Ashburnham Pentateuch: Die Bibel von Tours

Ashburnham Pentateuch: Die Bibel von Tours – Patrimonio Ediciones – Ms. Nouv. acq. lat. 2334 – Bibliothèque nationale de France (Paris, Frankreich)

Spanien, Nordafrika, Norditalien oder Rom — Ende des 6. oder Anfang des 7. Jahrhunderts, Mitte des 8. Jahrhunderts ergänzt

Eine der ältesten lateinischen Bibeln mit umfangreichem Bilderzyklus: Ein spätantikes Meisterwerk von unvergleichlichem historischem Wert, mit 18 großformatigen Miniaturen zu den Geschichten des Alten Testaments und rätselhafter Herkunft

  1. Eine der ältesten erhaltenen lateinischen Bibelübersetzungen und eine der ältesten lateinischen Bibeln mit umfangreicher Illumination

  2. Von ursprünglich etwa 69 Miniaturen sind 18 erhalten, die ihre Betrachter:innen noch heute in ihren Bann ziehen

  3. Die geheimnisvolle Herkunft trug dazu bei, dass die Handschrift im Laufe der Jahrhunderte ein wertvolles Sammlerobjekt wurde

Ashburnham Pentateuch: Die Bibel von Tours

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Preiskategorie: €€€
(3.000€ - 7.000€)
  1. Beschreibung
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  3. Einzelseite
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Beschreibung
Ashburnham Pentateuch: Die Bibel von Tours

Der sogenannte Ashburnham-Pentateuch ist ohne Frage eine der bedeutendsten erhaltenen illuminierten Handschriften der Spätantike. Die enthaltenen fünf Bücher Mose wurden ursprünglich von 69 großen, farbintensiven und erzählerisch komplexen Miniaturen begleitet, von denen 19 noch heute erhalten sind. Sie verbinden Bild und Text auf kunstvolle Weise miteinander und stehen in der Tradition spätantiker Kunst. Damit machen die ausdrucksstarken Miniaturen die Handschrift zu einem Schlüsselwerk der frühmittelalterlichen Buchmalerei und zu einem wichtigen Zeugnis des Übergangs von der spätantiken zur mittelalterlichen Kunst.

Ashburnham Pentateuch: Die Bibel von Tours

Die bemerkenswerte Handschrift entstand vermutlich gegen Ende des 6. oder zu Beginn des 7. Jahrhunderts und enthält die fünf Bücher Mose, also den Pentateuch, in einer frühen Version der Vulgata, der im Mittelalter gängigsten lateinischen Bibelübersetzung. Sie ist damit eine der ältesten lateinischen Bibelhandschriften, die bis heute erhalten sind. Ihr genauer Entstehungsort ist bis heute nicht eindeutig geklärt. In der Forschung werden vor allem Norditalien bzw. Rom, Nordafrika und Spanien diskutiert. Gerade diese frühe, mysteriöse Entstehung macht die Handschrift (kunst-)historisch besonders interessant, da sie unterschiedliche spätantike und frühmittelalterliche Bildtraditionen in sich vereint.

Erstaunliche Illumination

Bei ihrem Alter und ihrer damit einhergehenden langen und teils turbulenten Geschichte ist es kein Wunder, dass die wertvolle Handschrift heute nur noch sehr fragmentarisch erhalten ist. Vom Deuteronomium hat gar nur eine einzige Seite überlebt. Die Bücher Genesis und Exodus sind am umfangreichsten erhalten und weisen die meisten Miniaturen auf. Der Codex in seiner Gesamtheit war ursprünglich wohl mit insgesamt 69 großen Miniaturen ausgestattet, von denen 17 ganzseitige, eine halbseitige und das Frontispiz noch heute ihre Betrachter:innen fesseln. Damit gehört der Codex fraglos zu den frühesten Zeugnissen einer umfangreichen Illumination der Vulgata, die uns heute bekannt sind.

Visuelle Erzählungen

Die farbenfrohen Miniaturen sind wunderbare Ergänzungen zu den biblischen Texten und erzählen die beschriebenen Ereignisse höchst anschaulich. Häufig werden mehrere, chronologisch aufeinanderfolgende Szenen innerhalb einer Miniatur parallel zueinander dargestellt und damit kunstvoll zusammengefasst. Es entstehen verdichtete visuelle Erzählungen von beeindruckender Komplexität. So zeigt etwa die Darstellung von Kain und Abel verschiedene Stationen der Geschichte in übereinander angeordneten Bildregistern. Die unterschiedlichen farbigen Hintergründe helfen dabei, die einzelnen Zeitabschnitte der Handlung voneinander zu unterscheiden. Andere Miniaturen beschränken sich auf einzelne Szenen, die großflächig und imposant gezeigt werden – so etwa die Sintflut und die Arche Noahs.

Malerei in der Tradition der Spätantike

Die vielen alttestamentlichen Figuren zeichnen sich oft durch ausdrucksstarke Gesten und Bewegungen aus. Architekturen, Landschaften und Gegenstände ergänzen die Handlungen und verleihen den Szenen einen erzählerischen und teilweise geradezu theatralischen Charakter. Die Ausdruckskraft der Bilder wird durch ihre kräftige und kontrastreiche Farbigkeit unterstrichen. Insbesondere die Verwendung von Blau, Rot, Grün und Purpur strukturiert die Bildflächen auf gekonnte Weise. Bemerkenswerterweise konnten Untersuchungen der verwendeten Pigmente haben unter anderem eine intensive Nutzung von Ägyptisch Blau nachweisen. Diese tiefblaue, künstlich hergestellte Farbe war im alten Ägypten und von dort ausgehend im antiken römischen Reich weit verbreitet. Seine Verwendung versiegte jedoch im Laufe des Mittelalters. Die Bilder zeigen damit nicht nur eine hohe künstlerische Qualität, sondern sind zugleich ein Zeugnis spätantiker Maltechniken, an denen für die Herstellung des Ashburnham Pentateuch noch zurückgegriffen wurde.

Spätantike Unzialis und karolingische Minuskel

Auch die ursprüngliche Schriftgestaltung steht in antiker Tradition. Der Haupttext ist in einer römischen Unzialschrift und teilweise Halbunziale geschrieben. Der Text steht überwiegend in zwei Spalten und wird durch rote Auszeichnungsschriften und schlichte Initialen gegliedert. Spätere Ergänzungen aus dem 9. Jahrhundert wurden zeitgemäß in karolingischer Minuskel ausgeführt. Damit ist die Handschrift auch ein Begegnungsraum unterschiedlicher Phasen der Schriftkultur.

Ein prägendes Werk des Frühmittelalters

Eine besondere Bedeutung besitzt der Ashburnham-Pentateuch schließlich für die Entwicklung der frühmittelalterlichen Buchmalerei. Seine Miniaturen dienten als Vorlagen für andere Illuminationen und die Art, wie komplexe biblische Erzählungen durch mehrere Szenen, Register und Gesten visuell miteinander verknüpft und vermittelt werden, wurde für die mittelalterliche Kunst Europas prägend. Die Handschrift steht damit an einer wichtigen Schnittstelle zwischen spätantiker Bildsprache und der sich entwickelnden frühmittelalterlichen Buchmalerei.

Wechselvolle Geschichte und große Namen

Mit der Handschrift ist auch unweigerlich eine spannende Besitzgeschichte verbunden. Sie taucht erstmals im Besitz des Klosters St. Martin in Tours auf, genauer in der Kathedrale St. Gatien. Im 19. Jahrhundert wurde die zunächst nach diesem Ort benannte Bibel von Tours von dem italienischen Sammler und Manuskripthändler Guglielmo Libri gestohlen und an den Duke of Ashburnham verkauft, nach dem der Codex heute allgemein benannt wird. 1888 gelangte der Ashburnham Pentateuch in die Bibliothèque Nationale de France, wo sie noch heute aufbewahrt wird.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Ashburnham Pentateuch
Biblia de Tours
Tours Pentateuch
Bible de Tours
Bibbia di Tours
Bíblia de Tours
Pentateuque dit d’Ashburnham ou de Tours
Umfang / Format
284 Seiten / 37,1 × 32,1 cm
Herkunft
Italien
Datum
Ende des 6. oder Anfang des 7. Jahrhunderts, Mitte des 8. Jahrhunderts ergänzt
Sprache
Schrift
Unzialis Karolingische Minuskel (f. 32v)
Buchschmuck
17 ganzseitige Miniaturen und 1 halbseitige Miniatur, 1 Frontispiz, 10 prächtigen Kanontafeln, sowie Initialen
Inhalt
Fragmente der biblischen Bücher Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium
Vorbesitzer
Kloster Marmoutier in Tours
Guglielmo Libri Carucci dalla Sommaja
Herzog von Ashburnham
Leopold Delisle

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Ashburnham Pentateuch: Die Bibel von Tours – Patrimonio Ediciones – Ms. Nouv. acq. lat. 2334 – Bibliothèque nationale de France (Paris, Frankreich)
Patrimonio Ediciones – Valencia, 2003
Limitierung: 999 Exemplare (+ 69 nicht kommerzielle Exemplare)
Detailbild

Ashburnham Pentateuch: Die Bibel von Tours

Arche Noah

In der Tradition der rabbinischen Literatur wird die Arche Noah nicht als ein großes Schiff, sondern als eine große Truhe oder Kiste dargestellt. Die Darstellungen variieren in Bezug auf die Art des Vogels, den Noah benutzte, um an Land zu kommen, aber der Künstler hat die unterschiedlichen Traditionen harmonisiert, indem er sowohl den Raben, der zuerst ausgesandt wurde, zeigt als auch die Taube, die in der christlichen Tradition mit einem Olivenzweig im Schnabel als Zeichen des Friedens und der Erlösung zurückkehrte. Der Künstler hat das Bild auch zeitlich verdichtet, indem er die Tiere zeigt, wie sie bereits aus der Arche aussteigen.

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Ashburnham Pentateuch: Die Bibel von Tours

Kain und Abel

Im Buch Genesis sind Kain und Abel die ersten beiden Söhne von Adam und Eva. Ersterer ist ein Bauer, letzterer ein Hirte. Beide Brüder bringen Gott Opfer dar. Dieser zieht jedoch das Opfer Abels dem seines älteren Bruders vor. Daraufhin ermordet Kain Abel aus Eifersucht und wird so zum ersten Mörder und sein Bruder zum ersten Mordopfer. Zur Strafe verurteilt Gott Kain zu einem Leben auf Wanderschaft.

Die Geschichte der beiden Brüder wird in drei Phasen dargestellt, die jeweils durch eine andere Hintergrundfarbe gekennzeichnet sind: Im roten oberen Register bringen die Brüder ihre Opfer dar; im grünen mittleren Register warnt Gott Kain vor seinem Zorn; im violetten unteren Register tötet Kain Abel mit einem landwirtschaftlichen Gerät, das möglicherweise eine Hacke darstellt.

Ashburnham Pentateuch: Die Bibel von Tours – Patrimonio Ediciones – Ms. Nouv. acq. lat. 2334 – Bibliothèque nationale de France (Paris, Frankreich)
Faksimile-Editionen

#1 Biblia de Tours

Patrimonio Ediciones – Valencia, 2003

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Patrimonio Ediciones – Valencia, 2003
Limitierung: 999 Exemplare (+ 69 nicht kommerzielle Exemplare)
Einband: Buchdeckel aus Nussbaumholz, Buchrücken aus Ziegenleder, feuervergoldeter Aufdruck
Kommentar: 1 Band (306 Seiten) von Bezalel Narkiss, Beatriz Mariño Lopez und Hiltrud Friederich-Stegmann
Sprachen: Spanisch, Englisch, Deutsch
Faksimile: 1 Band Detailnahe Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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