Benediktionale von St. Aethelwold

Benediktionale von St. Aethelwold

Old Minster, Winchester (Vereinigtes Königreich) — 970–984

  1. Æthelwold (904/9 - 984), der Bischof von Winchester, war ein führender Reformer und Kunstmäzen

  2. Er war eine wichtige Kraft für die Wiederbelebung und Reformierung der angelsächsischen Kirche im 10. Jahrhundert

  3. Die Handschrift ist einer der Höhepunkte der angelsächsischen Kunst in der Renaissance dieser Zeit

Benediktionale von St. Aethelwold

  1. Beschreibung
  2. Faksimile-Editionen (3)
Beschreibung
Benediktionale von St. Aethelwold

Das Benediktionale von St. Aethelwold ist ein wahrer Höhepunkt angelsächsischer Kunst, der im Jahr 980 im Old Minster von Winchester auf Geheiß des Heiligen Æthelwold selbst vollendet wurde. Als Bischof von Winchester war Æthelwold eine der führenden Persönlichkeiten der klösterlich-reformerischen Bewegung im angelsächsischen England, die das religiöse Leben im Königreich wiederbelebte. Dieses Manuskript enthält 28 ganzseitige Miniaturen in prächtigen floralen Bordüren, die beispielhaft für den Winchester-Stil sind, sowie 19 gerahmte Textseiten, zwei große historisierte Initialen und durchgängig goldene und rote Beschriftungen.

Benediktionale von St. Aethelwold

Nachdem es mehr als ein Jahrhundert lang Wikingerüberfälle und regelrechte Invasionen überstanden hatte, wurde das angelsächsische England unter der Herrschaft von König Eadred (923-955) wiedervereinigt und befriedet. Infolgedessen erlebte die angelsächsische Kunst in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts eine Renaissance, und eines der schönsten Beispiele hierfür ist das *Benediktionale von St. Aethelwold *. Die Handschrift wurde im Old Minster, Winchester geschaffen, wo sie bis zur Reformation verblieb. Das genaue Schicksal verliert sich zunächst in den folgenden Jahrhunderten, bis sie im Besitz von Henry Compton (gest. 1713) wieder auftaucht. Danach ging sie an William Cavendish, 2. Herzog von Devonshire, über, wo sie bis zum Erwerb durch das Britische Museum im Jahr 1957 auch blieb.
Die Ausbildung von Aethelwold
**Aethelwold (904/9 - 984), der Bischof von Winchester, war eine der führenden Persönlichkeiten der klösterlichen Reformbewegung im angelsächsischen England
. Nach Generationen unter der Bedrohung von Wikingerangriffen hatte sich das klösterliche Leben erheblich verschlechtert, aber eine Wiederbelebung der Bildung und der Künste wurde unter anderem durch die Bemühungen von Aethelwold ermöglicht. Er diente am königlichen Hof von König Athelstan (ca. 894-939) und wurde in Grammatik, Metrik und Patristik in der Abtei von Glastonbury ausgebildet, wo er bis zum Rang eines Dekans aufstieg. Während der Herrschaft von König Eadred wollte Aethelwold nach Kontinentaleuropa reisen, um mehr über das klösterliche Leben zu lernen, aber Eadred enthielt ihm seine Erlaubnis vor und ernannte ihn stattdessen zum Abt der ehemaligen Klosteranlage von Abingdon, Oxfordshire, die damals von Weltpriestern betreut wurde.
Der Bischof von Winchester
**Aethelwold wurde am 29. November 963 zum Bischof von Winchester geweiht
. Im folgenden Jahr ließ er mit dem Einverständnis von König Edgar und der Unterstützung einer bewaffneten Truppe, die von einem königlichen Beamten angeführt wurde, die Kleriker des Alten und Neuen Münsters von Winchester vertreiben und durch Mönche aus Abingdon ersetzen. Er gründete Klöster neu und forderte aggressiv Ländereien zurück, die sich einst im Besitz dieser religiösen Gemeinschaften befunden hatten, wobei er nötigenfalls auch Urkunden fälschte. Er genoss die starke Unterstützung von König Edgar (ca. 943-975) und gründete verschiedene Benediktinerklöster.

Benediktinische Wiedergeburt

Die Benediktiner waren dem weltlichen Klerus in ihrer Gelehrsamkeit und ihren Schulen weit überlegen. Aethelwold unterrichtete persönlich die älteren Schüler in Winchester und deren Werke zeigen, dass sie ihn mit großem Respekt und Zuneigung betrachteten. Seine überlieferten Werke sowohl in Latein als auch in Altenglisch weisen ihn als angesehenen Gelehrten aus und es wird angenommen, dass seine volkssprachlichen Schriften eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Altenglischen gespielt haben. Ein Teil des von ihm angehäuften Reichtums wurde für den Wiederaufbau von Kirchen verwendet, und er war auch ein großer Förderer der kirchlichen Kunst, obwohl leider keines dieser seiner Werke überlebt hat und nur schriftliche Berichte darüber erhalten sind. Die von ihm gegründeten künstlerischen Werkstätten waren auch nach seinem Tod noch einflussreich, und zwar sowohl im In- als auch im Ausland.

Aethelwold's Werk

Ein ganzes Jahrhundert später gelangte Aethelwold unversehens in den Ruf eines Goldschmieds und man hielt ihn für den Schöpfer einer Reihe von Metallobjekten in Abingdon, darunter viele Figuren und Objekte aus Edelmetall, Glocken und sogar eine Pfeifenorgel. Wulfstans zeitgenössisches Leben des Aethelwold erwähnt, dass er andere Formen von handwerklicher Arbeit in den Gärten und beim Bau verrichtete, aber nichts über Metallarbeiten, was darauf hindeutet, dass diese Legenden eine spätere Ausarbeitung waren, auch wenn sie den hohen Status der Goldschmiedekunst zu dieser Zeit zeigen. Aethelwold war mit Gewissheit Bischof in der Zeit, als die Winchester-Schule der Buchmalerei ihren Höhepunkt erreichte, und das wichtigste erhaltene Manuskript dieser Schule, das *Benediktionale von St. Aethelwold *, wurde von ihm in Auftrag gegeben. Er baute auch das Old Minster in Winchester wieder auf, das 980 fertiggestellt wurde. Nach Aethelwolds Tod im Jahr 984 wurde er als Heiliger angesehen. Die einen sagten, sie seien durch den Besuch seines Grabes von Blindheit geheilt worden, andere wollten durch ihre Nähe zu seiner Heiligkeit von ihrer Krankheit geheilt worden sein. Hierzu gehört auch eine Episode aus dem 11. Jahrhundert, in der ein Mönch seine Hingabe unter Beweis stellt, indem er seine Hand in einen Topf mit kochendem Eintopf taucht.

Auf der Höhe der Zeit

Im 10. Jahrhundert erfuhr die angelsächsische und lateinische Literatur eine Wiederbelebung in Verbindung mit einer Blüte der angelsächsischen Kunst, die viele feine Handschriften hervorbrachte, von denen das Benediktionale von St. Aethelwold das schönste ist. Das monumentale Werk ist eine wunderbare Mischung aus karolingischer und insularer Kunst, die den Wunsch der englischen Klosterskriptorien widerspiegelt, ihren Platz unter den führenden Kunstzentren im Europa des 10. Jahrhunderts einzunehmen und ihre liturgischen Praktiken mit denen des karolingischen Reiches in Einklang zu bringen. Der Text ist das Produkt eines begabten Schreibers, der in verschiedenen Schriften arbeitete: Godeman. Für den Großteil des Textes wurde die karolingische Minuskel unter Ergänzung der Capitalis rustica verwendet. 28 ganzseitige Miniaturen sind in prächtige florale Bordüren eingefasst, die beispielhaft für den Winchester-Stil stehen. 19 Textseiten sind gerahmt und es finden sich zwei große historisierte Initialen sowie durchgängig goldene und rote Schrift, die dieses Buch zu einem der schönsten Exemplare angelsächsischer Buchmalerei machen. Bis zu 15 Miniaturen könnten sogar noch fehlen, da sie wahrscheinlich vom Rest der Handschrift abgetrennt wurden, als der Luxuseinband entfernt wurde.

Kodikologie

Alternativ-Titel
The Benedictional of Aethelwold
Umfang / Format
119 Folios / 29,2 × 22,5 cm
Datum
970–984
Sprache
Schrift
Karolingische Minuskel; Capitalis rustica
Buchschmuck
28 ganzseitige Miniaturen; 2 historisierte Initialen; 19 Textseiten mit Zierrahmen; rote und goldene Schrift im gesamten Manuskript
Inhalt
Segnungen
Auftraggeber
Æthelwold von Winchester
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Æthelwold von Winchester
Henry Compton
Hatton Compton
William Cavendish
Faksimile-Editionen

#1 The benedictional of St Æthelwold

The benedictional of St Æthelwold
The benedictional of St Æthelwold Copyright Bildmaterial: Ziereis Faksimiles

Details zur Faksimile-Edition:

Kommentar: 1 Band von Andrew Prescott
Sprache: Englisch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.

#2 The benedictional of Æthelwold

Details zur Faksimile-Edition:

Limitierung: Nicht limitiert
Kommentar: 1 Band von Robert Deshman
Sprache: Englisch
Faksimile: 1 Band Teilfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Die Seiten sind auf Kosten einiger marginaler Merkmale des Originals beschnitten. Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.

#3 The benedictional of Saint Æthelwold, Bishop of Winchester, 963-984

Details zur Faksimile-Edition:

Kommentar: 1 Band von George F. Warner und Henry A. Wilson
Sprache: Englisch
Faksimile: 1 Band Teilfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Schwarz-Weiß-Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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