Eine von nur vier illuminierten Handschriften des ersten Rechtstextes der Geschichte in deutscher Sprache

Oldenburger Sachsenspiegel

Kloster von Rastede (Deutschland) — 1336

Oldenburger Sachsenspiegel

Oldenburger Sachsenspiegel

Kloster von Rastede (Deutschland) — 1336

  1. Eine von nur vier illumierten Handschriften des berühmten Rechtstexts des Eike von Repgow (ca. 1180-1233)

  2. Dieser Grundlagentext zum mittelalterlichen deutschen Recht ist auch eine reichhaltige Quelle der Kulturgeschichte

  3. Sprache, Gerichtsbarkeit und Populärkultur: Sie zeigt deutlich, wie unsere Generation in einer längst vergangenen Vergangenheit verwurzelt ist

Oldenburger Sachsenspiegel

Alternativ-Titel:
  • Oldenburg Mirror of Saxony
Oldenburger Sachsenspiegel – CIM I 410 – Landesbibliothek (Oldenburg, Deutschland)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Heute bedürfen Gesetze und Verträge selbstverständlich der Schriftform. Doch im 13. Jahrhundert war noch das Gegenteil der Fall und der Schritt zur Verschriftlichung des bisher nur mündlich überlieferten Gewohnheitsrechts musste erst noch gegangen werden. Eike von Repgow hielt zwischen 1224 und 1230 im „Sachsenspiegel“ Land- und Lehnrecht seiner Zeit fest und schuf damit das erste Prosawerk des Mittelniederdeutschen. Sein Ziel war es, durch Eindeutschung und Verschriftlichung des Rechts für mehr Rechtssicherheit zu sorgen. Im Falle des Oldenburger Sachsenspiegels lässt sich sogar von einer „Verbildlichung des Rechts“ sprechen, da er zu den sogenannten Codices picturati zählt, die in einer eigenen Bildspalte den Text zeichnerisch höchst kunstfertig komprimieren. Dadurch bietet dieser Codex auch ein unerschöpfliches Reservoir für Fragen der Sachkultur und der Mentalitätsgeschichte des Mittelalters.

Faszinierende Miniaturen zur deutschen Rechtsgeschichte

Mehr als in jeder anderen Epoche war das Leben des Menschen im Mittelalter von außen her bestimmt – durch normative Richtlinien, die sämtliche Bereiche des Lebens regeln und als Orientierungshilfen für die Bewältigung des Alltags dienen sollten. Dies galt selbstverständlich auch für den Bereich des Rechts.
Zu den frühesten und interessantesten Werken der mittelalterlichen Rechtsbücherliteratur gehört die Gruppe der „Sachsenspiegel“. Darunter versteht man Aufzeichnungen des angewandten Rechts, die nicht mehr in einer der üblichen Bildungssprachen, Griechisch oder Latein, sondern in der Volkssprache abgefaßt sind und sich auf einen bestimmten Anwendungsbereich (wie eine Stadt oder eine Region) beziehen. Bereits in zeitgenössischen Quellen werden diese Texte häufig als „spiegel“ bezeichnet, weil sie, wie die Spiegel-Literatur des lateinischen Mittelalters, ein Stück der christlichen Weltordnung wiedergeben, das für ein bestimmtes Lebensgebiet (im Fall des „Sachsenspiegels“ für das Rechtsleben) erkennbar Vorbildcharakter besitzt.

Eike von Repgow
Autor des „Sachsenspiegels“ ist Eike von Repgow, der den Text zwischen 1224 und 1230/31 aus einer (verlorenen) lateinischen Erstfassung in die Sprache seiner engeren Heimat, das Mittelniederdeutsche des Elbe-Saale-Gebietes, übertrug.
Die Aufzeichnung des bis dahin ungeschriebenen sächsischen Gewohnheitsrechts entsprach einem allgemeinen, immer stärker werdenden Bedürfnis der Zeit nach der Sicherung von Frieden und Recht durch Ver-schriftlichung. Allen diesbezüglichen Bemühungen war eines gemeinsam: die Einbindung der konkreten, gewohnheitsbedingten Normen in ein universelles christliches Weltverständnis. Daß es bei der Frage nach der wahren christlichen Gesinnung zu erheblichen Auslegungsunterschieden kommen konnte, läßt sich auch anhand des „Sachsenspiegels“ belegen: 1374 verdammte Papst Gregor XI. durch die Bulle „Salvator humani generis“ 14 Artikel des „Sachsenspiegels“ als ketzerisch.

Ein weit verbreiteter Text
Unter den weit über 400 Handschriften und Fragmenten, die vom „Sachsenspiegel“ Eikes von Repgow erhalten sind, finden sich vier Codices picturati, Bilderhandschriften, die sich durch die Illustration des Textes in einer besonderen Bildspalte auszeichnen. Von diesen ist der Oldenburger Codex das einzige Exemplar, das uns in einer Art Nachwort über Datum, Schreiber und Auftraggeber unterrichtet. Eike von Repgows Text wurde im Jahre 1336 vom Benediktinermönch Hinrik Gloyesten im Auftrag des Grafen Johanns III. von Oldenburg im Kloster Rastede geschrieben. Seit seiner Entstehung befand sich der Codex – von einem 180 Jahre währenden Zwischenspiel bei den Reichsgrafen von Bentinck abgesehen – immer im Eigentum der Nachfolger des Auftraggebers, ehe er 1991 in den Besitz der Niedersächsischen Sparkassenstiftung in Hannover überging.
Mit dem Auftrag zur Rechtsaufzeichnung wollte Johann III. der zunehmenden Rechtsunsicherheit in seinem Land begegnen. Fast alle älteren Ritter und Dienstleute waren gestorben, und von den Jüngeren war kaum jemand mit den Rechtssätzen der Vorväter vertraut. Diese wieder ins Bewußtsein zu rufen, sie in Kenntnis und Anwendung zu festigen, darin bestand die Hauptaufgabe des Oldenburger „Sachsenspiegels“.

Eindrucksvolle Bildstreifen
Seiner Bestimmung als Unterrichtswerk didaktischen Charakters entsprechend enthält der Oldenburger Codex sämtliche Aspekte des zeitgenössischen Rechtslebens, des für jedermann geltenden Landrechts und des Lehnrechts. Die eindeutig formulierten Rechte und Pflichten des einzelnen innerhalb einer bestimmten Gesellschaftsschicht und ihre Einforderung durch geistliche und weltliche Gerichte bilden den Ausgangspunkt, von dem aus alle Detailfragen abgehandelt werden. Der Leser erhält auf eindrückliche Art und Weise die notwendige Rechtsbelehrung.
Unterstützt wird diese durch die mit großer Kunstfertigkeit ausgeführten, teilweise farbenprächtig kolorierten, teilweise in einfachem Umriß stehengebliebenen Federzeichnungen, die den Text begleiten. In einem wesentlichen Punkt führen die Illustrationen aber auch über den Text hinaus: Ungeachtet der typologischen Muster, denen sie wie alle mittelalterlichen Bildkompositionen verpflichtet sind, enthalten sie eine Fülle von Einzelheiten zur zeitgenössischen Lebensrealität. Was hier in Kleidung, Bewaffnung und Gerätschaften, in Außen- und Innenarchitekturen an materieller Sachkultur und in Haltung und Gebärdensprache an Mentalitätsgeschichte dargestellt wird, bietet ein unerschöpfliches Reservoir für die Erforschung der mittelalterlichen Alltagskultur. Diese engen Bezüge zum vornehmlich bäuerlichen Alltag sind nicht verwunderlich, liegt es doch in der Natur des Rechts, daß es sich in der einen oder anderen Weise auf sämtliche Bereiche des Lebens bezieht. Und die Normen, die in dem Rechtsbuch schriftlich niedergelegt sind, bilden den Rahmen, in dem sich der Mensch tagtäglich bewegte.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Oldenburg Mirror of Saxony
Umfang / Format
272 Seiten / 32,8 x 22,8 cm
Datum
1336
Sprache
Buchschmuck
Jede Seite mit Textabbildungen
Auftraggeber
Graf Johann III. von Oldenburg
Künstler / Schule
Der Oldenburger Sachsenspiegel

Oldenburger Sachsenspiegel

Autorenporträt / Landrecht

Diese Seite, auf der der Bereich des Werkes über das Landrecht oder „Gewohnheitsrecht“ beginnt, enthält auch ein Porträt des Verfassers – Eike von Repgow (1180-1235). Er sitzt auf einem Thron und wird von seinem rot-gold gestreiften Wappen flankiert, während eine Taube mit Heiligenschein, die die Inspiration des Heiligen Geistes darstellt, das Manuskript, das er zu schreiben gedenkt, in seinen Schoß legt.

Unten sehen wir ein Bild von einem ruhigen, vielleicht sogar glücklichen Christus, der ein Schwert in der einen Hand hält und mit der anderen eine Segensgeste macht. Er sitzt zwischen einem König und einem Monster mit einer Drolerie im Maul, vielleicht einem Symbol für den Höllenschlund. Dies und das weitere Bild von Christus, der einen nackten Sünder segnet, repräsentieren die von Gott gegebene Ordnung des Universums in Kombination mit der Barmherzigkeit seines Sohnes.

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Oldenburger Sachsenspiegel“

Der Oldenburger Sachsenspiegel
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Der Oldenburger Sachsenspiegel

Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1995
Limitierung
530 Exemplare
Einband
Leder mit Blindprägung und 2 Messingschließen (Kopie des um 1877 gefertigten Einbands des Originals). Die einzelnen Blätter sind dem Original entsprechend randbeschnitten.
Kommentar
2 Bände (352/324 Seiten) von Ruth Schmidt-Wiegund
Sprache: Deutsch

Im Auftrag der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, Hannover, herausgegeben von Ruth Schmidt-Wiegand. 2 Bände:
a) Textband: 352 Seiten, 23 x 35,5 cm, Leinen.
b) Kommentarband: 324 Seiten, 23 x 35,5 cm, Leinen.
b) Commentary Band: 324 pp., size: 23 x 35,5 cm, cloth.
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband. Die Blätter sind originalgetreu randbeschnitten.
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