Sakramentar von Beauvais

Sakramentar von Beauvais – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Ms. Ludwig V 1 – J. Paul Getty Museum (Los Angeles, USA)

Abtei Saint-Benoît-de-Fleury, Fleury, oder Beauvais (Frankreich) — erstes Viertel des 11. Jahrhunderts

Im 19. Jahrhundert in all seine Einzelteile zerlegt und teuer verkauft: Gold, Silber und Purpur auf zehn überbordend illuminierten Blättern eines besonderen Sakramentars für die höchsten Feiertage des christlichen Kalenders

  1. Zehn spektakuläre erhaltene Blätter eines Werkes, das möglicherweise von König Robert dem Frommen für die Konsekration seines Sohnes Hugo Magnus in Auftrag gegeben wurde

  2. Der Empfänger dieses besonderen Sakramentars war vermutlich der erste Fürstbischof von Beauvais, Roger de Blois, der der Zeremonie 1017 beiwohnte

  3. Diese Blätter blieben offenbar aufgrund ihrer Schönheit und der großzügigen Verwendung von Gold und Silber in Schrift und Illumination erhalten

Sakramentar von Beauvais

Ausgabe bei uns verfügbar!
Preiskategorie: €€
(1.000€ - 3.000€)
  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (2)
Beschreibung
Sakramentar von Beauvais

Die Überlieferung so geschichtsträchtiger Zeitzeugen, wie es mittelalterliche Codices sind, geht manchmal ihre eigenen Wege: So sind von dem sogenannten Sakramentar von Beauvais heute nur noch zehn feine und mit besonders viel Gold und Silber verzierte Seiten erhalten. Drei von ihnen wurden mit goldener Tinte auf Purpurgrund geschrieben. Grund für den Verlust der übrigen Seiten war die Profitgier eines Buchhändlers im frühen 19. Jahrhundert, der die kostbare Handschrift zerteilte, um durch den Verkauf der einzelnen Partien einen höheren Gewinn erzielen zu können – das war zu dieser Zeit eine gängige Praxis. Als Fürstbischof Roger de Blois (gest. 1024), der Bischof von Beauvais, das Sakramentar vermutlich als Geschenk von König Robert II. (ca. 972–1031) erhielt, umfasste es wohl die Gebetstexte für die Messe. Ostern, Weihnachten und Christi Himmelfahrt finden sich unter den heute noch erhaltenen Seiten, was ihre besonders prächtige Ausstattung zusätzlich erklärt.

Sakramentar von Beauvais

Das Sakramentar von Beauvais in der Sammlung des J. Paul Getty Museums in Los Angeles (Ms. Ludwig V 1) ist eine von zwei aufwendigen liturgischen Handschriften, die mit ziemlicher Sicherheit in Nordfrankreich von einem italienischen Schreiber angefertigt wurden, der die Bände möglicherweise sogar selbst illuminiert haben könnte. Von dem ursprünglichen Buch sind nur zehn Blätter bis heute erhalten geblieben, die sich aber durch ihre Schönheit und den großzügigen Gebrauch von Gold und - noch bemerkenswerter - Silber auszeichnen. Unter den erhaltenen Blättern befinden sich drei Seiten mit in Gold geschriebenem Text auf gemaltem Purpurgrund, eine atemberaubende ganzseitige Kreuzigungsszene und eine fast ganzseitige Initiale in Gold und Silber, sowie kleinere gemalte Initialen.

Gold und Purpur für die Messe

In ihrem vollständigen Zustand war die Handschrift den Kanonikern der Kathedrale von Beauvais im 17. Jahrhundert als "Missale des Roger von Champagne" bekannt. Es handelte sich allerdings nicht um ein Missale, sondern um dessen liturgiehistorischen Vorgänger: ein Sakramentar. Sakramentare gehörten im Frühmittelalter zu den wichtigsten liturgischen Büchern. Sie enthielten die Gebete, die der zelebrierende Priester bei der Messe spricht. Zusätzliche Bücher wie Lektionare und Graduale lieferten die anderen Teile der Messe, also Lesungen und Gesänge.

Ein Sakramentar für den Fürstbischof von Beauvais

Mit der Verbindung zu Roger von Champagne – auch bekannt als Roger de Blois (gest. 1024) – lagen die Beauvaiser Kanoniker wohl aber nicht falsch. Roger war Fürstbischof von Beauvais und wohnte als hochrangiger kirchlicher Würdenträger der Weihe und Krönung Hugos von Frankreich zum französischen Mitkönig bei. Diese fand am 9. Juni 1017 in der Abteikirche Saint-Corneille von Compiègne statt, also ganz in der Nähe von Beauvais. König Robert II, der Fromme, Hugos Vater, ließ die Handschrift möglicherweise zu diesem Anlass eigens als Geschenk für Roger de Blois anfertige. Dafür spricht sowohl die opulente Ausstattung als auch die darin vorkommenden Gebete an Heilige, die in Beauvais besonders verehrt wurden, darunter die Heiligen Quentin und Cassien. Der kostbare Codex war vermutlich ein äußerst passend ausgewähltes Geschenk, war Roger doch dafür bekannt, prächtige liturgische Objekte verschiedener Art für seine Kathedrale zu beauftragen.

Das Werk eines Meisters

Der begnadete Buchmaler des Sakramentars von Beauvais, der sowohl mit Farben aus Edelmetallen als auch mit ebenfalls kostbaren nicht-metallischen Pigmenten arbeitete, war in den Feinheiten des raffinierten Flechtwerks ebenso geübt wie in der überzeugenden Darstellung menschlicher Figuren. Das Geflecht auf der Kreuzigungsseite und das Geflecht des Buchstabens "D" an Ostern bestehen jeweils aus drei separaten Strängen. Auf der Kreuzigungsseite definiert ein einzelner, durchgehender Strang das Kreuz, zwei weitere bilden den Rahmen, die sich alle zu einem zusammenhängenden Ganzen verflechten. So üppig das Geflecht auch sein mag, es lenkt doch nicht von der Konzentration auf die Rolle Christi in der Heilsgeschichte ab. Der Künstler hat sowohl die menschliche Figur, besonders in der Muskulatur des Oberkörpers Christi, als auch das Pathos des Ereignisses meisterhaft herausgearbeitet.

Ein italienischer Schreiber in Frankreich

Das Werk des Schreibers des Beauvais-Sakramentars findet sich in einem französischen Evangelien-Lektionar, das laut Widmungsinschrift von einem Schreiber "aus Italien geschrieben wurde, der alle Bereiche an intellektueller Brillanz übertrifft" (Paris, Bibliothèque nationale de France, MS lat. 1126). Aspekte seiner Schrift zeigen zudem die Vertrautheit mit Mailänder Konventionen. Mittlerweile konnten sowohl die wunderbare Illumination als auch der meisterliche Text dem Buchmaler Nivardus von Mailand zugeschrieben werden. Er war um 1000 aktiv und illuminierte zunächst Handschriften für den Mailänder Bischof, bevor er an die Abtei von Saint-Benoît-sur-Loire berufen wurde, wo er wahrscheinlich dieses prächtige Sakramentar schuf.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Sacramentary of Beauvais
Umfang / Format
20 Seiten / 23,2 × 17,8 cm
Herkunft
Frankreich
Datum
erstes Viertel des 11. Jahrhunderts
Stil
Sprache
Schrift
Karolingische Minuskel, Unzialis, Capitalis Rustica
Buchschmuck
1 ganzseitige Miniatur der Kreuzigung; 4 Flechtbandinitialen in Gold und Silber, 1 davon ganzseitig und bewohnt; 3 Text- bzw. Incipit-Seite mit Purpurgrund; durchgehende Chrysografie (Goldschrift)
Inhalt
Fragmente eines Sakramentars
Auftraggeber
Robert II., König von Frankreich (ca. 972–1031) ?
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Roger de Blois, Fürstbischof von Beauvais (gest. 1024)
Walter Sneyd
Charles Fairfax Murray
Charles Williams Dyson Perrins
Hans Peter Kraus
Peter und Irene Ludwig

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Sakramentar von Beauvais – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Ms. Ludwig V 1 – J. Paul Getty Museum (Los Angeles, USA)
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 2010
Limitierung: 111 Exemplare

Sakramentar von Beauvais – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Ms. Ludwig V 1 – J. Paul Getty Museum (Los Angeles, USA)
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 2010
Limitierung: 444 Exemplare
Detailbild

Sakramentar von Beauvais

Zwei Kletterer

Die verschlungene Zierinitiale auf dieser Seite wird gerahmt von zwei Säulen, die sich in der oberen Bildhälfte zu goldenen Bäumen verästeln. Die oberen Zweige werden just von zwei Jünglingen erklommen, die in komplementären Gewändern daherkommen: so trägt der linke eine graue Tunika über lilafarbenen Beinlingen, der rechte eine lilafarbene Tunika über grauen Beinlingen. Mittels roten und schwarzen Konturlinien hob der Miniaturist zudem die glänzenden goldenen und silbernen Details besonders hervor.

Sakramentar von Beauvais – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Ms. Ludwig V 1 – J. Paul Getty Museum (Los Angeles, USA)
Einzelseite

Sakramentar von Beauvais

Kreuzigung – Te Igitur

Diese außergewöhnliche Komposition aus Purpur, Silber und Gold wird einem gewissen Nivardus von Mailand (flor. ca. 1000) zugeschrieben. Das Kreuz dieser Kreuzigungsszene bildet den ersten Buchstaben T des eucharistischen Gebets Te igitur. Christus triumphiert hier mit offenen Augen über den Tod: goldene Punkte stehen für die Nägel in seinen Händen und Füßen, aber es ist kein Blut zu sehen und er scheint mehr am Kreuz zu stehen als zu hängen.

Die Figuren der Jungfrau Maria und des Apostels Johannes stehen unter dem Kreuz, wobei beide in einer Geste der Traurigkeit eine Hand zum Gesicht führen. Dadurch wird der menschliche Aspekt des Leidens besonders vermittelt. Die Gestaltung erinnert, insbesondere was die Haltung von Maria und Johannes betrifft, an Kreuzigungsszenen, die in zeitgenössischen Manuskripten aus der Lombardei zu finden sind.

Sakramentar von Beauvais – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Ms. Ludwig V 1 – J. Paul Getty Museum (Los Angeles, USA)
Faksimile-Editionen

#1 Das Sakramentar von Beauvais (Echtgold-Ausgabe)

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Einband: Handgefertigten Koperteinband aus echtem Pergament. Faksimile und Kommentarband werden gemeinsam in einer edlen Lederkassette geliefert. Die sechs verzierten Seiten und die zahlreichen Gold- und Silberpartien des Originals sind mit echtem 23-karätigem Gold bzw. echtem Silber reproduziert. Für diese Edition wurden die unzähligen Gold- und Silberpartien der Originalhandschrift mit 23 Karat Gold und Silber reproduziert.
Kommentar: 1 Band von Elizabeth C. Teviotdale
Sprachen: Deutsch, Englisch

Der wissenschaftliche Kommentar wird von Dr. Elizabeth C. Teviotdale (Michigan) erarbeitet und beleuchtet die Entstehung und Geschichte der Handschrift ebenso wie ihr historisches Umfeld.
Faksimile: 1 Band Detailnahe Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband. Die Blätter sind originalgetreu randbeschnitten. 6 verzierte Seiten in 23 Karat Gold und Silber wiedergegeben.
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#2 Das Sakramentar von Beauvais (Normalausgabe)

Sakramentar von Beauvais – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Ms. Ludwig V 1 – J. Paul Getty Museum (Los Angeles, USA)
Sakramentar von Beauvais – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Ms. Ludwig V 1 – J. Paul Getty Museum (Los Angeles, USA) Copyright Bildmaterial: Ziereis Faksimiles

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Der wissenschaftliche Kommentar wird von Dr. Elizabeth C. Teviotdale (Michigan) erarbeitet und beleuchtet die Entstehung und Geschichte der Handschrift ebenso wie ihr historisches Umfeld.
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