Astro-medizinischer Kalender

Astro-medizinischer Kalender – Quaternio Verlag Luzern – Ms. 7.141 – Bibliothèque nationale et universitaire (Strasbourg, Frankreich)

Süd-Elsass (Frankreich) — Ca. 1445

Gesundheitstipps und Ernährungsratschläge aus dem 15. Jahrhundert: Eine farbenfroh illuminierte Kalenderhandschrift mit goldenen Akzenten als nobler Führer durch den Alltag im Mittelalter

  1. Immerwährender Kalender mit Gesundheits- und Ernährungstipps, Wetterprognosen und Monatsregeln

  2. Farbenfroh mit Gold und Deckfarben illuminiert: Fröhliche Figuren, Tierkreiszeichen und Monatstätigkeiten

  3. Um 1460 am Oberrhein, wohl als Teil einer größeren Handschrift konzipiert

Astro-medizinischer Kalender

Ms. 7.141 Bibliothèque nationale et universitaire (Strasbourg, Frankreich)
  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Astro-medizinischer Kalender

Der wunderschön illuminierte und um 1460 entstandene astro-medizinische Kalender stellt einen Jahreskalender, einen medizinischen Führer, einen astrologischen Führer und ein Almanach in einem dar. Er diente dem aristokratischen mittelalterlichen Haushalt als allgemeiner Leitfaden für Leben, Gesundheit, Wetter usw. und ist mit Ratschlägen gefüllt, die auf kosmischen Kräften, den vier Temperamenten und den vier Körpersäften beruhen. Der Text ist sowohl in lateinischer als auch in deutscher Sprache verfasst und verwendet großzügig kostbare rote Tinte. Ursprünglich als Teil eines größeren Werks vorgesehen, beinhalten die erhalten geblieben 24 Seiten farbenfrohe Miniaturen mit Blattgoldverzierung, die die Tierkreissymbole, Monatsarbeiten und andere Darstellungen des Alltags zeigen. Die Figuren haben ein gleichsam süßes und kindliches Aussehen mit rosigen Wangen und freundlichen Gesichtern. Die Forschung vermutet, dass die Handschrift aus dem Oberrhein stammt, höchstwahrscheinlich geschaffen für einen Patrizier in Straßburg, worauf die im Kalender enthaltenen Heiligenfesten hindeuten.

Astro-medizinischer Kalender

Ein wunderbarer Einblick in das alltägliche Leben am Oberrhein des Spätmittelalters: Der Astro-medizinische Kalender geht über übliche mittelalterliche Kalenderhandschriften hinaus und enthält Ratschläge zu Wetter, Gesundheit und Ernährung nach dem Lauf der Sterne. Geschrieben in einem Schweizerdeutschen Dialekt, deutet der künstlerische Stil der Handschrift auf die Region um Freiburg und Colmar etwa um 1460 hin. Die Medaillonminiaturen, Tierkreiszeichen und andere Darstellungen ähneln dem Werk des sogenannten "Meister B", der mit der elsässischen Werkstatt von Diebold Lauber (tätig 1427-71) verbunden war. Die in den Kalendern aufgeführten Heiligenfeste weisen auf einen Adressaten aus der Diözese Straßburg hin. Weitere Informationen entziehen sich allerdings dem derzeitigen Kenntnisstand der Forschung, denn die 24 Seiten (12 Blätter) scheinen ein Fragment einer größeren Handschrift zu sein. Nichtsdestotrotz schuf der Künstler wunderbare Miniaturen der Monatsarbeiten und anderer Aktivitäten mit satten Deckfarben und Goldtinte und der Schreiber führte den prächtigen Text in schwarzer, roter und blauer Tinte aus.

Makrokosmos und Mikrokosmos

Im Mittelalter glaubte man, dass das Geschehen im Kosmos, dem "Makrokosmos ", eine manifeste Auswirkung auf den einzelnen Menschen als "Mikrokosmos " hat. Nach diesem philosophischen Konzept wird das Gleichgewicht der Körpersäfte im Menschen durch die wechselnden Kräfte der Gestirne bewirkt und es besteht letztlich ein Zusammenhang zwischen den vier Körpersäften, den vier Elementen, den vier Hauptwinden und den vier Himmelsrichtungen. Ursprünglich von Pythagoras erdacht und von Plato weiterentwickelt, erfreute sich das Konzept auch im Mittelalter großer Beliebtheit und zog die Aufmerksamkeit großer Geister wie Hildegard von Bingens (1098-1179) und Leonardo da Vincis (1452-1519) an. Während andere mittelalterliche Kalender Sternzeichen und Konstellationen in Bezug auf einen Monat zeigen, ist das Besondere am Astro-medizinischen Kalender die Verarbeitung dieser Informationen zu spezifischen Ratschlägen, die im Text erläutert werden. Zum Beispiel wird für den Mai empfohlen, den Tag mit einem Glas Ziegenmilch mit frischen Kräutern zu beginnen. Diese Handschrift war dazu gedacht, von "gelehrten" Europäern des Mittelalters regelmäßig konsultiert zu werden, um ihren humoralen Haushalt im Gleichgewicht zu halten.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Medical and Astrological Almanac
Astro-medizinischer Ratgeber
Umfang / Format
24 Seiten / 20,6 × 15,5 cm
Herkunft
Frankreich
Datum
Ca. 1445
Stil
Sprache
Buchschmuck
12 goldgerahmte Monatsmedaillons, 12 Tierkreiszeichen und elf Gelehrtenbilder mit 22 goldenen Zierbögen; Reiche Ausstattung mit Gold und leuchtender Deckfarbenmalerei
Inhalt
Kalender mit astronomisch-medizinischen Informationen
Künstler / Schule
Vorbesitzer
David McCandless McKell

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Astro-medizinischer Kalender – Quaternio Verlag Luzern – Ms. 7.141 – Bibliothèque nationale et universitaire (Strasbourg, Frankreich)
Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2020
Limitierung: 680 Exemplare
Detailbild

Astro-medizinischer Kalender

Thronender Astronom

Die wiederkehrende Figur des Astronomen mit Krone, sitzend und einem aufgeschlagenen Buch in der Hand, ist mit geröteten Wangen und grauem Haar dargestellt, während er auf einen Stern zeigt. Wie auch die restlichen Figuren des Manuskripts zeichnet sich der Astronom durch eine ausdrucksstarke Gestik in Verbindung mit einer kindlichen Mimik aus. Der ihn umgebende Text enthält Prognosen für den Monat Juni, in denen vor Aderlass gewarnt wird, heiße Getränke empfohlen werden und Donner ein schlechtes Omen für die Obsternte sein soll.

Ein Astro-medizinischer Kalender
Einzelseite

Astro-medizinischer Kalender

Januar

Wassermann wird durch den schönen phrygischen Jüngling Ganymed symbolisiert, der mit grauer Tunika, Schuhen und Hut sowie blauer Strumpfhose und weißen Handschuhen dargestellt wird, während er seinen urtümlichen Krug mit Wasser ausgießt. Er erscheint unter einem Medaillon mit einem dreigesichtigen König, der an einem Tisch sitzt und Wein trinkt. Diese Figur symbolisiert, dass der Monat Januar eine Zeit ist, in der man sowohl auf das vergangene als auch auf das kommende Jahr schaut.

Die lokalen Heiligen, an die im Kalender erinnert wird, sind mit der Diözese Straßburg verbunden, z. B. der Heilige Erhard, ein episcopus vagans oder "Wanderbischof", dessen Feiertag der 8. Januar ist. Der Schreiber hat mit schwarzer, roter und blaugrüner Tinte gearbeitet und unten auf der Seite ein Alphabet eingefügt.

Ein Astro-medizinischer Kalender
Faksimile-Editionen

#1 Ein Astro-medizinischer Kalender

Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2020

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2020
Limitierung: 680 Exemplare
Einband: Pergamenteinband mit feiner Goldprägung
Kommentar: 1 Band von Christoph Mackert mit einem Beitrag von Lieselotte Saurma-Jeltsch
Sprache: Deutsch

Alle Texte sind transkribiert und ins Neuhochdeutsche übersetzt.
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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