Apokalypse von Valenciennes

Apokalypse von Valenciennes Faksimile

Frankreich oder Deutschland — Erstes Viertel des 9. Jahrhunderts

Prachtvoll illuminiert und Vorbild für die berühmten Beatus-Handschriften: Eine der wenigen erhalten gebliebenen (Apokalypsen-)Handschriften aus der karolingischen Zeit

  1. Dieses Manuskript aus dem 9. Jahrhundert ist eine der wenigen, bis heute erhaltenen karolingischen Apokalypse-Handschriften

  2. Enthält einen der ersten vollständigen biblischen Illustrationszyklen

  3. Die 39 Miniaturen dienten als Vorbild für die berühmten Darstellungen der Beatus-Handschriften

Apokalypse von Valenciennes

  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Apokalypse von Valenciennes

Die Apokalypse von Valenciennes entstand im ersten Viertel des neunten Jahrhunderts, wobei der genaue Herkunftsort der prächtig illuminierten Handschrift nicht bekannt ist. Allerdings zeigt das Werk starke Einflüsse der frühmittelalterlichen Buchkunst aus Flandern und dem Rheinland, was zumindest eine stilistische Verortung in West-Mitteleuropa erlaubt. Diese rätselhafte Entstehungsgeschichte tut der Bedeutsamkeit des karolingischen Manuskripts jedoch keinen Abbruch: Seine großen und ausdrucksstarken Miniaturen bilden den ältesten bekannten vollständigen Illustrationszyklus aus biblischen Szenen. Die Bilder zeigen die faszinierenden wie erschreckenden Ereignisse der Offenbarung des Johannes und waren wahrscheinlich die Grundlage für die erstaunlichen Bildprogramme der ersten Exemplare der berühmten spanischen Beatus-Apokalypsen.

Die Apokalypse von Valenciennes

Seit Beginn des Mittelalters wurde das letzte Buch der Bibel, die sogenannte Apokalypse, von christlichen Schreibern und Buchkünstlern unzählige Male adaptiert und neu bearbeitet. Die Erzählung von der Vision des Johannes, in der ihm das Ende der Welt und der Tag des Jüngsten Gerichts offenbart wird, ist die wohl am häufigsten rezipierte Bibelgeschichte. Außerdem ist es auch die Geschichte, die mittelalterliche Miniatoren zu den aufregendsten und fantastischsten Illustrationen anregte. Die Apokalypse von Valenciennes ist eine der frühesten Ausgaben der Apokalypsenhandschriften und beeindruckt mit 39 farbigen Miniaturen im karolingischen Stil.

Europäische Buchkunst

Vom Schreiber der Apokalypse ist lediglich der Vorname „Otoltus“ bekannt. Die Miniaturen des Werkes zeigen stilistische Einflüsse der Buchmalerei des Rheinlandes, sind aber auch deutlich von der mittelalterlichen Kunst aus Flandern geprägt. Eine genaue Herkunft des Codex lässt sich nicht bestimmen. Besondere Bedeutung wird der Handschrift in Spanien beigemessen, da man davon ausgehen kann, dass diese Apokalypse mit ihren Illustrationen als Vorbild für die berühmten Apokalypsen des Beatus von Liébana diente. Es steht fest, dass es sich bei den vorzüglichen Darstellungen von Valenciennes um außerordentlich hochwertige Miniaturen der frühen mittelalterlichen Buchkunst Europas handelt.

Historische Malerei

Die kraftvollen und symbolreichen Bilder der Apokalypse von Valenciennes bilden einen der ersten vollständigen biblischen Illustrationszyklen. Jede der 39 Miniaturen füllt eine halbe Buchseite und beinhaltet einen biblischen Textausschnitt, der den Betrachter an der dargestellten Szene teilhaben lässt. Das Manuskript eröffnet mit einer Darstellung des heiligen Johannes, der mit seiner rechten Hand über dem Herzen die Aufmerksamkeit des Lesers in seinen Bann zieht. Die folgenden Bilder zeigen in naivem Charme die weiteren Ereignisse der Bibelgeschichte, in welcher der Untergang der Menschheit und die Höllenqualen der Sünder beschrieben werden. Kaum ein anderer Text aus der Bibel faszinierte Leser sämtlicher Epochen so sehr wie die Offenbarung des Johannes. Die kostbare Handschrift, welche sich schon im Besitz des französischen Klosters von Saint-Amand-les-Eaux befand, wird heute im städtischen Museum von Valenciennes in Frankreich aufbewahrt.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Apocalipsis of Valenciennes
Apocalipsis de Valenciennes
Apocalipsis Carolingio de Valenciennes
Umfang / Format
80 Seiten / 27,2 × 20,1 cm
Herkunft
Frankreich
Datum
Erstes Viertel des 9. Jahrhunderts
Sprache
Buchschmuck
39 eindringliche, meist ganzseitige Miniaturen in ornamentalen Rahmen
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Kloster von St. Amand (Saint-Amand-les-Eaux)

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Apokalypse von Valenciennes – ms. 0099 – Valenciennes Bibliothèque municipale (Valenciennes, Frankreich) Faksimile
Orbis Mediaevalis – Madrid, 2009
Limitierung: 995 Exemplare
Detailbild

Apokalypse von Valenciennes

Johannes hat eine Vision von Gott

Diese Miniatur befindet sich in einem prächtigen Rahmen aus insularem Flechtwerk, weist aber auch stilistische Ähnlichkeiten mit Beatus-Handschriften auf, insbesondere die deutlichen, starken Linien, die der Figur klare Konturen und Gesten verleihen. Johannes wird hier in der Vision mit einer Schriftrolle dargestellt, die ihm von ganz oben übergeben wird. Sie ist mit sieben Siegeln für die sieben Kirchen Kleinasiens versehen, denen er seine Visionen mitteilen soll. Er wird als bartloser junger Mann gezeigt, der sein langes Haar hinter dem Kopf zusammengebunden trägt.

Apocalipsis de Valenciennes
Einzelseite

Apokalypse von Valenciennes

Die Dritte und Vierte Posaune

Viele der Katastrophen der Apokalypse werden von Engeln angekündigt, die eine Posaune blasen. Der obere Engel in dieser farbenfrohen, ganzseitigen Miniatur bläst das dritte Horn, dessen Folge in der oberen linken Zelle dargestellt ist: der Fall des Sterns Wermut, der ein Drittel des Süßwassers der Welt vergiftet.

Der untere Engel bläst die Vierte Posaune und in der mittleren linken Zelle werden die Lichter des Himmels – Sonne und Mond – zu einem Drittel verdunkelt: Herr Sonne (lateinisch maskulin) in der roten Sonne und Frau Mond (lateinisch feminin) mit dem Halbmond sehen fassungslos aus. Die Zelle in der unteren linken Ecke zeigt einen Adler. Er stellt einen Engel dar, der vor dem Ertönen der Fünften Posaune erscheint und die Bewohner der Erde vor dem kommenden Leid warnt – einer Heuschreckenarmee.

Apocalipsis de Valenciennes
Faksimile-Editionen

#1 Apocalipsis de Valenciennes

Orbis Mediaevalis – Madrid, 2009

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Orbis Mediaevalis – Madrid, 2009
Limitierung: 995 Exemplare
Einband: Geprägtes Leder
Kommentar: 1 Band von Peter Klein
Sprachen: Englisch, Spanisch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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