Eines der einflussreichsten Werke der Kunstgeschichte und heute UNESCO-Weltkulturerbe: Zarte Federzeichnungen vom anonym gebliebenen „Da Vinci" des 9. Jahrhunderts

Utrecht-Psalter

Benediktinerabtei von Hautvillers nähe Rheims (Frankreich) — Zwischen 820 und 840

Utrecht-Psalter

Utrecht-Psalter

Benediktinerabtei von Hautvillers nähe Rheims (Frankreich) — Zwischen 820 und 840

  1. Dieses Meisterwerk aus dem 9. Jahrhundert ist eines der einflussreichsten Werke der gesamten Kunstgeschichte

  2. Der Text der Psalmen wird fortlaufend mit großartigen Federzeichnungen illustriert

  3. Kunsthistoriker stellen den anonymen Meister mit Da Vinci, Rembrandt und Van Gogh gleich

Der Utrecht-Psalter (Normalausgabe)

Utrecht-Psalter

Psalm 81

Der Psalm ist als ein Aufruf zur Anbetung Gottes zu deuten, der sich insbesondere auf das Volk Israel bezieht, die den Weg zum „wahren Glauben“ finden sollen: „Wenn doch mein Volk auf mich hören wollte! Wenn doch Israel nach meinen Geboten lebte! Dann würde ich seine Feinde sofort in die Knie zwingen und alle niederwerfen, die Israel unterdrücken.“ (Ps. 81, 14-15) Diesem Wunsch entsprechend zeigt die untere Miniatur die Anbetung Gottes im Tempel, während Soldaten auf dem Hügel daneben feierlich in ihre Hörner blasen.

Utrecht-Psalter

Alternativ-Titel:
  • Utrecht Psalter
Utrecht-Psalter – Hs. 32 – Bibliotheek der Rijksuniversiteit (Utrecht, Niederlande)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Kunsthistoriker vergleichen den anonym gebliebenen Meister dieses außergewöhnlichen Psalters mit Da Vinci, Rembrandt und Van Gogh: Der Utrecht-Psalter wurde zwischen 820 und 840 in einer Benediktinerabtei in der Nähe von Reims geschaffen, ist also ein Meisterwerk der karolingischen Buchmalerei und gilt als das früheste erhaltene Exemplar eines illustrierten Psalters in der abendländischen Buchgeschichte. Doch mindestens ebenso beeindruckend sind die 166 dramatisch-aufgeregten Federzeichnungen selbst, die die 150 Psalmen fortlaufend illustrieren. Die wiedergegebenen Figuren sind zugleich sehr expressiv und nicht minder sensibel. Mit ihrer Lebendigkeit haben sie der europäischen Kunst insgesamt vor der Jahrtausendwende einen noch lange nachwirkenden Impuls gegeben. Der Utrecht-Psalter lässt sich deshalb als eines der einflussreichsten Werke der gesamten Kunstgeschichte betrachten.

Seit dem 6. Jh. gewann der Psalter als Grundlage des mönchischen Chorgebetes immer größere Bedeutung. Eine der schönsten Handschriften dieser Zeit und wohl der ungewöhnlichste Psalter des Mittelalters ist der Utrecht-Psalter. Er wurde im Auftrag des Reimser Erzbischofs Ebbo, eines Ziehbruders von Kaiser Ludwig dem Frommen, zwischen 820 und 840 in der Benediktinerabtei Hautvillers bei Reims geschrieben und gemalt. Dieses prachtvolle Werk der karolingischen Buchmalerei ist das früheste überlieferte Beispiel für einen illustrierten Psalter in der abendländischen Buchgeschichte.

166 dramatisch-aufregende Miniaturen
Die 150 Psalmen sind jeweils über die ganze Breite der Seite mit großartigen Federzeichnungen illustriert, auf denen sich meist eine Fülle kleiner, hurtig mit wenigen Strichen hingeworfener Gestalten tummelt. Diese dramatisch bewegten Figuren, oft in eine flüchtig angedeutete Landschaft eingebettet, zeigen ein faszinierendes Erzittern und Vibrieren. In Einklang mit der Schönheit des Textes sind sie mit einer bis dahin völlig unbekannten Perfektion ausgeführt. Die schöpferische Kraft des Zeichners hat die bedeutendsten Kunsthistoriker schon mehrfach dazu veranlasst, den Meister dieser Bilder gleichwertig neben die größten Künstler des Abendlandes wie Leonardo da Vinci, Rembrandt oder Vincent van Gogh zu stellen.
Außer der ungewöhnlichen Ausdruckskraft der Zeichnungen fallen vor allem die konsequente Bezugnahme des Künstlers auf den Text und der große Symbolreichtum der Illustrationen auf.

Vorbild für Jahrhunderte
Der Utrecht-Psalter hat lange Zeit die Entwicklung der europäischen Kunst beeinflußt – nicht nur in der Buchmalerei, sondern in allen Bereichen des karolingischen Kunstschaffens. Es war vor allem der expressive und zugleich ungemein sensible Charakter der Zeichnungen, der vor der Jahrtausendwende die europäische Kunst um frische und geistreiche Elemente bereichert hat.
Um 1000 kam die Handschrift nach England. Nach der Auflösung der englischen Klöster geriet der Codex in private Hände. Im 16. Jh. befand sich der Psalter dann im Besitz von Sir Robert Cotton, der das Buch in den heute noch existierenden und in der Faksimile-Ausgabe wiedergegebenen roten Ganzleder-Einband binden ließ.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Utrecht Psalter
Umfang / Format
222 Seiten / 33,0 x 25,6 cm
Datum
Zwischen 820 und 840
Sprache
Buchschmuck
166 phantastische Miniaturen aus der karolingischen Hofschule
Auftraggeber
Ebbo, Erzbischof von Rheims
Vorbesitzer
Der Utrecht-Psalter (Normalausgabe)

Utrecht-Psalter

Psalm 2

Diese meisterhafte Grisaille-Miniatur illustriert direkt den Text, in den sie eingebettet ist. Die einzige Farbe ist in den Initialen im insularen Stil mit Blattgold, Rot und Grün zu finden sowie in den kleinen roten Initialen im Text. Dies ist ein prophetischer Vers, der zeigt, wie Christus auf dem Berg Zion steht. Erkennbar wird das an der Hand, die von rechts in die Szene hineinragt, und ein Segenszeichen macht: „Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt.“ (Ps 2,7)

Das Heer, das sich um den Berg Zion versammelt hat, besteht aus Nichtjuden, die wütende und eitle Dinge erfinden, mit denen sie Gottes Wut hervorrufen. Dieser ist links recht klein und mit ausgestrecktem Arm dargestellt. Christus scheint einen Topf zu zerschmettern, was sich auf Ps 2, 9 bezieht: „Du wirst sie zerschlagen mit eiserner Keule, wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern."

2 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Utrecht-Psalter“

Der Utrecht-Psalter (Normalausgabe)
Utrecht-Psalter – Hs. 32 – Bibliotheek der Rijksuniversiteit (Utrecht, Niederlande)
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Der Utrecht-Psalter (Normalausgabe)

Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1982
Limitierung
980 Exemplare
Einband
Leder (Kopie des Originaleinbandes aus der Zeit um 1600 für Sir Robert Cotton). Alle Blätter sind originalgetreu randbeschnitten.
Kommentar
1 Band (116 Seiten) von K. van der Horst und J. Rathofer
Sprache: Deutsch

Der Kommentarband mit 116 Seiten führt Sie in die Welt der karolingischen Renaissance ein und erläutert ausführlich den prachtvollen Buchschmuck.

K. van der Horst, Utrecht, in einer Bearbeitung von J. Rathofer, Köln, 116 Seiten, 33 Schwarz-Weiß-Abbildungen.
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband. Die Blätter sind originalgetreu randbeschnitten.
Der Utrecht-Psalter (Studienausgabe)
Bildvon

Der Utrecht-Psalter (Studienausgabe)

Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1982
Limitierung
980 Exemplare
Einband
Im Gegensatz zur Normalausgabe, die in eichtem Leder nach dem Originaleinband gebunden ist, wurde die Studienausgabe in Kunstleder gebunden (entspricht nicht dem Originaleinband)
Kommentar
1 Band (116 Seiten) von K. van der Horst und J. Rathofer
Sprache: Deutsch
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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