Ottheinrich-Bibel

Ottheinrich-Bibel – Faksimile Verlag – Cgm 8010/1.2 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland)

Ingolstadt, Regensburg und Lauingen (Deutschland) — um 1430 und 1530–1531/32

Ein Meisterwerk der Gotik und der deutschen Renaissance, geschmückt mit prächtigen Goldminiaturen: Die erste illustrierte neutestamentliche Bibel in deutscher Sprache

  1. Die Arbeit an der frühesten erhaltenen illuminierten Handschrift des Neuen Testaments in deutscher Sprache begann um 1430 in Ingolstadt

  2. Sie wurde 100 Jahre später von Mathis Gerung (um 1500–1570) im Stil der deutschen Renaissance vollendet

  3. Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz (1502–1559) beauftragte die Fertigstellung des bedeutenden Meisterwerks

Ottheinrich-Bibel

Ausgabe bei uns verfügbar!
Preiskategorie: €€
(1.000€ - 3.000€)
  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Ottheinrich-Bibel

Die Arbeit am „ersten illustrierte Neue Testament in deutscher Sprache“ begann um 1430 in Ingolstadt. Der reiche Bilderschmuck der Handschrift stammt zum einen von einigen bedeutenden Meistern aus Regensburger Schulen des 15. Jahrhunderts, wurde jedoch erst 100 Jahre später im Stil der deutschen Renaissance vollendet. Das Rätsel um den Auftraggeber konnte erst vor wenigen Jahren mit dem Namen Herzog Ludwig des Bärtigen von Bayern-Ingolstadt gelöst werden. Die heute in München verwahrte Ottheinrich-Bibel hat darüber hinaus eine wechselvolle Besitzgeschichte aufzuweisen. Ihre 146 halb- oder ganzseitigen Miniaturen mit leuchtend goldenen Hintergründen und lebendigen, strahlenden Farben wurden aus den kostbarsten Materialien angefertigt. Der ordentlich in zwei Spalten geschriebene Text wird durch 294 Pinselgold-Initialen und unzähligen kleineren Initialen in roter Tinte geschmückt.

Ottheinrich-Bibel

Die nach ihrem ersten nachweisbaren Besitzer benannte Ottheinrich-Bibel ist die älteste bis heute erhaltene deutschsprachige Ausgabe des Neuen Testaments. Neben den Texten in deutscher Sprache besticht die Prachthandschrift vor allem mit ihrem reichen Bilderschmuck. Dieser stammt zum einen von einigen bedeutenden Meistern aus Regensburger Schulen des 15. Jahrhunderts, aber wurde erst 100 Jahre von Mathis Gerung im Stil der deutschen Renaissance vollendet. Die wechselvolle Besitzgeschichte der Bibelhandschrift verdeutlicht zudem ihre einmalige Stellung in der Kunstgeschichte.

Das „erste illustrierte Neue Testament in deutscher Sprache“

Anders als die bis dahin üblichen Bibeln in lateinischer Sprache, die nur von Geistlichen und Gelehrten gelesen werden konnten, ist die Ottheinrich-Bibel in Neuhochdeutsch geschrieben und somit auch für Laien lesbar und verständlich. Der bemerkenswerte Text wurde zunächst in Ingolstadt niedergeschrieben, woraufhin die Handschrift zum Zwecke ihrer Illumination nach Regensburg geschickt wurde.
Ihre 146 halb- oder ganzseitigen Miniaturseiten glänzen zum einen durch die Verwendung kostbarster Materialien wie dem reichlich verwendeten Goldhintergrund, zum anderen durch die sofort ins Auge springende Leuchtkraft der Farben, deren Grundlage meist ebenfalls teure Mineralien und andere Stoffe wie Azur oder Purpur bildeten. Neben den kunstvoll wie Tafelgemälde angelegten Hauptbildern, die den Bibeltext illustrieren, faszinieren auch die zu Beginn des Buches häufiger gebrauchten, dann weniger werdenden schwungvollen und gekonnt drapierten Blattranken und die stark farbig oder ebenfalls mit Blattgold gestalteten Initialen.
Als Künstler der älteren Buchmalereien (um 1430) können drei verschiedene Meister unterschieden werden, die wohl in Regensburg an dem Auftragswerk arbeiteten. Sie stammten zum einen aus der sogenannten „Salzburger Werkstatt der Grillinger-Bibel“ und aus dem Umkreis des bedeutenden „Meisters der Worcester-Kreuztragung“. Die Arbeit dieser Künstler beschränkt sich auf die Seiten bis zum Markusevangelium. Für die Ausstattung des weitaus größeren Teils der Handschrift war ca. 1530–32 der Lauinger Maler Mathis Gerung verantwortlich. Dieser orientierte sich bei seiner Arbeit an den Werken der Größten seiner Zeit. So sind seine Miniaturen zur Apokalypse beispielsweise direkt auf Albrecht Dürers Holzschnittfolge zu zurückzuführen.

Das Rätsel um den Auftraggeber

Als ursprünglicher Auftraggeber der Ottheinrich-Bibel konnte erst vor einigen Jahren Herzog Ludwig der Bärtige von Bayern-Ingolstadt entdeckt werden, der vor seiner Regentschaft lange Zeit am französischen Hof bei seiner Schwester Elisabeth, der französischen Königin Isabeau de Bavière, verbracht hatte. In einer Rankenbordüre des Buches ist eine französische Devise eingearbeitet, die schließlich als sein Wahlspruch identifiziert wurde. Die Handschrift wurde rätselhafterweise nicht mehr zu Ludwigs Lebzeiten fertig ausgeschmückt, jedoch trotzdem schon zu einem dicken Band gebunden.

Eine wechselvolle Besitzgeschichte

Ludwigs Erbe gelangte mitsamt der Bibel über Erbschaften an die Landshuter Linie der Wittelsbacher und somit in den Besitz Pfalzgraf Ottheinrichs, des späteren Namensgebers, nach Neuburg an der Donau und schließlich nach Heidelberg. Dieser war es auch, der die Fertigstellung der Handschrift bei Mathis Gerung in Auftrag gab.
In den Wirren des 30-jährigen Krieges wurde sie 1622 durch den späteren Kurfürsten Maximilian I. von Bayern als Kriegsbeute nach München verbracht und gelangte von dort wiederum als solche 1632 beim Angriff der Schweden nach Weimar und schließlich nach Gotha. In Gotha blieb die Ottheinrich-Bibel für die nächsten drei Jahrhunderte und war dort unter dem Namen „Gothaer Bibel“ ein Highlight der Sammlung. Im 19. Jahrhundert wurde die Bibel in acht Teile getrennt und gelangte im 20. Jahrhundert zur Hälfte nach Heidelberg und zur Hälfte nach München in die Bayerische Staatsbibliothek. Der leere Einband verblieb in Gotha.
Erst im Jahr 2007 wurden die einzelnen Teile der Ottheinrich-Bibel mitsamt dem Einband durch spektakuläre Ankäufe und großzügige Schenkungen wieder vereint und befinden sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Ottheinrich's Bible
Gothaer Bibel
Umfang / Format
8 Bände: 614 Seiten / 53,2 × 37,2 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
um 1430 und 1530–1531/32
Stil
Sprache
Schrift
Gotische Textualis
Buchschmuck
146 Miniaturen auf Blattgoldgrund, 294 Pinselgold-Initialen
Inhalt
Deutsche Übersetzung des Neuen Testament
Auftraggeber
Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt (1368–1447)
Ottheinrich, Pfalzgraf von Pfalz-Neuburg und Kurfürst der Pfalzgrafschaft bei Rhein (1502–1559)
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Ottheinrich, Pfalzgraf von Pfalz-Neuburg und Kurfürst der Pfalzgrafschaft bei Rhein (1502–1559)
Herzog Wilhelm IV. Sachsen-Weimar (1598–1662)
Herzog Ernst I. Sachsen-Gotha-Altenburg (1601–1675)
Herzogliche Bibliothek in Gotha

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Ottheinrich-Bibel – Faksimile Verlag – Cgm 8010/1.2 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland)
Faksimile Verlag – Luzern, 2002
Limitierung: 980 Exemplare
Detailbild

Ottheinrich-Bibel

Speisung der Fünftausend

Als das Passahfest näherrückte, kam Jesus mit seinen Jüngern an den See Genezareth, wo sie mit einem logistischen Problem konfrontiert waren: Wie sollten sie seine fünftausend dort versammelten Anhänger ernähren? Diese goldene Miniatur zeigt die Aufregung der Menge: „Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie sie an die Leute austeilten. Auch die zwei Fische ließ er unter allen verteilen. Und alle aßen und wurden satt." (Mk 6,41-42)

Ottheinrich-Bibel – Faksimile Verlag – Cgm 8010/1.2 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland)
Einzelseite

Ottheinrich-Bibel

Die Anbetung der Könige

Dies ist nur ein Vorgeschmack auf die unglaublich reiche Illumination dieses kostbaren und begehrten Manuskripts. Ein rosafarbener Rahmen mit Edelsteinen in Goldbeschlägen umgibt diese gern dargestellte Szene. Der Hintergrund besteht aus poliertem Gold, in das nicht nur ein Rankenmuster eingraviert wurde, sondern das auch mit blauen und roten Blättern verziert ist.

Maria und Josef tragen teure, mitrenartige Kronen und luxuriöse Gewänder. Sie und die übrigen Figuren sind im Stil des Adels des 15. Jahrhunderts gekleidet. Merkwürdigerweise hat zwar Maria einen Heiligenschein, aber weder Josef noch das Jesuskind. In einen roten Umhang gekleidet, der wunderschön mit Gold gemustert ist, kniet einer der Könige vor der Heiligen Familie anbetend nieder und überreicht ihnen ein Geschenk, während der Rest seines Gefolges zuschaut.

Ottheinrich-Bibel – Faksimile Verlag – Cgm 8010/1.2 – Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland)
Faksimile-Editionen

#1 Ottheinrich-Bibel

Faksimile Verlag – Luzern, 2002

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Faksimile Verlag – Luzern, 2002
Limitierung: 980 Exemplare
Einband: Um dem Prunkstück aus Ottheinrichs Sammlung wieder die kurfürstliche Aura zu verleihen, wurde die Ottheinrich-Bibel in einen Einband gebunden, der dem wohl aufwendigsten Prachteinband, der je für Ottheinrich geschaffen wurde, nachempfunden ist. Wie jener Einband von 1558 (Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 833) präsentiert sich der Einband der Faksimile-Edition mit reicher Gold- und Blindprägung, acht Zierbeschlägen und vier Schließen. Auf der Vorderseite ist ein Porträt von Ottheinrich in Goldprägung abgebildet; die Rückseite ziert Ottheinrichs kurfürstliches Wappen. Alle Prägestempel sind in aufwendiger Handarbeit präzise nachgearbeitet.
Kommentar: 1 Band (245 Seiten) von Robert Suckale, Jeffrey Hamburger, Brigitte Gullath und Karin Schneider
Sprache: Deutsch

Der Kommentarband umfasst eine kunsthistorische Analyse der Handschrift, eine Erläuterung ihres historischen Entstehungskontextes und eine Darlegung der linguistischen Datierung des frühmittelhochdeutschen Textes.
Faksimile: 1 Band 156 Seiten werden reproduziert. Der Umfang, das Format, die Farbigkeit oder der Einband entsprechen möglicherweise nicht (vollumfänglich) dem Original. Nur 156 Seiten sind faksimiliert.
Ausgabe bei uns verfügbar!
Preiskategorie: €€
(1.000€ - 3.000€)
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