gegensatz zum Pferd den Frieden symbolisiert, und gibt in wallenden Gewändern das Segenszeichen.

Die Bürger Jerusalems sind ihm auf der Straße entgegengekommen, einige legen ihre Kleider auf den Boden, während andere auf eine Palme klettern, um Zweige zu holen. Sie sind im Vergleich zu den Figuren der herannahenden Prozession klein und kindlich dargestellt, aber mit natürlichen Körpern und ausdrucksstarken Gesichtern: So sieht etwa die rot gekleidete Figur, die auf den Baum klettert, frustriert oder vielleicht ungeduldig aus, während sie einen Blick auf den Gottessohn erhaschen will.

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Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Reichert Verlag – Wiesbaden, 1982
Kommentar
1 Band (260 Seiten) von Ludwig Reichert, Hermann Hauke, Gerhard Achten, Karin Schneider und Elisabeth Klemm
Sprache: Deutsch
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Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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