Wiener Musterbuch

Wiener Musterbuch

Tschechische Republik / Österreich — 1410–1420

Ein Unikat der Kunstgeschichte: 56 Silberstiftzeichnungen im Internationalen Stil der Gotik auf kleinen, klappbaren Holztafeln

  1. Ein Unikat: 56 Silberstiftzeichnungen auf kleinen, klappbaren Holztafeln in einer Ledertasche

  2. Ein unbekannter Meister des internationalen Stil der Gotik aus Böhmen oder Österreich schuf es um 1400

  3. Die Bilder enthalten Tiere, Fabelwesen und Dutzende von Kopfstudien, darunter auch einen Totenschädel

Wiener Musterbuch

Preiskategorie: €€ (1.000€ - 3.000€)
Ausgabe bei uns verfügbar
Preis: Hier anmelden!
  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Wiener Musterbuch

Ein leidender Christus am Kreuz, ein lockiges Kamel, eine höfische Dame mit vornehmer Kopfbedeckung und ein lächelnder Löwe: all das vereint das sogenannte Wiener Musterbuch, ein ungewöhnliches, ja sogar einzigartiges Kunstwerk. Auf 56 kleinformatigen, feinen Silberstiftzeichnungen, jeweils zu viert montiert auf zusammenklappbaren Holztäfelchen und verwahrt in einem wertvollen Lederfutteral, beweist ein unbekannter Künstler sein außerordentliches Können in verschiedenen Genres. Das sogenannte Musterbuch zählt zu den Höhepunkten der Wunderkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien.

Das Wiener Musterbuch

Ein leidender Christus am Kreuz, ein lockiges Kamel, eine höfische Dame mit vornehmer Kopfbedeckung und ein lächelnder Löwe: all das vereint das sogenannte Wiener Musterbuch, ein ungewöhnliches, ja sogar einzigartiges Kunstwerk. Auf 56 kleinformatigen, feinen Silberstiftzeichnungen, jeweils zu viert montiert auf zusammenklappbaren Holztäfelchen und verwahrt in einem wertvollen Lederfutteral, beweist ein unbekannter Künstler sein außerordentliches Können in verschiedenen Genres. Das sogenannte Musterbuch zählt zu den Höhepunkten der Wunderkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien.

Ein rätselhaftes Meisterwerk

Ein wahrlich rätselhaftes Objekt ist in der 2012 wiedereröffneten Wunderkammer des Historischen Museums in Wien zu bestaunen. Auf 14 Ahorntäfelchen verteilt sind in einem kleinen Format von 9,5 x 9 cm insgesamt 56 Zeichnungen auf Papier zu entdecken. Ein unbekannter böhmischer Meister des „Internationalen Stils“ um 1400 brachte die Zeichnungen zu Papier. Die wunderbaren Bildchen sind mit dem feinem Strich eines Silberstifts gezeichnet, durch gekonnte Pinselstriche in Weiß und Rot modelliert und teilweise mit zarten Farben gehöht.

56 feinste Zeichnungen

Wie als Vorlage für ein größeres Werk – daher auch die Bezeichnung als Musterbuch – hat der Künstler verschiedene Motive gezeichnet. 39 Bilder zeigen verschiedene Köpfe, zum einen als Kopftypen gedacht, zum anderen aber wunderbar individuell ausgearbeitet. Darunter finden sich sowohl Figuren aus dem christlichen Kontext, etwa eine Abbildung des dornengekrönten Hauptes Christi am Kreuz, eine Darstellung einer leidenden Trauernden, vielleicht Maria aus einer Beweinung, oder ein Engel mit Kreuz auf der Stirn, als auch Figuren zu weltlich-profanen Bildthemen, etwa eine junge vornehme Dame mit gekröntem Haupt oder ein griesgrämiger Alter mit faltigem Gesicht. Des Weiteren beinhalten die Täfelchen 16 Darstellungen von Tieren und Fabelwesen, etwa ein grinsender Löwe mit ungewöhnlich großen Ohren, eine krabbelnde Spinne, ein grimmiges Wildschwein oder ein lockiges Kamel. Außerdem hat der Künstler seiner Sammlung das Bild eines Totenschädels hinzugefügt. All diese filigranen und außerordentlich kunstvollen Zeichnungen sind auf monochromem grüngrauen Grund aufgebracht. So wirken die dargestellten Köpfe wie Muster, die je nach Kontext in ein Kunstwerk eingebracht werden können.

Ein böhmischer Künstler zeigt sein Können

Auf diese Weise konnte der Künstler sein Können zur Schau stellen und schon Vorlagen für eventuelle Aufträge anbieten. Diese Vermutung wird auch durch die äußere Aufmachung des sogenannten Musterbuches bestärkt. Die 14 Täfelchen aus Ahornholz sind in einem Futteral aus Leder aufbewahrt, das sie zugleich schützt und durch einen angebrachten Gurt auch zum Transport fähig macht. Das kostbare Etui besteht aus mit wundervollen Blattranken geprägtem braunem Leder.
Künstlerisch kann die Arbeit nach Böhmen oder Österreich eingeordnet werden und ist wohl um 1410/1420 entstanden. Unter der Bezeichnung „Böhmische Schule“ wurde dort seit den Zeiten Kaiser Karl IV. und Wenzel IV. die unglaubliche Kunstproduktion der bedeutenden Künstler im böhmischen Raum zusammengefasst. Der Künstler des Wiener Musterbuchs war jedoch mit allen zeitgenössischen Kunstströmungen des frühen 15. Jahrhunderts vertraut, sei es mit der Kunst Frankreichs oder Italiens.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Vienna Model Book
Umfang / Format
56 Zeichnungen in Rahmen / 9,5 × 9,0 cm
Datum
1410–1420
Stil
Buchschmuck
56 Silberstiftzeichnungen (Portraits und Tiere)
Künstler / Schule

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Wiener Musterbuch – KK 5003/5004 – Kunsthistorisches Museum (Wien, Österreich)
Müller & Schindler – Simbach am Inn, 2012
Limitierung: 800 Exemplare
Detailbild

Wiener Musterbuch

Portrait eines wohlhabenden Mannes

Dieses Portrait diente als Vorlage, um einen Adeligen oder einen wohlhabenden Bürger abzubilden. Der Reichtum wird durch die luxuriöse Pelzmütze und den Mantel angedeutet, sowie durch die stilvolle Art und Weise, wie er seinen Bart geschnitten hat: Das wäre etwas, wofür ein armer Mann keine Zeit hätte. Er ist mit einer geraden Nase, hohen Wangenknochen und stechenden Augen dargestellt. Die Tatsache, dass die Miniatur unkoloriert ist, erlaubt es dem potentiellen Kunden, die unzähligen meisterhaften Federstriche zu betrachten, mit denen die Künstler sie geschaffen haben.

Wiener Musterbuch
Einzelseite

Wiener Musterbuch

Drache, Bär, Pferd und Hund

Für den Fall, dass jemand Darstellungen sowohl von realen als auch von imaginären Tieren betrachten wollte, enthielt dieses Musterbuch neben denen von Menschen Beispiele verschiedener Tiere. Hier haben wir vier solcher Tierportraits, zwei im Profil und zwei in Dreiviertelansicht. Der Drache oben links ist mit einer herausgestreckten Zunge mit Widerhaken, geschwungenen Hörnern und leeren Reptilienaugen dargestellt.

Der Bär rechts steht dazu im Kontrast: Das Bild wird durch die unzähligen Striche, mit denen das Fell gemalt wird, weicher, und sein Gesicht, insbesondere die Augen, hat einen fast menschlichen Ausdruck. Das Pferd sieht mit seiner wallenden Mähne, den freundlichen Augen und einer locker hängenden Zunge ähnlich freundlich aus. Der Wachhund mit den abgeschnittenen Ohren wirkt konzentriert, aufmerksam und wartet auf das Kommando seines Herrn.

Wiener Musterbuch
Faksimile-Editionen

#1 Wiener Musterbuch

Müller & Schindler – Simbach am Inn, 2012
Wiener Musterbuch – KK 5003/5004 – Kunsthistorisches Museum (Wien, Österreich)
Wiener Musterbuch – KK 5003/5004 – Kunsthistorisches Museum (Wien, Österreich) Copyright Bildmaterial: Ziereis Faksimiles

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Müller & Schindler – Simbach am Inn, 2012
Limitierung: 800 Exemplare
Einband: Zeichnungen auf faltbare Holztafeln montiert (insgesamt 14 kleine Eichel-Tafeln in ein wertvollem, dunkel geprägtem Lederetui geschützt)
Kommentar: 1 Band (80 Seiten) von Maria Heisen und Eberhard König
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Preiskategorie: €€ (1.000€ - 3.000€)
Ausgabe bei uns verfügbar
Preis: Hier anmelden!
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