Mosaner Psalter-Fragment

Mosaner Psalter-Fragment – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Codex 78 A 6 – Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz (Berlin, Deutschland)

Frankreich oder Deutschland — Mitte des 12. Jahrhunderts

Ein aus heutiger Sicht fast zum Glück unvollendet gebliebenes Meisterwerk: Die Vereinigung klassischer, karolingischer und ottonischer Traditionen in einem prächtig geschmückten Handschriftenfragment

  1. Eine Vereinigung spätklassischer, karolingischer und ottonischer Traditionen fast im Stil moderner Comics

  2. Die einzelnen Miniaturen sind in dreidimensionale rote Rahmen gesetzt, die von den Figuren häufig überschritten werden

  3. Wegen seiner Unvollendetheit heute eine seltene Gelegenheit, um die Manuskripterstellung zu untersuchen

Mosaner Psalter-Fragment

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  1. Beschreibung
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Beschreibung
Mosaner Psalter-Fragment

Der Zufall gestattet einen interessanten Einblick in den Arbeitsprozess mittelalterlicher Illuminationen: Das Mosaner Psalter-Fragment stellt die Einleitung zu einem Psalter da. Sein Fragmentcharakter ist jedoch nicht auf manuellen Verlust in der Überlieferungsgeschichte der Handschrift zurückzuführen. Vielmehr sind von den insgesamt 29 ausgeführten Miniaturen 15 vollendet worden und 12 im halbfertigen Zustand verblieben. Dieser Umstand lässt an der Handschrift erkennen, dass das reich verwendete Gold nicht erst am Ende aufgelegt wurde, sondern bereits unmittelbar nach der Zeichnung mit der Feder. Die großartigen Bilder stellen zunächst alttestamentliche (fol. 1–6) Szenen dar und anschließend geben sie sehr lebendig Szenen aus den Evangelien wieder (fol. 7–10). Durch kurze thematische Angaben, so genannte Tituli, und vereinzelte Spruchbänder lässt sich diese prächtige mittelalterliche Bilderbibel mit modernen Comics in Beziehung setzen.

Ein goldenes Bilderbibel-Fragment

Das Mosaner Psalter-Fragment ist eine prachtvolle, reich mit Gold ausgestattete Handschrift, die einen Bilderzyklus mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament enthält. Bei diesem Fragment handelt es sich nach Meinung der Fachleute um die Einleitung zu einem Psalter, die in bildlichen Darstellungen die biblischen Szenen erzählt. Den einzelnen Bildern sind lediglich kurze thematische Angaben, sog. Tituli, sowie vereinzelt Schriftbänder mit direkter Rede – ähnlich wie bei unseren modernen Comics – beigefügt.
Die großartigen Bilder wurden von unbekannten Meistern gestaltet und gelten als Glanzstücke der romanischen Buchmalerei. Das Zusammenwirken verschiedener Techniken – der Federzeichnung sowie der Deckfarbenmalerei – übt auf den Betrachter einen ganz besonderen Reiz aus. Die Miniaturen vermitteln mit ihren in satten Farben und leuchtendem Gold aufgetragenen Landschaften und Architekturen sowie mit den lebhaft bewegten Figuren in anschaulicher Weise das biblische Geschehen.
Dieses Fragment eines romanischen Bilderbibelzyklus ist theologisch-ikonographisch und stilgeschichtlich überaus bedeutsam. Einige Kompositionselemente in den Miniaturen lassen italienische spätantik-altchristliche Vorlagen vermuten, aber auch Einflüsse aus der karolingisch-ottonischen Tradition sind zu bemerken.

Die künstlerische Ausstattung
Von den insgesamt 29 ausgeführten Miniaturen sind 15 vollendet und 12 im halbfertigen Zustand. Die restlichen beiden Bilder sind Federzeichnungen, von denen einzelne Teile vergoldet worden sind und die ein eindrucksvolles Zeugnis darstellen, wie wunderbar und von welch feinem Ausdruck auch unausgeführte Federzeichnungen sein können. Außerdem vermitteln sie uns eine Vorstellung von der mittelalterlichen Buchproduktion. Denn augenscheinlich wurde das Gold nicht am Schluss aufgelegt oder aufgemalt, sondern unmittelbar nach der Zeichnung mit der Feder.
Bei der Ausführung eines so umfangreichen Zyklus ist zweifellos die Mitarbeit mehrerer Hände anzunehmen. Doch trotz der Verschiedenheit der Techniken, trotz der vielleicht von anderen Händen ausgeführten Kolorierungen und trotz der stilistischen Unterschiede in der Gestaltung von Details wird die künstlerische Verantwortung bei einem individuellen Meister gelegen haben, der den Entwurf des Ganzen lieferte und in dessen Händen die Ausführung im Wesentlichen lag.

Ein wertvolles Fragment einer Bilderbibel
In diesem Fragment werden auf den Folios 1–6 Ereignisse aus dem Alten Testament illustriert, während auf den restlichen Folios (7–10) Szenen aus den Evangelien bildlich dargestellt sind. Die einzelnen Miniaturen werden durch plastisch gestaltete rote Rahmen begrenzt, wobei die Figuren oftmals aus diesen Rahmen heraustreten. Dadurch wird ihnen eine besondere Lebendigkeit verliehen.
Für die Forschung der Ikonographie ist dieses Psalter-Fragment von höchstem Wert, da in den Miniaturen ein für diese Zeit ungewöhnlicher ikonographischer Reichtum vor Augen tritt. Zudem ist diese Handschrift auch stilgeschichtlich überaus bedeutsam, weil hier ein geradezu klassisches Beispiel einer Beeinflussung aus der spätantiken Kunst vorliegt. Denn die Mehrzahl der Bilder geht auf römische Denkmäler des 5. Jh.s zurück. Nur in wenigen Fällen ist ein unmittelbares Eindringen rein östlicher, palästinensisch-syrischer oder byzantinischer Tradition festzustellen.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Mosa Psalter Fragment
Umfang / Format
20 Seiten / 24,9 × 15,6 cm
Herkunft
Frankreich
Datum
Mitte des 12. Jahrhunderts
Stil
Sprache
Buchschmuck
Jede Seite ist mit mindestens einer Miniatur geschmückt, insgesamt 29, davon 1 ganzseitige Miniatur

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Mosaner Psalter-Fragment – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Codex 78 A 6 – Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz (Berlin, Deutschland)
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1974
Detailbild

Mosaner Psalter-Fragment

Der Betrug an Isaak

Als Isaak das Alter von 137 Jahren erreichte, war er blind und stand kurz vor dem Tod. Er schickte daher nach seinem Sohn Esau, aber seine Frau Rebecca wollte, dass ihr eigener Sohn Jakob den Segen als erster unter den Söhnen Isaaks erhielt. Sie schlingt Jakobs Arme in Ziegenhäute, damit er sich wie sein behaarter Bruder Esau anfühlt. Derart verkleidet bringt Jakob Isaak sein Essen und empfängt den Segen. Nachdem der Betrug aufgedeckt ist, macht Isaak seine Entscheidung nicht rückgängig, aber verspricht Esau, dass er nach einer Zeit des Dienstes an seinem Bruder dessen Joch von seinem Hals reißen werde.

Mosaner Psalter-Fragment – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Codex 78 A 6 – Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz (Berlin, Deutschland)
Einzelseite

Mosaner Psalter-Fragment

Die Jakobsleiter

Diese populäre Prophezeiung aus dem Alten Testament wird hier in einer romanischen Miniatur mit deutlichen Einflüssen aus der islamischen und byzantinischen Kunst umgesetzt. Der in der Deutung umstrittene Traum von Jakob, dem Patriarchen der Israeliten, gilt als eine Interpretation der Pflichten und des Erbes des auserwählten Gottesvolkes. In der christlichen Theologie steht die Leiter mehr noch für den ständigen Kontakt zwischen Himmel und Erde.

In diesem Bild führt das obere Ende der Leiter direkt zu Jesus, der die Erfüllung von Jakobs Traum darstellt, da in ihm Gott und Menschheit wieder ganz nah beieinander sind. Jakob ist durch seinen Namenszug eindeutig identifiziert und goldene Strahlen der Inspiration scheinen von oben auf ihn herab. Die ganze Vision nimmt ihren Ausgang von seinem Kopf, während er im Schlaf daliegt. Die Leiter, die er in der Vision sieht, führt einen Strom aus Blattgold in den Himmel.

Mosaner Psalter-Fragment – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Codex 78 A 6 – Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz (Berlin, Deutschland)
Faksimile-Editionen

#1 Das Mosaner Psalter-Fragment

Details zur Faksimile-Edition:

Einband: Pergamenteinband. Alle Blätter sind originalgetreu randbeschnitten.
Kommentar: 1 Band (32 Seiten) von Hanns Swarzenski
Sprache: Deutsch
Detailnahe Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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