Wiener Dioskurides

Wiener Dioskurides – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Cod. Vindob. Med. gr. 1 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)

Istanbul (TĂŒrkei) — Um 512

Ein Meilenstein der Medizin, geschaffen vor 1500 Jahren in Byzanz: Dioskurides' bedeutendes Werk zur Heil- und Pflanzenkunde in einer prachtvollen Bilderhandschrift mit fast 500 Pflanzen- und Tierdarstellungen

  1. Eine byzantinische Bilderhandschrift mit fast 500 Pflanzen- und Tierdarstellungen, wohl von Prinzessin Juliana Anikia (462–527/8) um das Jahr 512 in Auftrag gegeben

  2. Das Hauptwerk des Arztes und Botanikers Pedanius Dioscorides (ca. 40–90) wird darin von zahlreichen anderen klassischen Werken ergĂ€nzt

  3. Das Lehrbuch weist Spuren des fortwĂ€hrenden Gebrauchs durch griechische, lateinische, tĂŒrkische, orientalische und jĂŒdische Ärzte auf

Wiener Dioskurides

Cod. Vindob. Med. gr. 1 Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)
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Wiener Dioskurides

Eine der wertvollsten spĂ€tantiken illuminierten Handschriften ist ein zu Beginn des 6. Jahrhunderts in Konstantinopel entstandenes Herbarium, das nach seinem heutigen Aufbewahrungsort Wiener Dioskurides genannt wird. Der Codex beschreibt zahlreiche heilkrĂ€ftige KrĂ€uter sowie giftige Tiere und Vögel. Ihm sind zudem Abschriften von vier klassischen wissenschaftlichen Werken beigefĂŒgt. Er ist mit 392 ganzseitigen Miniaturen und 87 in den Text integrierten kleineren Bildern illustriert, von denen die meisten den Pflanzen, 66 den giftigen Tieren und 47 verschiedenen Vogelarten gewidmet sind. Die hervorragenden Miniaturen orientieren sich an spĂ€thellenistisch-römischen Vorlagen und sind nicht zuletzt deshalb von unschĂ€tzbarem Wert, weil die antiken Originale verloren gegangen sind. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass das Manuskript 1998 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe erklĂ€rt wurde.

Wiener Dioskurides

Der Wiener Dioskurides ist fĂŒr die Geschichte der wissenschaftlichen Buchillustration von einzigartiger Bedeutung, da es sich um das einzige erhaltene, durchgehend illustrierte wissenschaftliche Buch der Antike handelt. Zwar gehen die Buchmalereien grĂ¶ĂŸtenteils auf das erste mit Pflanzenabbildungen versehen KrĂ€uterbuch des Krateuas aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. zurĂŒck und sind somit streng genommen Kopien spĂ€thellenistischer Lehrbuchillustrationen, doch ist der gesamte Codex, der etwa um das Jahr 512 in Konstantinopel angefertigt wurde, auch ein einmaliges Zeugnis der frĂŒhbyzantinischen Kunst, Kultur und Wissenschaft. Der Codex ist eine Sammelhandschrift von pharmakologischen und naturwissenschaftlichen Schriften, wobei das Herbarium des Pedanios Dioskurides (1. Jahrhundert n. Chr.), im griechischen Original als De materia medica bekannt, den grĂ¶ĂŸten Teil davon einnimmt. Die beigefĂŒgten Schriften stammen von anderen antiken wissenschaftlichen Autoren. Der Codex hatte einen enormen Einfluss ĂŒber mehrere Jahrhunderte und wurde zum Vorbild fĂŒr zahlreiche KrĂ€uterbuch-Handschriften vom Mittelalter bis zum Beginn der Neuzeit. Die Handschrift zeigt Spuren, die auf einen durchgehenden Gebrauch als Handbuch fĂŒr Ärzte und Pharmakologen hindeuten, etwa Eintragungen und Transkriptionen in lateinischer, persischer, hebrĂ€ischer und arabischer Schrift. Im Zuge eines wachsenden Interesses an der Wirkung von Heilpflanzen und -krĂ€utern in der Neuzeit gewann der Wiener Dioskurides immer grĂ¶ĂŸere Anerkennung und zĂ€hlt seit 1998 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Zeugnis spÀthellenistischer und byzantinischer Buchmalerei

Die Prachthandschrift wird von einem frĂŒhbyzantinischen Bildproömium (Fol. 2–7) eröffnet, das unter anderem ein Dedikationsbild mit der byzantinischen Prinzessin Juliana Anicia zeigt, die auf einem Thron sitzend den Codex als Geschenk von den BĂŒrgern und ZĂŒnften von Honoratae, einer Vorstadt Konstantinopels, zum Dank fĂŒr die Stiftung einer Marienkirche ĂŒberreicht bekommt. Dem Bild ist zu entnehmen, dass der Codex um das Jahr 512 in einer Werkstatt in Konstantinopel angefertigt wurde. Die Sammelhandschrift vereint nicht nur die unterschiedlichsten antiken wissenschaftlichen Werke, sondern stellt auch eine Zusammenfassung aller relevanten Erkenntnisse der griechischen Pharmazie und angewandten Botanik dar. Diese QualitĂ€t macht den Wiener Dioskurides zu einem dauerhaften und umfassenden Nachschlagewerk fĂŒr FachĂ€rzte der Medizin und Pharmakologie.

UnschÀtzbare Quelle der Wissenschaft, Buchmalerei und Philologie

Das Manuskript besteht grĂ¶ĂŸtenteils aus seiner Kopie des Dioskuridenherbariums (De materia medica) des Arztes und Botanikers Pedanius Dioskurides (1. Jahrhundert n. Chr.), das in diesem Codex, im Gegensatz zur Ordnung nach Sachgebieten im griechischen Original, in alphabetischer Reihenfolge angelegt ist. Die Beschreibungen von 383 Arzneipflanzen sind im Schrifttyp einer archaisierenden, griechischen Majuskel, der sogenannten Bibelmajuskel, ausgefĂŒhrt. SpĂ€tere Transkriptionen sind in Minuskelschrift hinzugefĂŒgt, da die alte Majuskelschrift wohl zunehmend außer Gebrauch geraten und damit schwerer zu lesen war. In anspruchsvoller didaktischer Herangehensweise wird der Beschreibungstext von bildlichen Darstellungen der entsprechenden Heilpflanzen begleitet. Die meisten dieser Illustrationen bedecken eine ganze Seite und sind mit deckenden Farben ausgefĂŒhrt. Zusammen mit den 66 Illustrationen giftiger Tiere und 47 Vogelbildern, die in den beigefĂŒgten Schriften folgen, handelt es sich dabei um herausragende Kopien spĂ€thellenistischer Vorlagen, die von unschĂ€tzbarem Wert sind und das nicht nur, weil die antiken Originale verloren sind. Das Herbarium des Dioskurides nimmt mit 375 von insgesamt 485 BlĂ€ttern den Hauptteil des Buches ein, auf das mehrere AnhĂ€nge folgen. Diesen beigefĂŒgten Schriften ist zunĂ€chst ein anonymes Lehrgedicht ĂŒber die KrĂ€fte göttlich geweihter Pflanzen (Carmen de viribus herbarum) vorangestellt. Danach folgen vier Paraphrasen zu klassischen, naturwissenschaftlichen Werken: die Paraphrase des Euteknios zu den Theriaka des Nikandros von Kolophon, die Illustrationen von Pflanzen und wilden Tieren enthĂ€lt (Schlangen, Skorpione, Spinnen); eine weitere Paraphrase des Euteknios zu den Alexipharmaka desselben Autors, des Nikandros von Kolophon. Es folgt eine anonyme Paraphrase zu der Halieutika des Oppianos und zuletzt eine weitere anonyme Paraphrase zu der Ornithiaka des Dionysos von Philadelphia, die unzĂ€hlige Vogeldarstellungen enthĂ€lt, die fĂŒr die Geschichte der zoologischen Illustration von Bedeutung sind. Die letzten Seiten der Handschrift enthalten ein Fragment eines MenĂ€on, eines liturgischen Buches der orthodoxen Kirchen aus dem 11. Jahrhundert, das u. a. Heiligenviten enthĂ€lt und als ganzes Buch von deutlich grĂ¶ĂŸerem Umfang ist als die hier angehĂ€ngten Textteile.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Vienna Dioscorides
Pedacio Dioscorides Anazarbeo, De Materia Medica
Dioscurides Constantinopolitanus
Codex Vindobonensis
Juliana Anicia Codex
Art
Handschrift auf Pergament
Umfang / Format
984 Seiten / 38,0 × 31,0 cm
Herkunft
TĂŒrkei
Datum
Um 512
Epoche
FrĂŒhes Mittelalter
Antike
Stil
Byzantinisch
Genre
Medizin / Botanik / Alchemie
Sprache
Griechisch
Buchschmuck
392 ganzseitige Abbildungen und 87 Abbildungen im Text
Auftraggeber
Anicia Iuliana
Vorbesitzer
Moses Hamon
Maximilian II.

VerfĂŒgbare Faksimile-Editionen:
Wiener Dioskurides – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Cod. Vindob. Med. gr. 1 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1965–1970

Detailbild

Wiener Dioskurides

Stachelmohn

Unter der griechischen Überschrift áŒ€ÏÎłÎ”ÎŒÏŽÎœÎ· wird hier eine Stachelmohnpflanze dargestellt, die dutzende, krautige StĂ€ngel aufweist, aus deren Enden gelbe BlĂŒten und stachelige Samenkapseln sprießen. Dioskurides zufolge kann die Pflanze eingesetzt werden, um Zahnfleisch- und RachenentzĂŒndungen zu behandeln, Blutungen zu stoppen und Krankheiten des Magens, der Leber sowie der Gallenblase zu kurieren. DarĂŒber hinaus wurden FußbĂ€der gegen mĂŒde FĂŒĂŸe empfohlen und die Angelsachsen sagten der Pflanze die Steigerung der mĂ€nnlichen Potenz nach.

Wiener Dioskurides – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Cod. Vindob. Med. gr. 1 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)
Einzelseite

Wiener Dioskurides

Widmungsminiatur

Der Wiener Dioskurides ist ein grundlegendes Werk der KrĂ€utermedizin und ein gutes Zeugnis der byzantinischen Kunst der Illumination in der SpĂ€tantike. Wir können die Fertigstellung dieses Manuskripts auf das Jahr 512 datieren und es dank der Widmungsminiatur auf eine Werkstatt in Konstantinopel zurĂŒckfĂŒhren. Es zeigt die Auftraggeberin des Manuskripts, Prinzessin Anikia Juliana (462–527), der die BĂŒrger Konstantinopels den Codex ĂŒberreichen.

Prinzessin Juliana erhĂ€lt dieses Geschenk aus Dankbarkeit fĂŒr ihre Stiftung der Theotokos-Kirche in einem Viertel der Stadt. Acht kleinere Szenen um ihr Portrait zeigen ihre Förderung der KĂŒnste und der Architektur der Reichshauptstadt. Der achtzackige Stern, aus dem der Rahmen besteht, ist so dargestellt, als wĂ€re er aus einem Seil gelegt.

Wiener Dioskurides – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Cod. Vindob. Med. gr. 1 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)
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#1 Der Wiener Dioskurides

Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1965–1970

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1965–1970
Einband: Weißes Leder auf Holzdeckel: Alles Seiten dem Original entsprechend randbeschnitten.
Kommentar: 1 Band von Hans Gerstinger
Sprache: Deutsch
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#2 De Materia Medica by Pedacio Dioscorides

Edilan – Madrid, 1978
Wiener Dioskurides – Edilan – Cod. Vindob. Med. gr. 1 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)
Wiener Dioskurides – Edilan – Cod. Vindob. Med. gr. 1 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich) Copyright Bildmaterial: Ziereis Faksimiles

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Verlag: Edilan – Madrid, 1978
Einband: Braunes Leder auf Holzdeckel
Kommentar: 1 Band
Sprache: Spanisch
Faksimile: 1 Band Detailnahe Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprĂŒnglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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