Geschrieben auf der Haut eines "Saubären": Eine der wichtigsten Quellen der österreichischen Geschichte im Hochmittelalter

Stifterbuch des Klosters Zwettl - "Bärenhaut"

Kloster von Zwettl (Österreich) — 1327/1328

Stifterbuch des Klosters Zwettl - "Bärenhaut"

Stifterbuch des Klosters Zwettl - "Bärenhaut"

Kloster von Zwettl (Österreich) — 1327/1328

  1. Benannt nach seiner Bindung aus der Haut eines Ebers, österreichisch "Saubär"

  2. Eine reichhaltige Quelle der Abtei Zwettl sowie der österreichischen Geschichte im Allgemeinen

  3. Gut gegliedert und aufwendig gestaltet und ein sehr seltenes Beispiel für eine praktisches Luxus-Handschrift

Stifterbuch des Klosters Zwettl - "Bärenhaut"

Hs. 2/1 Stift Zwettl (Zwettl, Österreich)
Alternativ-Titel:
  • Book of Zwettl "Bear Skin"
  • Liber Fundatorum
Stifterbuch des Klosters Zwettl - "Bärenhaut" – Hs. 2/1 – Stift Zwettl (Zwettl, Österreich)
Stifterbuch des Klosters Zwettl - "Bärenhaut" – Hs. 2/1 – Stift Zwettl (Zwettl, Österreich)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie
Kurzbeschreibung

Ein Eber heißt auf Österreichisch „Saubär“ und gab seine Haut für den Einband dieses ungewöhnlichen Codexes ab, der heute noch als „die Bärenhaut“ bekannt ist. Sein Inhalt sind gänzlich verschiedene Quellen zur Geschichte des Stiftes Zwettl im Waldviertel, das 1138 vom Geschlecht der Kuenringer gestiftet wurde und das drittälteste heute noch bestehende Zisterzienserkloster weltweit ist. Enthalten sind nicht nur die älteste Abbildung des Wappens der Kuenringer (ein roter Ring als Anspielung auf den Namen), sondern auch diverse lateinische und mittelhochdeutsche Texte unterschiedlicher Provenienz. Für die Geschichte Niederösterreichs stellt die Bärenhaut zum 13. und 14. Jahrhundert die wichtigste Quelle dar. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist, dass eine Sammlung für den täglichen Gebrauch sehr deutlich als Luxus- und Prachthandschrift ausgestaltet worden ist. Ein besonderer Schatz, der heute noch im Klosterarchiv im Original gehütet wird!

Stifterbuch des Klosters Zwettl - "Bärenhaut"

Das Buch von Zwettl, wegen seines Einbandes auch "Bärenhaut" genannt, zählt sowohl in historischer als auch in kunsthistorischer Hinsicht zu den österreichischen Primärquellen des frühen 14. Jahrhunderts. Das zusammengetragene enorm reiche Quellenmaterial informiert nicht nur über die Geschichte des Stiftes selbst, sondern darüber hinaus über die Geschichte der Souveränität und des Besitzes der österreichischen Länder. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Kuenring-Dynastie, die das Stift Zwettl gegründet und eine bewegte Epoche der niederösterreichischen Landesgeschichte geprägt hat. Die große Bedeutung dieser Handschrift liegt in dem Bemühen seines Verfassers, die Fülle des Quellenmaterials nach einem durchdachten System zu ordnen. Vom Aussehen her handelt es sich bei dem Buch um eine Luxushandschrift und damit um ein sehr seltenes Beispiel einer für den praktischen Gebrauch bestimmten Sammlung, die noch aufwendig ausgestattet war. Der Wert als repräsentativer Staatscodex wird durch zahlreiche Federzeichnungen und Deckfarbenmalereien von hervorragender Qualität unterstrichen und von einer faszinierenden ganzseitigen Miniatur in leuchtenden Farben gekrönt, die den Stammbaum der Kuenringer in Medaillons auf Goldgrund darstellt. Die vielfältigen Initialen und Bildmedaillons machen diese Handschrift zu einem wertvollen Kunstwerk.

Die dekorative Ausstattung

Die Federzeichnungen und Deckfarbenmalereien gehen wahrscheinlich auf einen anonymen Künstler aus einer säkularen Werkstatt zurück, die sich in der Umgebung von Wien befunden haben muss. Die Initialen und figürlichen Darstellungen verschmelzen in perfekter Harmonie mit dem Text und sind offensichtlich zur selben Zeit entstanden. Obwohl der Text in Latein geschrieben ist, enthält er auch mittelhochdeutsche Abschnitte und ist das Werk mehrerer Hände. Er ist mit zahlreichen, oft rot umrandeten Zierbuchstaben sowie mit roten Kapiteltiteln und Rubriken versehen, die dem Leser ein schnelles Auffinden des gesuchten Abschnitts ermöglichen. Die Rubrizierung des Codex oblag offensichtlich den Zisterziensern, die über ein sehr profundes Wissen auf diesem Gebiet verfügten. Der Begriff "Bärenhaut" wurde schon früh für das Buch von Zwettl wegen seiner Bindung verwendet, die entgegen der allgemeinen Annahme **nicht aus der Haut eines Bären, sondern aus der eines männlichen Schweins hergestellt wurde – in Österreich umgangssprachlich als "Bärensau" bekannt **.

Ein wichtiges historisches Denkmal

Wir kennen nur sehr wenige Manuskripte aus dem frühen 14. Jahrhundert, die in Material, Inhalt und Ausstattung an das Buch von Zwettl heranreichen würden. Mit der Schrift und Ausstattung eines Luxusbuches ist dieses Werk ein spätes Beispiel für die um 1200 übliche Verbindung von historischer Erzählung und dokumentarischem Quellenmaterial. Der Prozess der Ordnung der reichen Bestände des Stiftes einschließlich der Dokumente und des sonstigen Quellenmaterials begann um 1315 und führte in Verbindung mit unschätzbaren mündlichen Quellen und Überlieferungen zur Entstehung dieser wahrhaft prachtvollen Handschrift. Das Ergebnis war ein umfassendes historisches Werk, das nicht nur die interessanteste Geschichte des Stiftes Zwettl, sondern auch die Geschichte der Gründerfamilie, der Kuenringer, beschreibt und damit ein bemerkenswertes Zeitdokument der niederösterreichischen Landesgeschichte darstellt. Der Aufbau einer Systematik wurde zuerst von Abt Ebro initiiert. Seine Nachfolger Otto I. und Gregor nutzten diese Vorarbeiten für ihre Zwecke und Gregor gilt als der ursprüngliche Autor dieses großformatigen Codex. Die Handschrift enthält Kopien antiker Aufzeichnungen von sowohl historischer als auch genealogischer Bedeutung, das Pachtbuch und zwei alphabetische Indices zur einfachen Benutzung. Sowohl der Inhalt als auch der dekorative Apparat des Codex deuten darauf hin, dass die Zisterzienser nicht nur die Entwicklung ihrer Territorien und die Zehntenfrage dokumentieren wollten, sondern der Abtei auch einen wichtigen Platz in der Geschichte zuschreiben wollten. Der Codex war nicht zuletzt als Beleg für ein politisches, wirtschaftliches und kulturelles Erbe gedacht. Dieser beabsichtigte repräsentative Zweck wird in der reichen Ausschmückung des Werkes deutlich sichtbar. Damit wurde den Zisterziensern ein wertvolles Buch zur Verfügung gestellt, das für jedes wichtige Bildungszentrum unentbehrlich war.

Kodikologie
Alternativ-Titel
Book of Zwettl "Bear Skin"
Liber Fundatorum
Art
Handschrift auf Pergament
Umfang / Format
394 Seiten / 48,5 × 33,5 cm
Herkunft
Kloster von Zwettl (Österreich)
Datum
1327/1328
Epoche
Spätes Mittelalter und jünger
Stil
Gotisch
Genre
Chroniken / Geschichte / Recht
Sprache
Latein
Deutsch
Buchschmuck
1 ganzseitige Miniatur, zahlreiche Initialen, Medaillons und Federzeichnungen
Inhalt
Geschichte des Geschlechts der Kuenringer und des Klosters Zwettl, das sie jahrhundertelang patronisierten
2 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Stifterbuch des Klosters Zwettl - "Bärenhaut"“

Stifterbuch des Klosters Zwettl ("Bärenhaut") (Normalausgabe) Faksimile

Stifterbuch des Klosters Zwettl - "Bärenhaut" – Hs. 2/1 – Stift Zwettl (Zwettl, Österreich)
Stifterbuch des Klosters Zwettl - "Bärenhaut" – Hs. 2/1 – Stift Zwettl (Zwettl, Österreich)
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Stifterbuch des Klosters Zwettl ("Bärenhaut") (Normalausgabe) Faksimile

Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1981
Limitierung
450 Exemplare
Einband
Schweinsleder
Kommentar
1 Band (144 Seiten) von Joachim Rössl
Sprache: Deutsch

J. Rössl, Wien, 144 Seiten mit 14 Abbildungen.

Der Kommentar, der von Joachim Rössl verfasst wurde, gibt eine kodikologische und inhaltliche Beschreibung der Handschrift. Weiters enthält er ein chronologisches Verzeichnis der im Zwettler Stifterbuch enthaltenen Urkundenabschriften sowie Bemerkungen zu den Schreibern und zur Ausstattung der Handschrift.
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband. Alle Blätter sind dem Original entsprechend randbeschnitten. 450 nummerierte Exemplare (Normalausgabe); 50 nummerierte Exemplare (Sonderausgabe)
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Stifterbuch des Klosters Zwettl ("Bärenhaut") (Vorzugsausgabe) Faksimile

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Verlag
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1981
Limitierung
50 Exemplare
Einband
Schweinsleder mit den originalgetreuen Repliquen der Messingbeschläge der Handschrift (Sonderausgabe)
Kommentar
1 Band (144 Seiten) von J. Rössl
Sprache: Deutsch
J. Rössl, Wien, 144 Seiten mit 14 Abbildungen.

Der Kommentar, der von Joachim Rössl verfasst wurde, gibt eine kodikologische und inhaltliche Beschreibung der Handschrift. Weiters enthält er ein chronologisches Verzeichnis der im Zwettler Stifterbuch enthaltenen Urkundenabschriften sowie Bemerkungen zu den Schreibern und zur Ausstattung der Handschrift.
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