Stundenbuch der sieben Todsünden

Stundenbuch der sieben Todsünden – AyN Ediciones – Vit. 24-10 – Biblioteca Nacional de España (Madrid, Spanien)

Flandern — Frühes 15. Jahrhundert

Etwa der Pfau mit seinem prächtigen Rad als Symbol für den Stolz: Ein Stundenbuch mit einmaligem Miniaturenzyklus zu den Sieben Todsünden, dargestellt an Beispielen von Tieren

  1. Der unglaublich schön illuminierte Text ist besonders bemerkenswert wegen den Miniaturen zu den Sieben Todsünden

  2. Es ist das einzige Stundenbuch aus dem 15. Jahrhundert, das diesem speziellem Thema eine so große Bedeutung beimisst

  3. Die Sünden werden durch Tiere dargestellt, etwa der Pfau mit seinem buntem Rad als Beispiel für übermäßigen Stolz

Stundenbuch der sieben Todsünden

Vit. 24-10 Biblioteca Nacional de España (Madrid, Spanien)
Ausgabe bei uns verfügbar
Preiskategorie: €€€
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Beschreibung
Stundenbuch der sieben Todsünden

Das beliebteste Buchgenre des Mittelalters war ohne Frage die Gattung der Stundenbücher. Die privaten Gebets- und Andachtsbücher waren in der ganzen mittelalterlichen Welt verbreitet und sind uns bis heute in großer Zahl erhalten geblieben. Eines der aufregendsten Beispiele für diese beliebte Buchgattung ist das sogenannte Stundenbuch der sieben Todsünden, welches zwischen 1460 und 1470 in Flandern hergestellt wurde. Die unfassbar prächtig illuminierte Schrift ist besonders bemerkenswert aufgrund von sieben Miniaturen, die die Todsünden in erstaunlicher und mitreißender Weise illustrieren. Es ist das einzige Stundenbuch des 15. Jahrhunderts, welches dieser spezifischen religiösen Thematik so viel Bedeutung zukommen lässt.

Das Stundenbuch der Sieben Todsünden

Stundenbücher, auch Horarien genannt, waren die mit Abstand beliebtesten und am weitesten verbreiteten handgeschriebenen Codices des Mittelalters. Keine weitere Buchgattung ist uns bis heute in größerer Zahl erhalten geblieben. Stundenbücher waren sowohl für Kleriker als auch für Laien bestimmt und galten vor allem im Spätmittelalter in Kreisen des reichen, lesekundigen Adels und Stadtadels als Pflichtlektüre. Es handelt sich bei diesem Buchtyp um private Gebets- und Andachtsbücher, aus denen in den persönlichen Gemächern gebetet und meditiert wurde. Das Stundenbuch erlebte seine verbreitungsmäßige und künstlerische Blütezeit im späten 14. und im 15. Jahrhundert in Frankreich und Flandern. Auch das uns hier vorliegende, sogenannte Stundenbuch der sieben Todsünden wurde in Flandern gestaltet. Es ist eines der hervorragendsten Beispiele für diese äußerst kunstvoll gestaltete Gattung von Manuskripten und besticht vor allem durch seine reiche und ungewöhnliche Illumination.

Ein vielseitiges Buchgenre

Auch wenn es für das Verfassen von Stundenbüchern feste Muster und Regeln gab, ist nicht jedes mittelalterliche Stundenbuch völlig gleich gestaltet. Kernstücke der Stundenbücher bildeten ein marianisches Offizium und das Totenoffizium. Die Bezeichnung Stundenbuch leitet sich ab von den darin enthaltenen, zu bestimmten Stunden zu betenden Tagzeiten. Ursprünglich beginnend um Mitternacht mit der Matutin, welche aus praktischen Gründen im Laufe der Jahre mit den Laudes um drei Uhr morgens zusammengefasst wurde, betete man im dreistündigen Rhythmus ab sechs Uhr morgens Prim, Terz, die Sext, die Non, die Vesper und die Komplet. In Stundenbüchern fanden sich auch Cisiojanus-Merkverse, die bei der Datierung der beweglichen Feste des Kirchenjahres halfen. Ein weiterer fester Bestandteil der Komposition eines Stundenbuches ist ein Textabschnitt mit Bußpsalmen. Das besondere Merkmal des Stundenbuches der sieben Todsünden ist seine prächtige bildhafte Ausgestaltung des Psalmenabschnittes.

Ein einzigartiges Bildprogramm

Das Stundenbuch der sieben Todsünden wurde zwischen 1460 und 1470 in Flandern hergestellt. Es enthält 75 unvergleichlich schöne, ganzseitige Miniaturen in prächtigen Farben. Neben den großformatigen Miniaturen ist das Meisterwerk zusätzlich mit insgesamt 332 kleineren Miniaturen in den Randstreifen der Buchseiten geschmückt. Das besondere Merkmal des wunderschönen Manuskripts ist seine bildhafte Gestaltung der Bußpsalmen. In sieben Miniaturen sind die sieben Todsünden in erschreckend genauer, mitreißender Art und Weise dargestellt. Die Bilder zeigen König David, wie er die verschiedenen Sünden Stolz, Neid, Gier, Völlerei, Faulheit und Wollust begeht und welche Konsequenzen er aus seinen Taten ziehen muss. Die Sünden werden dabei von Tieren repräsentiert, so steht der Pfau mit seinem aufgestellten Schweif beispielsweise für übermäßigen Stolz. Insgesamt handelt es sich bei diesem überaus reich illustrierten Codex um eines der schönsten illuminierten Manuskripte, die im 15. Jahrhundert hergestellt wurden.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Book of Hours of the Seven Deadly Sins
Libro de Horas de los Siete Pecados Capitales
Art
Handschrift auf Pergament
Umfang / Format
428 Seiten / 16,0 × 11,0 cm
Herkunft
Belgien
Datum
Frühes 15. Jahrhundert
Epoche
Spätes Mittelalter und jünger
Stil
Renaissance
Genre
Stundenbücher / Gebetbücher
Sprache
Latein
Französisch
Buchschmuck
75 ganzseitige Miniaturen. 332 Seiten mit Miniaturen, Rahmen und Initialen ausgeschmückt
Inhalt
Kalender und Gebete von privater Andacht, in denen die 7 Todsünden besonders thematisiert werden

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Stundenbuch der sieben Todsünden – AyN Ediciones – Vit. 24-10 – Biblioteca Nacional de España (Madrid, Spanien)
AyN Ediciones – Madrid, 2003
Limitierung: 995 Exemplare
Detailbild

Stundenbuch der sieben Todsünden

Marginalia und Initialen

Dies ist ein hervorragendes Beispiel für eine typische Textseite aus einem spätmittelalterlichen flämischen Stundenbuch, einer Zeit, in der dort einige der schönsten Bilderhandschriften Europas entstanden und ihre künstlerische Gemeinschaft wuchs und gedieh. Die Blattgoldinitialen haben abwechselnd rote und blaue Hintergründe mit feinen Mustern. Links fliegt ein Singvogel zwischen den Blumen und bunten Akanthusblättern, während eine Hirschkuh auf dem Gras ruht. Alles wird mit Blattgold hervorgehoben und umrahmt.

Stundenbuch der sieben Todsünden – AyN Ediciones – Vit. 24-10 – Biblioteca Nacional de España (Madrid, Spanien)
Einzelseite

Stundenbuch der sieben Todsünden

Porträt des Evangelisten Matthäus

Evangelistenporträts sind selten in Stundenbüchern und dennoch ist dies nur eines von mehreren Alleinstellungsmerkmalen dieses Manuskripts. Inmitten eines lebendigen Rahmens voller farbenfroher, gewundener Ranken zeigt diese Miniatur den Evangelisten Matthäus beim Verfassen seines Evangeliums. Die Szene spielt in einem luxuriösen Schlafzimmer mit einem wunderschön gemusterten Fliesenboden und einem luxuriösen roten Bett mit Baldachin.

Matthäus sitzt an einem Schreibtisch, der vor Gold nur so glänzt, und wird als Geistlicher aus dem 15. Jahrhundert dargestellt: rote, ebenfalls mit Gold akzentuierte Tunika mit blauem Schal und Hut. Ein Engel, das Symbol dieses Evangelisten, sitzt auf dem Boden mit einer Banderole, die seinen Namen trägt, und hält dem Matthäus das Tintenfass hoch, um die göttliche Inspiration anzuzeigen, mit der das erste Buch des Neuen Testaments geschrieben wurde.

Stundenbuch der sieben Todsünden – AyN Ediciones – Vit. 24-10 – Biblioteca Nacional de España (Madrid, Spanien)
Faksimile-Editionen

#1 Libro de Horas de los Siete Pecados Capitales

AyN Ediciones – Madrid, 2003

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: AyN Ediciones – Madrid, 2003
Limitierung: 995 Exemplare
Einband: Leder
Kommentar: 1 Band von Elisa Ruiz García, Gregorio Solera, Ana Domínguez Rodríguez und Josefina Planas Bádenas

Sprache: Spanisch
Faksimile: 1 Band Detailnahe Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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Preiskategorie: €€€
(3.000€ - 7.000€)
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