Macclesfield-Psalter

Macclesfield-Psalter Faksimile

East Anglia, wohl Norwich (Vereinigtes Königreich) — Ca. 1330–1340

Macclesfield-Psalter

  1. Beschreibung
  2. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Macclesfield-Psalter

Die 252 Seiten dieser kleinformatigen Handschrift, die nach ihrem letzten Besitzer, dem Earl of Macclesfield, benannt ist, sind mit Miniaturen, historisierten und zoomorphen Initialen, Drolerien und anderem Randdekor prachtvoll illuminiert. Sie ist eine der aufregendsten Entdeckungen aus der Welt der illuminierten Handschriften seit Menschengedenken: 1330-40 entstanden, wurde sie erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts in der Bibliothek von Shirburn Castle entdeckt, wo sie mehrere Jahrhunderte lang im Verborgenen gelegen haben muss. Die Handschrift enthält nicht nur das Buch der Psalmen, sondern auch einen Kalender und verschiedene Gebetstexte wie das Totenoffizium. Sie scheint für den privaten Gebrauch eines jungen Adligen angefertigt worden zu sein, der am Anfang des Beichtgebets abgebildet ist.

Macclesfield-Psalter

Alle 252 Seiten dieses kleinen Meisterwerks der englischen gotischen Buchmalerei sind reich verziert: mit meisterhaften Miniaturen und historisierten Initialen mit glänzenden goldenen oder gemusterten Hintergründen, seltsamen und faszinierenden Skurrilitäten und Tieren an den Rändern sowie pflanzlichen Bordüren mit verschlungenen Ranken. Dieser prächtige Psalter, der um 1330-40 in East Anglia, wahrscheinlich in Norwich, entstand, wurde erst kürzlich nach jahrhundertelangem Schlaf der Vergessenheit als ein weiterer Codex in der Bibliothek von Shirburn Castle, dem ehemaligen Sitz der Grafen von Macclesfield, wiederentdeckt. Das Bildprogramm wurde von den unbekannten Künstlern, die für ihn verantwortlich zeichnen, mit größter Sorgfalt gestaltet und macht ihn zu einem besonders raffinierten Beispiel für die ohnehin schon beeindruckenden englischen Psalter, die in dieser Zeit erschaffen wurden.

Nach Jahrhunderten wiederentdeckt

Nachdem er jahrhundertelang unerkannt in einem staubigen Regal in der Bibliothek von Shirburn Castle gelegen hatte, wurde der Macclesfield-Psalter entdeckt, als die Bibliothek für den Verkauf katalogisiert wurde, und wurde 2004 auf einer Auktion angeboten. Obwohl das Getty-Museum in Kalifornien zunächst den Zuschlag für 1,7 Millionen Pfund erhielt, durfte der Psalter nicht exportiert werden, und das Fitzwilliam-Museum der Universität Cambridge konnte das Gebot überbieten und den Psalter mit einem Beitrag von 860 000 Pfund aus dem National Heritage Memorial Fund der britischen Regierung in England behalten. Nach seiner Restaurierung und Wiederherstellung wurde der Psalter erstmals 2008 öffentlich ausgestellt und ist auch heute noch ein Höhepunkt in der Sammlung der Bibliothek.

Ein Meisterwerk aus East Anglia

Der Macclesfield-Psalter ist ein schönes Beispiel für die zentrale Tradition der Handschriften aus East Anglia, insbesondere im Hinblick auf seine meisterlichen Drolerien. Dazu gehören phantasievolle Kreaturen, Mischwesen und unzüchtige Motive, die dem modernen Betrachter seltsam erscheinen mögen; ihre Bedeutung dürfte jedoch nicht nur für das mittelalterliche Publikum offensichtlich gewesen sein, sondern wird auch als Wegweiser gedient haben, um dem Leser die Orientierung im Text zu erleichtern. Es handelt sich also nicht um willkürlich eingefügte Bilder, sondern um eine sorgfältige Auswahl im Hinblick auf die Texte, die sie begleiten. Der humorvolle Charakter dieser Bas-de-page-Szenen gilt als ein Markenzeichen der ostenglischen Buchmalerei.

Ein begehrtes Kunstwerk

Dieses prächtige Manuskript ist durch viele Hände gegangen, was sich an den verschiedenen Wappen zeigt, die im Laufe der Jahrhunderte ausradiert und ersetzt wurden. Obwohl exakte Beweise längst verloren gegangen sind, wird vermutet, dass der ursprüngliche Auftraggeber John de Warenne (1286-1347), 7. Graf von Surrey, gewesen sein könnte. Der Dominikanermönch, der in der gesamten Handschrift auftaucht, könnte sein Beichtvater gewesen sein und auch die Erstellung des Psalters beaufsichtigt haben. Es gibt auch andere Anzeichen dafür, dass die Handschrift häufig benutzt wurde, bevor sie in den Stapeln der Bibliothek von Macclesfield zwischenzeitlich verloren ging. So wurde z. B. das Gesicht des Teufels weggekratzt auf einer Seite von einem früheren Besitzer, der sich offenbar durch dessen furchterregende Visage unwohl fühlte. Neben dem Buch der Psalmen enthält das Manuskript auch einen Kalender, Gesänge, eine Litanei, das Totenoffizium, ein Beichtgebet und sechs Gebete zu Christus, die alle von der angezielten persönlichen Verwendung zeugen.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Macclesfield Psalter
Umfang / Format
504 Seiten / 17,0 × 10,8 cm
Datum
Ca. 1330–1340
Stil
Sprache
Schrift
Textualis
Buchschmuck
Ganzseitige Miniaturen, historisierte Initialen und zahlreiche Marginalien schmücken jede Seite des Werks
Inhalt
150 Psalmen; Totenoffizium
Vorbesitzer
Earl of Macclesfield

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Faksimile-Editionen

#1 The Macclesfield Psalter

Details zur Faksimile-Edition:

Kommentar: 1 Band von Stella Panayotova
Sprache: Englisch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
€ (unter 1.000€)
Ausgabe bei uns verfügbar
Preis: Hier anmelden!
Das könnte Sie auch interessieren:
Psalter des Robert de Lisle Faksimile
Psalter des Robert de Lisle
Westminster (Vereinigtes Königreich) – Um 1310–1320

38 prächtige Seiten erhalten: Ein prächtig geschmücktes Meisterwerk der englischen Gotik mit Malereien wie Altarbilder

Erfahren Sie mehr
Luttrell-Psalter Faksimile
Luttrell-Psalter
Lincoln (Vereinigtes Königreich) – Ca. 1325–1335

10 Jahre für 600 illuminierte Seiten: Das mittelalterliche Leben in einzigartigen Miniaturen

Erfahren Sie mehr
Lesenswerte Blog-Artikel
Filterauswahl
Verlag