Reichenauer Martyrologium für Kaiser Lothar I.

Reichenauer Martyrologium für Kaiser Lothar I.

Kloster Reichenau (Deutschland) — 848–855

Ein karolingisches Meisterwerk: Das Leben und Martyrium der Heiligen zusammen mit Darstellungen des ländlichen Alltags im 9. Jahrhundert

  1. Dieses karolingische Meisterwerk wurde vom Benediktinermönch Wandalbert von Prüm für Kaiser Lothar I. (795–855) komponiert

  2. Alle Märtyrer und Heiligen der Kirche sind zusammen mit dem Ort ihres Grabes oder Schreins aufgeführt

  3. Die Martyrologie wird von einem Kalender begleitet, der den ländlichen Alltag im 9. Jahrhundert darstellt

Reichenauer Martyrologium für Kaiser Lothar I.

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  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Reichenauer Martyrologium für Kaiser Lothar I.

Das Reichenauer Martyrologium wurde etwa 855 für Kaiser Lothar I. angefertigt. Das Werk wurde vom gebildeten Benediktinermönch Wandalbert von Prüm verfasst, der für einige der schönsten liturgischen Handschriften des frühen Mittelalters verantwortlich war. Das Martyrologium enthält neben einem Verzeichnis zu den Festtagen der Heiligen auch ein Kalendergedicht, das das mittelalterliche Leben auf dem Land nach dem Ablauf des Jahres schildert.

Das Reichenauer Martyrologium für Kaiser Lothar I.

Etwa 839 war die Benediktinerabtei Prüm das bedeutendste Kloster der Karolinger. Zu diesem Zeitpunkt war der hochgebildete Wandalbert Mönch in jener Abtei. Vom Leben Wandalberts ist nicht viel bekannt. Er war Diakon, einflussreicher Theologe und der bedeutendste Poet des Klosters Prüm. Höchste geistliche Würdenträger schätzten den Dichter so sehr, dass sie ihn regelmäßig mit dem Verfassen lateinischer Prunkhandschriften beauftragten und ihm bei der Gestaltung keine finanziellen Grenzen setzten. Unter jenen kostbaren Handschriften befindet sich auch das Martyrologium für Kaiser Lothar I. Dieses Schmuckstück ist die bekannteste Arbeit des Benediktinermönches.

Was ist ein Martyrologium?

Ein Martyrologium ist ein Verzeichnis von Märtyrern und anderen Heiligen, meist mit Angabe ihrer Lebensumstände und ihrer Todesart. Spätestens seit dem 4. Jahrhundert gab es für einzelne Ortskirchen Kalendarien mit den Festen der dort verehrten Märtyrer. Aus der Zusammenstellung solcher Märtyrerverzeichnisse entstanden Martyrologien, die die Märtyrer und Heiligen der gesamten Kirche mitsamt dem Ort ihres Grabes oder ihrer Verehrung aufführten. Die einzelnen Einträge wurden seit dem Mittelalter mit Einzelheiten aus der Vita der Heiligen angereichert.

Ein Martyrologium für den König

Das Martyrologium Wandalberts wurde in der Zeit zwischen 848 und 855 fertiggestellt. Der liturgische Heiligenkalender ist in Versen gehalten und wurde für Kaiser Lothar I. (795–855) angefertigt. Der Karolinger Lothar I. war der Sohn Ludwigs des Frommen und dessen Frau Irmingard. Er war König der Bayern, Langobarden und bis zu seinem Tod im Jahre 855 römischer Kaiser. Er starb in der Abtei Prüm, seine Gebeine wurden in der Abteikirche begraben. Das prächtige Martyrologium wurde möglicherweise zum Andenken an Lothar angefertigt und könnte seinem Bruder König Ludwig dem Deutschen (ca. 806-876) geschenkt worden sein.

Prunkvoller Buchschmuck

Der Text des Martyrologiums wurde in lateinischen Hexametern abgefasst. Den Hauptteil des Werkes bildet die Dichtung zu den Festtagen der Heiligen. Dem eigentlichen Martyrologium wurde ein Kalendergedicht beigefügt, das von den alltäglichen Dingen des Lebens im neunten Jahrhundert berichtet. Das Gedicht handelt von den Monaten und Jahreszeiten. Es beschreibt das einfache Leben auf dem Land, das sich nach dem Ablauf des Jahres richtet. Die Jagd, die Fischerei, der Obstbau und der Weinbau werden nach dem Jahreslauf geschildert. Die Handschrift ist mit 12 ganzseitigen, farbigen Miniaturen ausgestattet. Die Illustrationen im einnehmend naiven karolingischen Stil sind reich mit Gold verziert. Die Bilder stellen monatstypische Szenen dar, beispielsweise zeigt das Bild für den Kalendermonat Juli einen Bauern mit einer Sense. Das Martyrologium ist ein kostbares Werk frühmittelalterlicher Buchkunst und ist gleichzeitig eine verlässliche Geschichtsquelle.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Martyrologium von Wandalbet von Prüm
Martyrologium of Wandalbert of Prum
Umfang / Format
72 Seiten / 19,0 × 14,2 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
848–855
Sprache
Schrift
Karolingische Minuskel Unzialis
Buchschmuck
12 ganzseitige Miniaturen, zahlreiche Initialen und wichtige Texte in Goldtinte, Diagramme der Arche Noah, der freien Künste und eines Labyrinths
Inhalt
Kalender mit Szenen aus dem Alltagsleben, Matryrologie nach Bede, vier astronomische Texte
Auftraggeber
Otrich, ein Priester aus Köln
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Wahrscheinlich für Kaiser Lothar I. oder König Ludwig den Deutschen bestimmt

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Reichenauer Martyrologium für Kaiser Lothar I. – Cod. Reg. lat. 438 – Biblioteca Apostolica Vaticana (Vaticanstadt, Vaticanstadt)
Belser Verlag – Zürich, 1997
Limitierung: 900 Exemplare
Detailbild

Reichenauer Martyrologium für Kaiser Lothar I.

Juli: Weizenernte

Dies ist die bemerkenswerte vergoldete Miniatur eines Bauern, der seine Sense schwingt, die nicht nur über den Rahmen hinausragt, sondern für den Betrachter fast einen 3-D-Effekt hat. Der Mann selbst steht kräftig und breit mit gebeugten Knien und muskulösen Waden. Ein Krebs ist wohl als das zugehörige Sternzeichen zu betrachten, obwohl er eher einer Drolerie eines achtbeinigen Käfers mit menschlichem Gesicht ähnelt. Die beiden kleinen Figuren, die die Säulen stützen, stehen für die einfachen Leute, auf denen die Gesellschaft aufruhte.

Reichenauer Martyrologium für Kaiser Lothar I.
Einzelseite

Reichenauer Martyrologium für Kaiser Lothar I.

Präsentationsminiatur

Dieses frühe Martyrologium zeigt Bilder vom Leben und Tod von Heiligen sowie vom ländlichen Leben im fränkischen Reich während der Regierungszeit von Kaiser Lothar I. (795–855), dem Sohn Ludwigs des Frommen (778–840). Die klassisch gestaltete Miniatur zeigt die Übergabe dieses Manuskripts an den Kaiser durch den Verfasser Wandalbert von Prüm. Obwohl Spuren von Abnutzung deutlich zu erkennen sind, ist es immer noch eine meisterhafte Darstellung im Stil der Spätantike.

Gerahmt von zwei Säulen, die mit einem Tuch verbunden sind, kniet Wandalbert mit gut erkennbarer Tonsur in einer grünen Tunika vor dem Kaiser. Ein bärtiger Lothar trägt eine blaue Tunika und einen vormals roten Mantel, der jetzt braun verblasst ist, und nimmt den Codex mit der linken Hand entgegen. Die Gesichter der Figuren sind bemerkenswert ausdrucksstark: Lothar wirkt königlich-gelassen, während Wandalberts Gesichtsausdruck zurückhaltend-vorsichtig ist.

Reichenauer Martyrologium für Kaiser Lothar I.
Faksimile-Editionen

#1 Reichenauer Martyrologium für Kaiser Lothar I.

Belser Verlag – Zürich, 1997

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Belser Verlag – Zürich, 1997
Limitierung: 900 Exemplare
Einband: Halbleder über Holzdeckeln mit Medaille auf dem vordernen Buchdeckel
Kommentar: 1 Band (80 Seiten) von Hans-Walter Stork
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten) Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
Preiskategorie: € (unter 1.000€)
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