Wie ein Papagei eine junge Dame vom Ehebruch abhält: Moralisierende Texte und gewagte Miniaturen aus der Mogul-Zeit

Tuti-Nama

Indien — 1560-1568

Tuti-Nama

Tuti-Nama

Indien — 1560-1568

  1. Ein weiser Papagei lenkt die junge Frau eines Kaufmanns vom Ehebruch mit unterhaltsamen Geschichten ab

  2. Die Inhalte boten die Möglichkeit, trotz des moralisierenden Textes gewagte Abbildungen zu zeigen

  3. Solche weltlichen Werke waren am Hof des kosmopolitischen Mogul-Reiches in Indien äußerst beliebt

Tuti-Nama

Alternativ-Titel:
  • Erzählungen des Papageien
  • Tutinama
  • Tales of a Parrot
Tuti-Nama – Museum of Art (Cleveland, USA)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Ein reicher Kaufmann, der auf Geschäftsreise geht, und seine schöne junge Frau, die auf ihn zu Hause warten muss – verständlich, dass sich der Kaufmann da Sorgen macht. Damit die Frau in seiner Abwesenheit eine gute Beschäftigung hat, schenkt er ihr einen Star und einen Papagei. Dem Star dreht die junge Frau schnell den Hals um, als dieser ihr pflichtbewusst von einem außerehelichen Abenteuer abraten will. Der Papagei erkennt den Ernst der Lage und erzählt ihr lieber in den folgenden 52 Nächten jeweils eine Geschichte. Die Frau ist so gefesselt, dass sie das Treffen mit ihrem Liebhaber immer um eine weitere Nacht verschiebt – bis der Kaufmann schließlich zurückkehrt. Auf Grund ihrer Sprechfähigkeit treten Papageien in Persien und Indien häufig als Erzähler in Geschichten auf. Das Tuti Nama erfreute sich besonderer Beliebtheit, da die Texte in den 218 Miniaturen Gelegenheit auch zu gewagten Darstellungen boten.

Diese im Mogulstil verfertigte Ausgabe eines persischen Werks, des „Papageienbuchs“, beschreibt mit äußerst lebendigen Miniaturen die Bemühungen eines weisen Papageien, der durch seine unterhaltsamen Geschichten die junge Gemahlin eines sich dauernd auf Reisen befindlichen Kaufmannes vom Ehebruch abhält.

Das Tuti Nama erfreute sich im Mogulreich größter Beliebtheit, zumal der Gegenstand Anlaß zu pikanten Illustrationen bot. Die Gefahren eines solchen Handelns werden anschaulich dargestellt – einmal klar und deutlich, einmal wieder in verschlüsselter Form eines höchst interessanten Gleichnisses.

218 Miniaturen aus einer faszinierenden fernen Welt
Die ausgesprochen farbenfrohen Miniaturen zeigen höchst anschaulich die Beliebtheit der durchaus weltlichen Unterhaltungsliteratur am Hof des kosmopolitischen Imperiums des Mogulreiches Indiens.
Erstaunlich wie das Werk selbst ist auch seine spannende Geschichte: erst im Jahr 1963 tauchten die Blätter aus dem Dunkel der Geschichte auf, als sie dem Cleveland Museum of Art angeboten wurden.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Erzählungen des Papageien
Tutinama
Tales of a Parrot
Umfang / Format
684 Seiten / 20,4 x 14,0 cm
Herkunft
Indien
Datum
1560-1568
Buchschmuck
218 Miniaturen
Künstler / Schule
Tuti-Nama

Tuti-Nama

Die vierunddreißigste Nacht

Drei junge Männer präsentieren sich einem Kaufmann aus Kabul und kämpfen als Freier um die Hand seiner Tochter Zuhra, die auf dem Dach darüber sitzt. Jeder Freier trägt eine gefiederte Mütze, der Mann links in Lila hat einen Vollbart, der Mann in Weiß hat einen Schnurrbart und schaut über seine Schulter und der glatt rasierte Mann rechts hält Pfeil und Bogen in der Hand.

Die Liebe zum Detail in der Miniatur ist bemerkenswert: So ist z. B. jede Figur mit einem anderen Hautton dargestellt, um die verschiedenen Völker des Mogulreichs wiederzugeben. Aufwändige geometrische und florale Muster bedecken nahezu jede Oberfläche. Die Figuren sitzen in einem ummauerten Garten, tragen individuelle Gesichter und machen ausdrucksstarke Gesten. Eine unglaubliche Farbpalette und Blattgold bereichern die Gesamtdarstellung.

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Tuti-Nama“

Tuti-Nama
Tuti-Nama – Museum of Art (Cleveland, USA)
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Tuti-Nama

Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1976
Einband
Leder, entsprechend orientalischen Vorbildern.
Kommentar
1 Band (224 Seiten) von P. Chundra und S. E. Lee
Sprachen: Englisch, Deutsch

P. Chandra, Chicago, 224 Seiten Text und 121 Tafeln. Vorwort von S. E. Lee, Cleveland. 8°, Leineneinband mit farbigem Schutzumschlag.
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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