Vom Einfluß der Gestirne

Vom Einfluß der Gestirne Faksimile

Nürnberg (Deutschland) — Um 1472

Der Einfluss der Sterne auf das Wohl und Wehe eines jeden Einzelnen: Gesundheitstipps und astrologische Ratschläge für den Laien im prächtig illuminierten Nürnberger Hausbuch der Familie Schürstab

  1. In Auftrag gegeben von Familie Schürstab, erklärt das Werk die Planeten und Sterne und ihren Einfluss auf Leben und Gesundheit der Menschen

  2. Nennt die beste Zeit für den Aderlass, die Einnahme von Abführmittel oder den Neubeginn einer größeren Aufgabe

  3. Eine umfassende Darstellung des mittelalterlichen Weltbildes anhand der damaligen Astrologie

Vom Einfluß der Gestirne

  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Vom Einfluß der Gestirne

Vom Einfluss der Gestirne, auch als Codex Schürstab bekannt, ist ein mittelalterliches Astrologie-Handbuch, das die Lehre der Planeten und Sterne in Verbindung mit ihrem Einfluss auf das Leben und auf die Gesundheit der Menschen erläutert. Der Text richtet sich dabei in altdeutscher Sprache an weniger gebildete Laien, wobei die aufwendige und kostbare Ausstattung der Handschrift den wohlhabenden Auftraggebern mehr als gerecht wird: Das Ehepaar Erasmus und Dorothea Schürstab gehörte einer einflussreichen Patrizierfamilie Nürnbergs an. Das spiegelt sich in den 54 raffinierten und äußerst qualitätvollen Miniaturen wider, die mit großem Abwechslungsreichtum nicht nur Planetenbewegungen und Tierkreiszeichen lebendig darstellen, sondern auch die praktischen Ratschläge zur Heilung von Krankheiten ausdrucksstark illustrieren. Dabei verwendete der talentierte, aber unbekannte Meister edelste Malstoffe und feinstes Blattgold.

Vom Einfluß der Gestirne

Das Handbuch der Medizin im Mittelalter, dessen bekannteste Buchausgabe der Codex „Schürstab“ ist, entstand im 15. Jahrhundert in Nürnberg und gibt Aufschluss über die verschiedensten Gesundheitsregeln, die hier in altdeutscher Laiensprache festgehalten sind. Die im Mittelalter alles beherrschende Lehre der vier Elemente und ganz besonders der Einfluss der Planetenbewegungen auf Erde und Menschen, die an Universitäten unterrichtet wurde, wurde auf den 124 Seiten dieses Werkes auch dem weniger gebildeten Volk zugänglich gemacht und ist geschmückt mit insgesamt 54 eindrucksvollen Miniaturen.

Der medizinische Ratgeber des Mittelalters

„Vom Einfluss der Gestirne“ fasst die astrologischen Erscheinungen zusammen, denen man im Mittelalter eine wichtige Bedeutung beimaß. Die Planeten beeinflussten nicht nur das Wetter und die Jahreszeiten, sondern hatten auch direkten Einfluss auf die Lebenserwartung eines Menschen, auf Krankheitsverläufe und die Behandlung solcher Krankheiten. Es wurden bestimmte Zeiten vorgeschlagen, in denen man am besten den Aderlass durchführen sollte, Abführgetränke zu sich nehmen sollte oder eben dies besser lassen sollte. Das Werk bringt dem heutigen Leser eine umfassende Darstellung des mittelalterlichen Weltbildes näher.

Mittelalterliche Astronomie und Gesundheitslehre

Das Werk wird eröffnet von Tafeln, die der Berechnung von Mondphasen und Festtagen dienen. Darauf folgen ein Kalender mit Monatsregeln und zwölf Kapiteln, die sich in ausführlicher Weise und mit reizvollen Miniaturen der Erklärung der Tierkreiszeichen widmen. Dem schließt sich eine siebenteilige Textgruppe an, die sich durch sphärische Darstellungen von Sternen und Planeten auszeichnet und eine umfangreiche Planetenlehre beinhaltet. Im nächsten Teil des Buches wird die bereits seit der Antike praktizierte Temperamentenlehre beschrieben. In anschaulichen, ausdrucksstarken Miniaturen werden die Eigenschaften und typischen Verhaltensweisen thematisiert, die von den vier verschiedenen Körpersäften gelenkt werden (Choleriker, Phlegmatiker, Sanguiniker und Melancholiker). Der letzte Themenkomplex des Werkes beschäftigt sich mit medizinischen Aspekten wie dem Aderlass, der Blutschau, dem Baden und dem Schröpfen. Abschließend finden sich einige Rezepte, die der Gesundheit dienlich waren.

Scharfsinnige Illustrationen

Ein unbekannter Künstler ist für die 54 Miniaturen von überragender Qualität verantwortlich. In höchster technischer Raffinesse und unter Verwendung der edelsten Malstoffe illustrierte er die Seiten des Werkes. Er orientiert sich dabei an traditionellen Bildmotiven der mittelalterlichen Buchmalerei, aber fügt jeder einzelnen Zeichnung seine persönliche Note hinzu. Dies gelingt ihm, indem er gotischen Realismus mit dem heiteren Stil des spätmittelalterlichen Bürgertums kombiniert. Durch feinste Farben und schimmerndes Blattgold werden die Malereien zu wertvollen kleinen Kunstwerken.

Kodikologie

Alternativ-Titel
On the Influence of the Stars
Codex Schürstab
Altteutscher astro-medicinischer Rathgeber
Umfang / Format
124 Seiten / 29,5 × 20,7 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
Um 1472
Stil
Sprache
Buchschmuck
54 Miniaturen, geschmückt mit den edelsten Pigmenten schimmerndem Blattgold
Auftraggeber
Erasmus und Dorothea Schürstab
Vorbesitzer
Johann Jakob Zoller

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Vom Einfluß der Gestirne – Ms. C 54 – Zentralbibliothek (Zürich, Schweiz) Faksimile
Faksimile Verlag – Luzern, 1981
Limitierung: 980 Exemplare
Detailbild

Vom Einfluß der Gestirne

Tierkreismann

Der sogenannte Tierkreismann war in mittelalterlichen Kalendern, Stundenbüchern und Abhandlungen über Philosophie, Astrologie und Medizin geläufig. Mittelalterliche Ärzte, die in der alten Medizin bis zurück zu den Babyloniern bewandert waren, glaubten, dass es eine Verbindung zwischen dem Kosmos (Makrokosmos) und dem menschlichen Körper (Mikrokosmos) gibt. Darüber hinaus assoziierten sie bestimmte Körperteile mit Tierkreiszeichen und verordneten medizinische Maßnahmen auf der Grundlage des Kosmos, insbesondere des Mondes; dessen Auswirkung auf die Gezeiten ist offenkundig.

Vom Einfluß der Gestirne
Einzelseite

Codex Schürstab

Portrait der Auftraggeber

Dieses medizinisch-kosmologische Manuskript beginnt mit einer Darstellung der Auftraggeber dieses bemerkenswerten Werkes: des bekannten Nürnberger Ehepaares Erasmus (1426–1473) und Dorothea (1415–1476) Schürstab. Sie werden im Gebet auf einer Wiese vor einem Hintergrund von Ranken und Blumen dargestellt. Beide halten Rosenkränze in den Händen, sind im Stil des spätmittelalterlichen Stadtbürgertums gekleidet und werden von zwölf Wappen flankiert.

Christus erscheint oben auf der Seite zerschunden und zerschlagen und zeigt seine Wunden vor einem glänzend polierten, mit Ranken verzierten goldenen Hintergrund. Er wird von den Flügeln einer gotischen Tür gerahmt und steht auf einem Schachbrettboden. Am linken Arm des Kreuzes hängt ein Palmzweig und am rechten eine Geißel, die die Passion symbolisieren. Unter ihm schweben zwei Engel, die den Speer und den mit Essig getränkten Schwamm der Kreuzigung tragen.

Vom Einfluß der Gestirne
Faksimile-Editionen

#1 Vom Einfluß der Gestirne

Faksimile Verlag – Luzern, 1981

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Faksimile Verlag – Luzern, 1981
Limitierung: 980 Exemplare
Einband: Der Einband besteht aus braunem Leder; das Kapital wurde handumstochen. Die Blätter sind dem Original gemäß randbeschnitten.
Kommentar: 1 Band (197 Seiten) von Christoph Weisser, Gundolf Keil und Huldrych M. Koelbling
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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