Jüngeres Gebetbuch Kaiser Karls V.

Faksimile: Jüngeres Gebetbuch Kaiser Karls V.

Flandern — Nach 1540

Gotische Ästhetik und die Einflüssen der italienischen Renaissance: Wunderschöne Grisaille-Malerei für Kaiser Karl V.

  1. Der große Kunstpatron Kaiser Karl V. (1500–58) gab diese flämische Bilderhandschrift in Auftrag

  2. Die überraschend plastische Grisaille-Buchmalerei darin ist mit feinen Schattierungen und goldenen Glanzlichtern ausgeführt

  3. Die subtile und dennoch meisterhafte ausgeführte Andachtsbuch kombiniert gotische Ästhetik mit Einflüssen der italienischen Renaissance

Jüngeres Gebetbuch Kaiser Karls V.

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  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Jüngeres Gebetbuch Kaiser Karls V.

Die flämische Buchmalerei ist zu Recht weltberühmt – und schnell drängen sich farbenfrohe und lebendige Miniaturen vor das innere Auge. Der Mäzen, dem wir viele Werke dieses kulturellen Reichtums verdanken, war Kaiser Karl V. (1500–1558). Doch im vorliegenden Werk konnten seine Buchmaler zeigen, dass sie für lebendige und spannende Bilder keine Farbe brauchten: Die dunkle Grisaille-Technik verleiht in den 73 Miniaturen des Werkes den Personen eine frappierende Plastizität, die geschickt mit Goldhöhungen aufgelichtet wird. Dabei werden gotische Ästhetik und Einflüsse italienischer Renaissance-Künstler geschmackvoll miteinander in Beziehung gesetzt. Die italianisierende Note ist es neben der Farbgebung vor allem, die dieses Jüngere Gebetbuch Kaiser Karls V. von seinem etwa zwanzig Jahre zuvor entstandenen Älteren Gebetbuch unterscheidet.

Flämische Buchmalerei in höchster Vollendung

Das jüngere Gebetbuch Kaiser Karls V. – rund zwei Jahrzehnte nach dem älteren entstanden und mit seiner italianisierenden Ausstattung und der radikal veränderten Farbgebung von diesem grundverschieden – gehört zu den kostbaren Denkmälern der Spätphase der flämischen Buchmalerei.
Inhaltlich umfasst das Gebetbuch all jene kanonischen Texte, die für den Aufbau eines Stundenbuches kennzeichnend sind. Um den Kern – das Marienoffizium – sind u. a. ein Kalender, Evangelienperikopen, Ablassgebete, Gebete zu den Heiligen, Offizium zum hl. Kreuz und ein Totenoffizium gruppiert.
Die für die Wiedergabe des Textes gewählte Humanistica formata, eine die Druckantiqua nachahmende Renaissance-Schrift, bildet mit den formalen Elementen des übrigen Buchschmucks eine selten erreichte stilistische Einheit.

Faszinierende Miniaturen in Gold und Grisaille
Der Gesamtcharakter des Gebetbuches wird entscheidend bestimmt von seiner künstlerischen Ausstattung. Zu ihr gehören neben dem kalligraphischen Text 429 Initialen, 3 ganzseitige Titelbilder, 2 astronomische Uhren, 2 Vignetten und insgesamt 73 Miniaturen.
Sämtliche Schmuckelemente und Miniaturen sind in dunkler Grisalletechnik ausgeführt, wobei feine Hell-Dunkel-Abstufungen sowie Weiß- und Goldhöhungen der monochromen Malerei plastisches Leben verleihen.
Den Text beleben rote Überschriften und Gebetsbezeichnungen sowie fallweise rote Majuskeln. Zahlreich sind die Initialen, die in der Höhe von zwei Textzeilen vor die entsprechenden Gebetstexte gestellt erscheinen. Es handelt sich um geschnittene Buchstaben nach dem Muster der epigraphischen Kapitalis. Die grauen Buchstaben stehen auf schwarzem Grund, der teilweise mit Goldsand gefüllt ist und von Goldlinien gerahmt wird.
Den figuralen Schmuck bilden drei ganzseitige Titelbilder, zwei Rotulae, zwei Vignetten, 21 meist halbseitige und 52 kleinere Miniaturen. Die Bilder sind in plastisch profilierte Rahmen, die aus braunen und goldenen Leisten gebildet werden, einkomponiert.

Die Bebilderung lehnt sich in Themenwahl und fallweise in kompositorischen Details an den Illustrationszyklus des älteren Gebetbuches Karls V. an. Allerdings ist der Stil grundsätzlich ein anderer. Gegenüber der im flämischen Stil zwischen 1516 und 1519 gehaltenen Ausstattung des älteren Gebetbuches sind hier die Bilder von italienischen Meistern beeinflusst; diese italianisierende Note bildet den wesentlichen Unterschied der beiden Gebetbücher. Dazu kommt eine radikale Änderung im Kolorit insoferne, als die Miniaturen des jüngeren Gebetbuches in dunkler Grisalletechnik gehalten sind und durch Goldhöhungen aufgelichtet werden.

Mit dem jüngeren Gebetbuch Karls V. gilt es, eine für viele vielleicht überraschende Facette der flämischen Buchmalerei zu entdecken. Die reduzierte Üppigkeit des Dekors und das zurückgenommene Kolorit verleihen dem Werk einen vornehmen Charakter, der einem Gebetbuch für einen Kaiser in seinen reifen Jahren durchaus angemessen erscheint.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Das jüngere Gebetbuch Kaiser Karls V.
Younger Prayer Book of Charles V
Umfang / Format
248 Seiten / 14,0 × 7,5 cm
Herkunft
Belgien
Datum
Nach 1540
Sprache
Buchschmuck
3 ganzseitige Frontispiz, 2 astronomische Uhren, 2 Vignetten, 73 Miniaturen mit Goldschmuck und 429 Initialen
Auftraggeber
Karl V., Römischer Kaiser und König von Spanien (1500–1558)

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Faksimile: Jüngeres Gebetbuch Kaiser Karls V. – Cod. Ser. n. 13.251 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1993
Limitierung: 980 Exemplare
Detailbild

Jüngeres Gebetbuch Kaiser Karls V.

Krippenszene

Maria und Josef sind auf beiden Seiten der Krippe kniend dargestellt, in Ehrfurcht vor dem Jesuskind; Esel und Ochse tun es ihnen mit neugierigem Ausdruck gleich. Die Jungfrau und ihr wundertätiges Kind haben beide eine mit Strahlen versehenen Heiligenschein, während der von Joseph einfacher gehalten ist. Die Verwendung von Goldtinte ist besonders wirkungsvoll in Kombination mit dem Grisaille-Stil, da dieser Malweise schließlich die Farben fehlen und nur Schattierungen betont werden können. Unvollständige Gebäude im Hintergrund erwecken den Anschein, als hätte die Heilige Familie auf einer Baustelle Unterschlupf gefunden.

Das jüngere Gebetbuch Kaiser Karls V
Einzelseite

Jüngeres Gebetbuch Kaiser Karls V.

Die Festnahme Jesu

Dieses wunderbare Exemplar der Grisaille-Technik steht am Übergang von der Illumination der Gotik zu der der Renaissance und ist meisterhaft schattiert sowie mit goldenen Tintenstrichen akzentuiert. Die Miniatur bündelt die Ereignisse im Garten Getsemane und zeigt gleichzeitig den Kuss durch Judas wie auch die Verhaftung Jesu, bei der die Soldaten die Hände auf ihn legen und sich mit seinen Jüngern herumschlagen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Darstellungen dieser bekannten Passionsszene, die sich auf einen meist ruhig-resignierten Christus während der Ausführung des von ihm selbst vorhergesehenen Verrats konzentrieren, ist diese Szene durch das Chaos’ und die darin enthaltene Gewalttätigkeit bemerkenswert. Christus ist eine Insel der Gnade inmitten eines wogenden Meeres strittiger Männer, die als zeitgenössische Söldner mit Knüppeln, Schwertern, Fackeln, Speeren und Hellebarden bewaffnet sind.

Das jüngere Gebetbuch Kaiser Karls V
Faksimile-Editionen

#1 Das jüngere Gebetbuch Kaiser Karls V

Faksimile: Jüngeres Gebetbuch Kaiser Karls V. – Cod. Ser. n. 13.251 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)
Faksimile: Jüngeres Gebetbuch Kaiser Karls V. – Cod. Ser. n. 13.251 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich) Copyright Bildmaterial: Ziereis Faksimiles

Details zur Faksimile-Edition:

Limitierung: 980 Exemplare
Einband: Roter Samt. Alle Blätter sind originalgetreu randbeschnitten.
Kommentar: 1 Band (112 Seiten) von Otto Mazal
Sprache: Deutsch

Graz 1993. Einführung von Otto Mazal, Wien. 112 Seiten, 14,3 x 20,3 cm, Leinen.
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband. Die Blätter sind originalgetreu randbeschnitten.
Preiskategorie: € (unter 1.000€)
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