Berry-Apokalypse

Paris (Frankreich) — 1400–1415

Berry-Apokalypse

Berry-Apokalypse

Paris (Frankreich) — 1400–1415

  1. Jean Duc de Berry (1340-1416) soll dieses Werk um 1410 in Auftrag gegeben haben

  2. Die großen Miniaturen zeichnen sich durch ihre einzigartige, zurückhaltende Farbgebung und ihre Komposition aus

  3. Das Geschehen im Vordergrund wird durch die Darstellung weniger Figuren und einfacher Hintergründe hervorgehoben

Berry-Apokalypse

MS M.133 The Morgan Library & Museum (New York, Vereinigte Staaten)
Alternativ-Titel:
  • Berry Apocalypse
Die Berry-Apokalypse
Bildvon
  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Dieses Meisterwerk der Pariser Buchkunst des frühen 15. Jahrhunderts stammt aus der Hand des sogenannten Meisters der Berry-Apokalypse. Sein Illuminationsstil war einzigartig unter den Zeitgenossen und zeichnet sich unter anderem durch einen zurückhaltenden, aber gekonnten Einsatz von Farbe und Schattierung sowie die Konzentration auf das Geschehen im Vordergrund aus. Die Berry-Apokalypse wurde wahrscheinlich um 1410 von dem berühmten bibliophilen Herzog Jean de Berry in Auftrag gegeben und ging durch die Hände verschiedener Sammler, bevor sie ihren endgültigen Aufbewahrungsort in der berühmten Morgan Library in New York fand. 85 große Miniaturen schmücken den Text, der aus Auszügen der Offenbarung und einem Kommentar des Benediktinermönchs Berengaudus besteht.

Berry-Apokalypse

Diese prächtige Apokalypse-Handschrift, die um 1410 in Paris für den berühmten Bibliophilen Duc Jean de Berry (1340-1416) angefertigt wurde, enthält Auszüge aus dem Text der Offenbarung sowie einen Kommentar des Benediktinermönchs Berengaudus (840-892), der von 85 halb- oder ganzseitigen Miniaturen geschmückt wird. Der Text ist in zwei Spalten von einer kundigen Hand in Bastarda-Schrift und mit eleganten rot-blauen Initialen geschrieben. Die Farbpalette der Miniaturen wird von Rot, Blau und Grün dominiert, oft mit monochromen Hintergründen. Blattgold wurde für Heiligenscheine, Kronen und einige Initialen verwendet. Stilistisch einzigartig und klar auf Charaktere und Ereignisse fokussiert, besitzen die Miniaturen eine faszinierende Ausdruckskraft, eine dramatische Ikonographie und einen expliziten Bezug zum Text. Zugleich weisen sie eine traumhafte Qualität mit kunstvoller Vegetation und realistischer Architektur auf. All dies fügt sich zu einem künstlerisch einzigartigen Manuskript der Apokalypse-Tradition zusammen.

Meister der Berry-Apokalypse

Der anonyme französische Buchmaler, der für das Manuskript verantwortlich ist, ist als "Meister der Berry-Apokalypse" bekannt. Nachweise seiner Hand wurden in mehreren anderen Werken identifiziert, darunter die weltliche Histoire ancienne, eine französische Übersetzung der Weltgeschichte Historiae adversus Paganos des römischen Priesters, Historikers und Theologen Paulus Orosius (gest. ca. 420) und eine reich illuminierte Bible historiale. Sein Stil unterscheidet sich von dem seiner Pariser Zeitgenossen durch eine schnelle, skizzenhafte Ausführung und geschickte Verwendung kühlerer und blasserer Farben. Einige Bilder in seinen Werken sind kleine Skizzen in Brauntönen, die nur teilweise leicht koloriert sind und mit schwarzer und weißer Farbe akzentuiert werden. Der Himmel ist oft nur durch wenige blaue Striche angedeutet und seine einfachen Landschaftsdarstellungen zeigen selten Figuren oder Städte im Hintergrund, um sich auf das Hauptgeschehen im Vordergrund zu konzentrieren. Auch wenn seine wahre Identität nicht bekannt ist, hat sich der Meister der Berry-Apokalypse durch dieses einzigartige Kunstwerk unsterblich gemacht.

Von Bibliophilen begehrt

Die Verbindung zum Herzog von Berry ergibt sich aus einer teilweise ausradierten Inschrift mit der Aufschrift Ce libre est au Duc de Berry Jehan sowie einer Miniatur, die sowohl den Apostel Johannes als auch Johannes den Täufer darstellt, beides Namensvettern des berühmten Herzogs. Außerdem lebte Jean in einer apokalyptischen Periode des Mittelalters, die von Hungersnöten, Pest, Krieg sowie Unruhen innerhalb der Kirche geprägt war. Die schrecklichen Ereignisse des Textes müssen ihn dabei nicht noch zusätzlich erschreckt haben, sondern vielmehr scheint ihm die Geschichte vom letzten Triumph des Guten über das Böse ein gewisser Trost gewesen zu sein, besonders am Ende seines Lebens. Nachdem das Manuskript bis zum 16. Jahrhundert in der herzoglichen Bibliothek in Berry verblieben war, wurde es von der Familie Mauvoisin erworben, was durch weitere Eintragungen im Manuskript bezeugt wird, und ging später an die Familie der Comtes de La Tour du Pin. Es wurde 1879 in Paris verkauft und 1881 gleich ein zweites Mal, als es von Theodore Irwin erstanden wurde. Die Handschrift wurde im Jahr 1900 zusammen mit dem Rest der Irwin-Sammlung von dem berühmten Finanzier und Philanthropen J. P. Morgan Jr. (1867-1943) erworben.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Berry Apocalypse
Umfang / Format
87 Folios / 30,2 × 20,8 cm
Datum
1400–1415
Stil
Schrift
Bastarda
Buchschmuck
85 ganzseitige Miniaturen
Inhalt
Das Buch der Offenbarung mit dem entsprechenden Kommentar aus der Schrift "Expositio super septum visions in Apocalypsis" des Benediktinermönchs Berengaudus
Auftraggeber
Jean de Valois, Duc de Berry (1340–1416)
Künstler / Schule
Vorbesitzer

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Berry-Apokalypse“

Die Berry-Apokalypse
Bildvon

Die Berry-Apokalypse

Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Müller & Schindler – Simbach am Inn, 2020
Limitierung
900 Exemplare
Kommentar
1 Band von Richard K. Emmerson
Sprachen: Deutsch, Englisch

Der wissenschaftliche Kommentarband von Richard K. Emmerson enthält Ausführungen zur Geschichte und den philologischen Besonderheiten sowie Beschreibungen sämtlicher Miniaturen und Initialen des Originalmanuskripts.
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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