Littera Florentina

Littera Florentina

Als Beutegut nach Florenz: Uralte Rechtschriften im Auftrag Kaiser Justinians I.

  1. Die wichtigste erhaltene Kopie eines bedeutenden römischen Rechtstextes im Auftrag von Kaiser Justinian I. (ca. 482–565)

  2. Die Handschrift aus dem 6. Jahrhundert stammt aus Amalfi, das damals im Teil des byzantinisch kontrollierten Italiens lag

  3. Auch wenn seine Geschichte im 11. und 12. Jahrhundert noch immer diskutiert wird, kam der Codex 1406 als Beutegut nach Florenz

Littera Florentina

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Beschreibung
Littera Florentina

Die Littera Florentina ist die älteste überlieferte Abschrift der Digesten, eines Kompendiums juristischer Schriften des römischen Rechts aus dem 6. Jahrhundert, die im Auftrag des mächtigen oströmischen Kaisers Justinian I. (ca. 482–565) entstanden waren. An seinen heutigen Aufbewahrungsort in der berühmten Laurentinischen Bibliothek von Florenz gelangte der Codex in 1406 als florentinische Kriegsbeute während der Eroberung von Pisa. Seine frühere Überlieferungsgeschichte ist unter Historikern umstritten. Die Handschrift gilt als eines der bedeutendsten Dokumente der Rechtsgeschichte und seine Wiederentdeckung im lateinischen Westen im 11. oder 12. Jahrhundert gab den Anstoß für eine regelrechte Explosion neuen Interesses am Studium des römischen Rechts.

Littera Florentina

Die Littera Florentina ist eine Handschrift der Digesten, einer Sammlung juristischer Schriften des römischen Rechts, die in der Spätantike zwischen 530 und 533 im Auftrag des oströmischen Kaisers Justinian I. (ca. 482–565) zusammengestellt wurde. Die Handschrift der Florentina ist die bedeutendste handschriftliche Überlieferung dieses römischen Gesetzeswerks, sie stammt wahrscheinlich aus dem 6. Jahrhundert und ist damit der älteste Zeuge dieses Textes. Seit 1406 wird sie in der Bibilioteca Medicea Laurenziana in Florenz aufbewahrt. Davor soll der Codex im Jahr 1135 während des Kriegs zwischen dem normannischen König von Sizilien, Roger II. (1095–1154), und Papst Innozenz II. (reg. 1130-43) vom römisch-deutschen Kaiser Lothar III. (1075–1137), einem Verbündeten des Papstes, als Kriegsbeute aus der Stadt Amalfi gestohlen worden sein. Amalfi war seit der Rückeroberung durch den oströmischen Feldherrn Belisar (ca. 500–565) vom 6. bis zum 9. Jahrhundert Teil des Byzantinischen (Oströmischen) Reichs, was den Aufenthalt der Digesten-Handschrift dort erklärt. Das einzigartige Exemplar wird hier zusammen mit anderen mittelalterlichen Schriften präsentiert, um einen umfassenden Überblick über dieses bedeutende Stück Rechtsgeschichte zu geben.

Ein historischer Gesetzestext

Der umfangreiche Gesetzestext ist in griechischer Sprache verfasst und zweispaltig in scriptura continua geschrieben, einer Unzialschrift ohne Leerräume zwischen den einzelnen Wörtern und ohne Satzzeichen, die wahrscheinlich gewählt wurde, um eine größtmögliche Textmenge in dem Dokument unterzubringen. Als im Mittelalter im lateinischen Westen die Quellen des römischen Rechts wiederentdeckt wurden, war Irnerius von Bologna (ca. 1050- nach 1125), Begründer der berühmten Glossatorenschule von Bologna, der Erste, der dem Werk ein Glossar als Lektürehilfe hinzufügte, das nach seinem Tod von seinen Studenten weitergeführt wurde. Die Rechtsschule von Bologna war über Jahrhunderte hinweg das bedeutendste Zentrum des Studiums der Jurisprudenz. Einer gängigen Annahme zufolge gehen sämtliche spätere Handschriften der Digesten aus dem Mittelalter, die sogenannten Vulgathandschriften, auf die Textgrundlage der Florentina zurück, worauf sich der Zusatz littera gründet. Die Geschichte der Florentina ist wechselvoll: Nach der Plünderung von Amalfi durch die Pisaner und Truppen des deutsch-römischen Kaisers Lothar III. in 1137 gelangte der Codex nach Pisa und trug daher im Mittelalter den Namen Littera Pisana**. Bei der Eroberung von Pisa durch Florenz in 1406 kam die Handschrift schließlich durch Raub nach Florenz und heißt seitdem *Littera Florentina. Andere historische Quellen legen nahe, dass der Codex in 1070 in Florenz entdeckt wurde und wohl eine tragende Rolle bei der Gründung der Universität von Bologna in 1088 spielte, die sich anfänglich nur mit der Lehre des römischen Rechts beschäftigte. Die Geschichte der Florentina im 11. und 12. Jahrhundert bleibt also unter Rechtshistorikern weiterhin umstritten, unangefochten jedoch ist ihre Bedeutung für die Rechtsgeschichte und für die Laurentinische Bibliothek von Florenz, der sie seit mehr als 600 Jahren als eines ihrer wertvollsten Besitztümer angehört.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Justiniani Augusti pandectarum codex Florentinus
Codex Florentinus
Pandette
Sprache

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Faksimile-Editionen

#1 Justiniani Augusti Pandectarum - Codex Florentinus

Leo S. Olschki – Florenz, 1988

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Leo S. Olschki – Florenz, 1988
Kommentar: 1 Band von Alessandro Corbino, Bernardo Santalucia
Sprache: Italienisch
Faksimile: 1 Band Teilfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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