Prächtige Miniaturen auf goldenem Grund: Eine der schönsten Handschriften der Gotik und als großes Chorbuch bis ins 19. Jahrhundert im Gebrauch

Graduale von St. Katharinenthal

Abtei von St. Katharinenthal (Schweiz) — 1312

Graduale von St. Katharinenthal

Graduale von St. Katharinenthal

Abtei von St. Katharinenthal (Schweiz) — 1312

  1. Ein herausragendes Werk der mittelalterlichen Liturgie aus dem schweizerischen Kloster St. Katharinenthal

  2. Mit 71 goldstrahlenden Miniaturen ist es eines der schönsten gotischen Handschriften aus dem Bodenseeraum überhaupt

  3. Die Größe dieser Prachthandschrift ermöglichte ihren Gebrauch als Chorbuch bis in 19. Jahrhundert

Graduale von St. Katharinenthal

Graduale von St. Katharinenthal

E-Initiale

Diese wunderbare „E“-Initiale hat einen glänzenden Goldhintergrund, ihr Außenrand ist mit schönem Dunkelrot und der Innenrand mit Rosa verziert. Sie ist in zwei Register unterteilt, von denen die obere Szene eine Messe darstellt: Gekrönte Damen führen auf Knien andere Laien an, die von einem Bischof den Segen erhalten. Rechts sehen wir ein vierzeiliges Notensystem in roter Tinte mit schwarzen Neumen, die im Stil der Gregorianik notiert werden.

Graduale von St. Katharinenthal

Alternativ-Titel:
  • Gradual of St. Katharinenthal
Graduale von St. Katharinenthal – LM 26117 – Schweizerisches Landesmuseum (Zürich, Schweiz) / Museum des Kantons Thurgau, Frauenfeld
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Das Graduale von St. Katharinenthal ist eine Sammlung von Kirchengesängen, die in den Gottesdiensten des 14. Jahrhunderts vom gregorianischen Chor vorgetragen wurden. Die Notenblätter sind verziert mit farbenfrohen Bildern, hinterlegt von feinstem Blattgold und machen des Werk zu einer Spitzenleistung gotischer Buchkunst.

Graduale von St. Katharinenthal

Eines der hervorragendsten Zeugnisse mittelalterlicher Liturgie stammt aus dem Kloster St. Katharinenthal in der Schweiz. Es handelt sich um das Graduale, das von den begabtesten Schreibern und Buchmalern des Klosters verfasst wurde. Ein Graduale ist eine Sammlung aller lateinischer Kirchengesänge, die im 14. Jahrhundert in den feierlichen Liturgien nach dem Kirchenkalender des Dominikanerordens vom gregorianischen Chor vorgetragen wurden. Das Werk, welches ein sehr großes Format von 48 cm auf 35 cm hat, enthält 628 Seiten mit Notenblättern und lateinischen Liedtexten. Die ungewöhnliche Größe lässt sich dadurch erklären, dass die Seiten für alle Sänger des Chors, auch für weit entfernt Stehende, gut lesbar sein mussten. Das Werk eröffnet mit zwei Seiten, die kalendarische Angaben enthalten. Die folgenden Seiten enthalten Noten im gregorianischen Vierliniensystem, die je neun Text- und neun Notenzeilen umfassen. Der herausragend wertvolle Bilderschmuck des Buches besteht aus 71 aufwendig gestalteten Miniaturen mit Goldverzierung, 13 prächtigen Schmuckinitialen und zahlreichen feinen Kalligraphien.

Ein Meisterwerk der Geistlichkeit

Die Herkunft aus dem Kloster St. Katharinenthal und die Entstehungszeit des Graduale, nämlich in etwa das Jahr 1312, sind auf der Innenseite des Vordeckels handschriftlich festgehalten. Mindestens sechs Künstler waren an der Erschaffung des Werkes beteiligt, Namen lassen sich hier jedoch nicht feststellen. Die Raffinesse der Textgestaltung und die technische Perfektion der Malereien lassen auf zwei unfassbar talentierte Hauptmeister schließen, die mit Unterstützung ihrer nicht minder talentierten Klosterbrüder ein Werk geschaffen haben, das eine Spitzenleistung und die wohl größte Errungenschaft der gotischen Buchkunst aus dem Bodenseeraum darstellt.

Ein weltweit begehrter Buchschatz

Nach seiner Fertigstellung befand sich das Graduale bis ins 19. Jahrhundert im Kloster, wo es vom Mönchschor in den Messen benutzt wurde. Auf unbekannten Wegen gelangte es etwa um 1820 in den Besitz eines Schweizer Antisquars, der das Prachtstück in seinem Museum ausstellte und die beiden aufwendigsten und wertvollsten Miniaturseiten aus dem Werk heraustrennte. Die beiden Seiten existieren heute noch, sie sind jedoch in mehrere Teile zerlegt worden und befinden sich im Besitz verschiedenster Institutionen und Privatpersonen. Im Jahr 1958 taucht das Graduale im Nachlass des Kunstsammlers Sir Charles Dyson Perrins in England auf, welcher versteigert wurde. Der Schweizer Bundesrat erwarb das Werk in dieser Versteigerung zurück, was nur durch finanzielle Hilfeleistungen der Gottfried-Keller-Stiftung und des Kantons Thurgau ermöglicht wurde.
Seit dem 9. Dezember 1985 befindet sich der Buchschatz wieder in der Schweiz.

Künstlerische Meisterleistungen

Das unschätzbar wertvolle Graduale erlangte besondere Berühmtheit durch seinen Bilderreichtum. Die 71 Miniaturen sind ausgesprochen fein und in strahlenden Farben gezeichnet. Beinahe jedes der Bilder wurde reich mit Blattgold ausgestattet, dies zeugt vom vornehmen Charakter des Werkes. Bei der Komposition der Malereien haben sich die Künstler auf das formal wesentliche besonnen, wichtige biblische Ereignisse sind in gelassener Klarheit dargestellt. Die monumentalen Initialen und die unzählbaren kalligraphischen Elemente sind die künstlerischen Markenzeichen der Meister. Insgesamt handelt es sich beim Graduale von St. Katharinenthal um eine Meisterleistung der europäischen Gothik.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Gradual of St. Katharinenthal
Umfang / Format
628 Seiten / 48,0 x 35,0 cm
Datum
1312
Sprache
Buchschmuck
71 zart bemalten Miniaturen, reich an Golddekoration, sowie 13 kunstvolle Initialen
Vorbesitzer
Graduale von St. Katharinenthal

Graduale von St. Katharinenthal

Enthauptung Johannes’ des Täufers / Geburt Marias

Diese meisterhaften Miniaturen werden in großen historisierten Initialen dargestellt. Die obere Szene zeigt die Enthauptung Johannes des Täufers, während die untere Szene die Geburt der Jungfrau Maria darstellt. Beide sind mit poliertem Gold hinterlegt, mit hellen Farben ausgestaltet und werden von den in sich gemusterten Buchstaben M und C umfasst.

Die obere Miniatur zeigt den Moment der Enthauptung Johannes’ des Täufers: Der Henker steht auf den Zehenspitzen, sein Schwert tropft noch von Blut, aber die Hand Gottes reicht gleichzeitig von oben in die Szene hinein, um Johannes zu segnen. Links sieht man, wie sein Kopf beim Festmahl zur Schau gestellt wird. Die untere Miniatur zeichnet sich durch ihre Details aus: Beispielsweise ist der Buchstabe nicht nur mit einem komplizierten roten und blauen Muster verziert, sondern seine Spitzen wachsen sich zu Blättern in Gelb, Grün und Rot aus.

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Graduale von St. Katharinenthal“

Graduale von St. Katharinenthal
Graduale von St. Katharinenthal – LM 26117 – Schweizerisches Landesmuseum (Zürich, Schweiz) / Museum des Kantons Thurgau, Frauenfeld
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Graduale von St. Katharinenthal

Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Faksimile Verlag – Luzern, 1983
Limitierung
930 Exemplare
Einband
Echtes Nappaleder mit Eckbeschlägen, einer Mittelrosette und zwei Schließen auf drei echten Bünden. Alle Blätter dem Original entsprechend randbeschnitten.
Kommentar
1 Band von Albert Knoepfli, Ellen J. Beer, Max Lütolf, Pascal Ladner, Dietrich W.H. Schwarz und Lucas Wüthrich
Sprache: Deutsch
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Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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