Einfüßler, Gewürzhändler und fremde Reiche: Die Abenteuer des Marco Polo illuminiert vom Boucicaut-Meister und der Bedford-Werkstatt

Marco Polo - Das Buch der Wunder

Paris (Frankreich) — 1410-1412

Marco Polo - Das Buch der Wunder

Marco Polo - Das Buch der Wunder

Paris (Frankreich) — 1410-1412

  1. Die Abenteuer von Marco Polo (1254-1324) in einer Pracht aus Farben und Goldintarsien

  2. Die 84 Miniaturen wurden von mehreren Buchmalern geschaffen, darunter der Boucicaut-Meister und die Werkstatt des Bedford-Meisters

  3. Herzog Johannes Ohnefurcht, Herzog Jean de Berry und König François I. besaßen diese meisterliche Handschrift

Marco Polo - Das Buch der Wunder; Livre des merveilles

Marco Polo - Das Buch der Wunder

Ankunft in Hormuz

Hormuz war einer der wichtigsten Häfen und Handelszentren im antiken und mittelalterlichen Persien. Seine Lage auf einer Insel im Persischen Golf machte es zu einer wichtigen Verbindung in den Handelsnetzen zwischen Ost und West. Polo war zweimal dort, einmal im Jahr 1272 (hier abgebildet) und auf seiner Rückreise im Jahr 1293. Er wird hier mit einem Elefanten und Kamelen auf dem Schiff dargestellt. In Wirklichkeit aber kam Polos Gruppe auf dem Kamel in Hormuz an, um mit einem Schiff weiterzufahren. Allerdings war keines verfügbar, was für die lange Reise ausreichend seetüchtig gewesen wäre.

Marco Polo - Das Buch der Wunder

Alternativ-Titel:
  • Marco Polo - The Book of Wonders
  • Book of Miracles
  • Livre des merveilles
Marco Polo - Das Buch der Wunder – Ms. Français 2810 – Bibliothèque nationale de France (Paris, Frankreich)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Das Buch der Wunder entstand im Frankreich des 15. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte des Pioniers und Handelsreisenden Marco Polo. Die begabtesten Buchmaler jener Zeit stellten in packender Farbvielfalt und mit Goldeinsatz die abenteuerlichen Erlebnisse auf seinen Reisen in die entlegensten Gebiete der Welt dar.

Marco Polo – Buch der Wunder

Im Frankreich des 15. Jahrhunderts entstand eine kunstvolle Handschrift, an der die berühmtesten und einflussreichsten Buchmaler jener Zeit beteiligt waren. Die Schrift erzählt auf 192 Seiten und in 84 prächtigen, großflächigen Illustrationen mit Goldeinsatz die Geschichte des Handelsreisenden Marco Polo. Es wird von den Reisen des Pioniers in die entlegensten Gebiete Asiens berichtet, von seiner Rückreise über Indien nach Venedig und auch Gebiete, die Marco Polo wohl nie selbst bereist hat, werden beschrieben. Das Werk stellt eine einmalige Mischung aus geographischer und ethnologischer Dokumentation, sowie aus phantastischer mittelalterlicher Vorstellung und Sage dar.

Die Vorreiter der Buchmalerei

Die begehrte und kostbare Schrift entstand im 15. Jahrhundert und wurde von den damals berühmtesten französischen Miniatoren erstellt, die dabei in zwei Gruppen zusammenarbeiteten. 37 der insgesamt 84 Buchmalereien stammen vom Boucicaut-Meister, der ein bekannter Virtuose unter den Künstlern Nordeuropas war und für einflussreiche Neuerungen auf dem Gebiet der Buchmalerei verantwortlich war. Er wurde vom nicht weniger populären Mazarine-Meister unterstützt. Die zweite Künstlergruppe ist für 44 Miniaturen verantwortlich, welche ebenfalls durch ihre Qualität und Sorgfalt zu begeistern wissen. Unter diesen Malern befanden sich der Egerton-Meister und der Bedford-Meister, die hier in hervorragender Zusammenarbeit ihre wohl schönsten Illustrationen geschaffen haben.

Ein geheimnisvoller Auftraggeber?

Bis heute kann nicht endgültig geklärt werden, wer das sogenannte Buch der Wunder in Auftrag gegeben hat. Gewiss ist, das für eine Prachthandschrift von dieser Qualität und unter Beteiligung solch populärer Illuminierer mit hohen Kosten zu rechnen ist. Es liegt nahe, den Auftraggeber im Adel zu vermuten. Einige persönliche Symbole und Hinweise im Werk deuten auf den Burgunderherzog Johann Ohnefurcht hin, welcher als großer Förderer von Kunst, Musik und Literatur bekannt war.

Die bewegte Geschichte der Prachthandschrift

Ein weiterer Hinweis auf Johann Ohnefurcht als Auftraggeber, oder zumindest ursprünglichen Besitzer, findet sich in den Inventaren des Herzogs von Berry. Hier ist das Werk als Geschenk des Burgunderherzogs verzeichnet. Nach dem Tod des Herzogs von Berry ging die Handschrift in den Besitz der Familie Armagnac über. Die Wege des Codex lassen sich heute nicht genau nachvollziehen, bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts verschwand er vollständig. Danach taucht er in der Bibliothek des Königs Franz I. wieder auf und wurde Ende des 17. Jahrhunderts in seinen heutigen Einband mit dem Königswappen gekleidet.

Atemberaubende Geschichten in traumhaften Bildern

Noch abenteuerlicher als das Schicksal des Werkes, sind seine Geschichten selbst. Sie erzählen von Marco Polo, der sich 1271 zusammen mit seinem Vater und Onkel auf die Reise nach Asien begab. Ihre Wege führten sie von Palästina über Persien, Pakistan und Pamir nach Nordchina, an den Hof des legendenumwobenen Mongolenherrschers Kublai Khan. Nachdem der junge Marco Polo das Vertrauen des Khans für sich gewinnen konnte, durfte er Missionen für diesen ausführen, die ihn bis in die entlegensten Gebiete Ostasiens brachten. 1292 begab sich Marco Polo über den Indischen Ozean nach Venedig, wo er sich niederließ und eine Familie gründete.
Im Krieg Venedigs gegen Genua wurde der Pionier drei Jahre lang in einem Wehrturm gefangen gehalten, zusammen mit einem Schriftsteller namens Rusticello, dem er seine Erlebnisse anvertraute. Rusticello schrieb diese auf Französisch nieder und eine Abschrift dieser Handschrift gelangte in den Besitz von Christopherus Kolumbus, welchen sie auf seinen eigenen Expeditionen inspirierte. Eine Abschrift diente auch dem Verfasser des Buches der Wunder als Vorlage, welcher sie durch atemberaubenden Illustrationen für den Betrachter erlebbar machte. Die ganzseitigen Miniaturen sind verziert mit Elementen aus Blattgold und geben eine Vorstellung von Ländern und Völkern des Orients, die sich mit mittelalterlichen europäischen Traditionsgeschichten vermischen und ihre Leser eintauchen lassen in die phantastischen Abenteuer des Marco Polo.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Marco Polo - The Book of Wonders
Book of Miracles
Livre des merveilles
Umfang / Format
594 Seiten / 42,0 x 30,0 cm
Datum
1410-1412
Buchschmuck
84 große und zahllose kleinere Miniaturen
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Marco Polo - Das Buch der Wunder; Livre des merveilles

Marco Polo - Das Buch der Wunder

Frontispiz

Obwohl dieses fantastische Manuskript eine Gemeinschaftsarbeit von Meistern aus dem Frankreich des frühen 15. Jahrhunderts ist, stammt die Miniaturseite, mit der dieses Werk beginnt, ausschließlich aus der Hand des sogenannten Mazarin-Meisters. Dies ist ein wunderbares Exemplar des spätgotischen Stils im goldenen Zeitalter der französischen Buchmalerei.

Die länglichen Figuren und weichen Falten sind typisch französisch, und die Architektur lässt einen zu würdigenden Versuch der perspektivischen Darstellung erkennen. Vor allem wird man sich aber in den Marginalien verlieren, die die Primärminiatur mit den farbenfrohen, mit Gold akzentuierten Ranken doch überstrahlen. Vier Medaillonminiaturen in je einem Vierpass zeigen an den Ecken Engel mit Schriftrollen und Tiere mit Wappen vor kunstvoll gemusterten Hintergründen.

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Marco Polo - Das Buch der Wunder“

Marco Polo - Das Buch der Wunder; Livre des merveilles
Marco Polo - Das Buch der Wunder – Ms. Français 2810 – Bibliothèque nationale de France (Paris, Frankreich)
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Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Faksimile Verlag – Luzern, 1995
Limitierung
980 Exemplare
Einband
Der Einband ist aus braunem Kalbsleder, geschmückt mit dem königlichen Wappen. Die Stehkanten sind handvergoldet; die Lagen wurden von Hand geheftet.
Kommentar
1 Band (506 Seiten) von Jean Richard, François Avril, Jacques Monfrin, Marie-Thérèse Gousset und Marie-Hélène Tesnière
Sprachen: Französisch, Deutsch
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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