Ein deutscher Codex Aureus im Mainzer Domschatz: Geschrieben mit goldener Tinte und mit leuchtenden Miniaturen im Zackenstil geschmückt

Mainzer Evangeliar

Mainz (Deutschland) — 1230-1250

Mainzer Evangeliar

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Mainz (Deutschland) — 1230-1250

  1. Ein Meisterwerk des unverkennbaren gotischen Zackenstils in leuchtenden Bildern auf Goldgrund

  2. Mit vollständig in Goldtinte geschriebener Bibeltext darüber hinaus ein "Codex Aureus"

  3. Seine Textura-Schrift gilt als die schönste der Gotik und diente als Vorlage für Johannes Gutenberg (ca. 1400-68)

Mainzer Evangeliar

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Incipit-Seite zum Johannesevangelium

Diese Seite, auf der das Johannesevangelium vorgestellt wird, ist eine wunderbare Mischung aus Blattgold und kräftigen Grundfarben, die alle mit unglaublicher Symmetrie und viel Liebe zum Detail umgesetzt werden. Der Apostel Johannes sitzt in der I-Initiale und ist konzentriert bei der Arbeit, während die berühmten ersten Worte des einzigartigen Evangeliums rechts zu Stehen kommen: In principio erat verbum et verbum erat apud Deum et Deus erat verbum: „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ (Joh 1, 1)

Mainzer Evangeliar

Alternativ-Titel:
  • Mainz Gospels
Mainzer Evangeliar – Ms. 13 – Hofbibliothek (Aschaffenburg, Deutschland)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Das Mainzer Evangeliar ist ganz mit Goldtinte geschrieben und mit seinem berühmten Zackenstil ein Höhepunkt des 13. Jahrhunderts. 71 teils ganzseite Miniaturen schmücken das Werk innen und ein prunkvoller Einband außen.

Eine Prachthandschrift aus purem Gold

Das Mainzer Evangeliar stellt eines der bedeutendsten Zeugnisse der deutschen Buchkunst des 13. Jahrhunderts dar. Eine derart reich mit Gold und Silber ausgestattete und künstlerisch so meisterhaft vollendete Handschrift konnte sich nur ein winziger Personenkreis anfertigen lassen. So liegt die Vermutung nahe, dass der damalige Erzbischof des wohlhabenden und einflussreichen Bistums Mainz entweder selbst der Auftraggeber oder der Beschenkte dieses goldenen Codex gewesen sein muss. Der Buchschatz war seit seiner Fertigstellung um das Jahr 1250 Teil des Mainzer Domschatzes und gelangte im Zuge der Säkularisation 1803 in die Hofbibliothek ins unterfränkische Aschaffenburg. Dort wird das Buch noch heute wie ein Schatz gehütet.

Heiliger Text - goldene Schrift

Wie alle Evangeliare enthält auch das Mainzer Evangeliar die Frohe Botschaft des Neuen Testaments. Um die Heiligkeit der vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zu unterstreichen, wurde sie in reiner Goldtinte verfasst. Die weniger heiligen Texte im Vor- und Nachgang dagegen, die Kanontafeln und Kommentare, finden sich in schwarz geschrieben und verdeutlichen klar, worauf der Leser sein Augenmerk richten solle. Die in Texture gehaltene Schrift, in der das Mainzer Evangeliar verfasst wurde, gilt als die schönste Schrift der Gotik. Ihr Ebenmaß ist eine weitere Andeutung des Gewichts der heiligen Worte. Nicht umsonst hat sich auch Gutenberg eng an diese Kalligraphie gehalten, als er die fast 300 Lettern für seine berühmte Bibel anfertigte. Durch diese Pracht in Bild und Material verweist das Mainzer Evangeliar deutlich in die Blütezeit der Evangeliare aus der karolingischen und ottonischen Epoche.

Der frühgotische Zackenstil

Auch die Ikonographie steht klar zum Erbe der Reichenauer und Echternacher Malschulen: Leuchtende Farben auf Goldgrund und klare Konturen - so findet sich der überreiche Bilderzyklus zum Leben Jesu. Nicht weniger als 71, teils ganzseitige Miniaturen hat der unbekannt gebliebene Maler geschaffen, die die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu von der Krippe bis zur Auferstehung verbildlichen. In dieser Fülle bleibt das Mainzer Evangeliar alleine unter den Buchschätzen des 13. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit, als gerade die Gotik Frankreich und Deutschland eroberte, ging auch die Malerei neue Wege. Neu war der sogenannte frühgotische Zackenstil. Dieser äußert sich in den zackigen Konturen der Gewänder der dargestellten Figuren. Auch ändert sich die Komposition der Bilder vom Horizontalen der Romanik in die Vertikale der Gotik: waren Maler des 10. und 11. Jahrhunderts darauf bedacht, alles Wesentliche in einer Ebene horizontal darzustellen, so gingen die Meister des 12. Jahrhunderts dazu über, ihre Figuren noch oben streben zu lassen. Zu Gute kommen ihnen dabei die Möglichkeiten der fast reliefhaften neuen Maltechniken. Auch im Text selbst findet diese Pracht ihre Entsprechung, finden sich doch dort fein gezeichnete Kanontafeln und über 300 große und kleine Gold- und Zierinitialen.

Lichtdurchflutet wie eine gotische Kathedrale

Der goldene Codex aus Mainz bezaubert schon beim ersten Anschein durch seinen wunderbaren Goldglanz. Zu dem in Goldtinte verfassten, licht reflektierenden Text kommen die goldenen Miniaturen. Nicht nur sind viele auf Goldgrund gemalt, auch finden sich wunderschöne Pastell-Farben darin wieder: Violett und blau, rosa und purpur und die entsprechenden satten und intensiven Vollfarben dieser. All das zusammen wirkt wie ein Farbenrausch, der das Gold noch mehr zum Strahlen bringt.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Mainz Gospels
Umfang / Format
200 Seiten / 35,3 x 27,0 cm
Datum
1230-1250
Sprache
Buchschmuck
71 Miniaturen (einige ganzseitig) und 300 Zierinitialen
Auftraggeber
Erzbischof von Mainz
Mainzer Evangeliar

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Tod, Kreuzabnahme, Grablegung und Auferstehung Christi

Der vierteilige Zyklus, der für die christliche Theologie sehr zentral ist und mit dem Triumph Christi über den Tod endet, wird normalerweise in einzelne Miniaturen unterteilt, hier jedoch auf einer einzigen Seite zusammengefasst, um so ein Gefühl für ihre Vollständigkeit und Gesamtdynamik zu vermitteln. Ein Teil dieser Dynamik rührt auch von der Überschreitung des Rahmens her: Das Kreuz überlappt sich mit dem Rahmen oben, ebenso wie der Stab Christi im unteren rechten Quadranten. Dadurch sieht es so aus, als würden sie aus der Buchseite herauskommen.

Die Komposition ist ein Meisterwerk des Zackenstils, einer für Deutschland typischen Form der frühgotischen Buchmalerei. Es handelt sich dabei um eine stark stilisierte Weiterentwicklung der römischen und byzantinischen Formen; der Stil zeichnet sich durch Kleidungsstücke mit scharfen Falten und Konturen, emotional ausdrucksstarken Gesichtern und glänzendem Goldhintergrund aus.

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Mainzer Evangeliar“

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Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Faksimile Verlag – Luzern, 2007
Limitierung
980 Exemplare
Einband
Als Vorlage und würdigen Ersatz für den im Laufe der Zeit verloren gegangenen Originaleinband des Mainzer Evangeliars – ein gängiges Schicksal vieler kostbarer Prachteinbände – wurde der Einband des ebenfalls im 13. Jahrhundert entstandenen Preetzer Evangeliars gewählt. Die Faksimile-Edition ist mit einem Einband aus feinstem dunklen Leder versehen und mit blindgeprägten Linien und einer eingelassenen Silberplatte geschmückt. Fünf silbervergoldete Medaillons mit den vier Evangelistensymbolen und einer Darstellung des thronenden Christus im Zentrum sind auf der Silberplatte als Schmuckelemente appliziert. Ein Goldschnitt veredelt dreiseitig alle Blätter des Bandes.
Kommentar
1 Band von Harald Wolter-von dem Knesebeck
Sprache: Deutsch
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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