Dioskurides Neapolitanus

Ms. ex Vindob. gr. 1 - Biblioteca Nazionale "Vittorio Emanuele III" (Neapel, Italien)

Alternativ-Titel:

Dioskurides von Neapel, Dioscorides Neapolitanus

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Kodiologie

Alternativ-Titel

Dioskurides von Neapel
Dioscorides Neapolitanus

Art
Umfang / Format

344 Seiten / 29.5 x 25.0 cm

Herkunft
Datum
Anfang des 7. Jahrhunderts
Stil
Genre
Sprache
Buchschmuck

403 Miniaturen

Vorbesitzer

Augustinerkloster San Giovanni a Carbonara in Neapel
Habsburger

Verfügbare Faksimile-Ausgaben

Beschreibung

Das berühmteste pharmakologische Standardwerk der Geschichte

Der Codex Neapolitanus ist einer der ältesten Überlieferungsträger des bedeutendsten pharmakologischen Werkes der Antike, der Materia medica des griechischen Arztes Dioskurides Pedanios aus dem 1. Jh. n. Chr. Die hervorragende Stellung dieser Handschrift ist nicht zuletzt auf die zahlreichen Pflanzenbilder zurückzuführen, die die genauen botanischen Beschreibungen detailgetreu veranschaulichen.
Von der großen Bedeutung des Dioskurides als grundlegende Autorität auf seinem Gebiet zeugt die jahrhundertelange Benützung seines Werkes. Im 6. Jh. wurde es ins Lateinische übersetzt, und seit dem 9. Jh. gab es Übersetzungen und Bearbeitungen auch in arabischer, syrischer und hebräischer Sprache. So blieb die Materia medica bis in die Neuzeit d a s pharmakologische Standardwerk, welches nicht nur von Ärzten und Botanikern, sondern auch von an der Pflanzenkunde interessierten Laien gern gelesen wurde.
Der neapolitanische Codex entstand zu Beginn des 7. Jh.s , wobei es allerdings nach dem bisherigen Stand der Forschung ungewiss ist, ob in Byzanz oder Italien. G. Cavallo ist der Ansicht, dass die Miniaturen der Handschrift jedenfalls ein Produkt des griechischen Kulturschaffens in Italien sind. Diese insgesamt 403 Miniaturen mit Darstellungen von Pflanzen vermitteln uns als einzigartige Zeugen die hohe Virtuosität der Buchmalerei jener Zeit.

Die Miniaturen

Die Pflanzenbilder des Codex Neapolitanus sind, wie man annimmt, nicht originale Erzeugnisse der frühbyzantinischen Buchmalerei, sondern Kopien älterer Vorlagen, die wohl mittelbar auf das Kräuterbuch des Krateuas – eine Quelle des Dioskurides – zurückgehen und somit Zeugen der alexandrinischen oder pergamenischen Lehrbuchillustration des 2.–1. vorchristlichen Jh.s sind.
In didaktisch anschaulicher Weise finden sich in der oberen Hälfte jeder Rectoseite jeweils eine bis drei Pflanzendarstellungen, die vom darunterstehenden Text beschrieben werden. Die Versoseiten hingegen sind zumeist leer oder enthalten nur ergänzende Texte, wodurch eine gegenseitige Beeinträchtigung der Bildkompositionen durch das Durchschlagen der Farben vermieden wurde.
Die Schriftart ist die sog. Bibelmajuskel, die eine quadratische Buchstabenform aufweist und sich durch gute Lesbarkeit auszeichnet. Auch durch die Gliederung des Textes in zwei Spalten wird die Lesbarkeit unterstützt. Unter den Pflanzenbildern sind von späterer Hand die Pflanzennamen mit roter Tinte hinzugeschrieben worden, wodurch die Übersichtlichkeit gewahrt wurde. Spätere Beifügungen überall in der Handschrift zeugen von der hohen Wertschätzung des Neapolitaner Codex, der durch Jahrhunderte hindurch häufig benutzt wurde. Auch heute noch wird Dioskurides im Zusammenhang mit bestimmten Pflanzen und Medikamenten genannt.

Ein Nachschlagewerk für Ärzte

Dioskurides widmet jeder einzelnen Pflanze ein Kapitel. Auf ihren Namen und ihre Synonyma folgt die Beschreibung ihrer Eigenschaften, die Angabe der Heimat sowie Wirkung, Zubereitung, Anwendung und Dosierung. Das Werk, dessen Bedeutung sowohl auf dem botanischen wie auch auf dem pharmakologischen Gebiet beruht, war von Dioskurides in erster Linie als Arzneimittellehre zum Gebrauch für Ärzte konzipiert.
Eine charakteristische Besonderheit des Codex Neapolitanus stellt die lexikalische Umstellung des Stoffes in alphabetischer Ordnung dar. Damit war die ursprüngliche systematische Anordnung nach den therapeutischen Eigenschaften der Pflanzen aufgehoben worden, wodurch allerdings eine bessere Auffindbarkeit gewährleistet war.

Die Geschichte der Handschrift

Über die Geschichte der Handschrift selbst wissen wir sehr wenig. Bis zu Beginn des 18. Jh.s befand sie sich im neapolitanischen Augustinerkloster S. Giovanni a Carbonara. 1718 wurde sie von den Habsburgern an die Wiener Hofbibliothek gebracht, und im Anschluss an die Friedensverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg kehrte sie 1919 nach Neapel, allerdings in die Bibliotèca Nazionale, zurück. Dort gehört sie zu den wertvollsten Kostbarkeiten der an Schätzen reichen Bibliothek.

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