Codex Zouche-Nuttall

Codex Zouche-Nuttall – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Add. Mss. 39617 – British Museum (London, Vereinigtes Königreich)

Mixteca (Mexiko) — Zwischen 1200 und 1521

Eine der so raren präkolonialen Quellen zur Geschichte, Kunst und Religion der Mixteken: Elf Meter Hirschhautpergament mit legendären Erzählungen über mächtige Dynastien, religiöse Rituale und beeindruckende, antike Städte

  1. Eines der wichtigsten Schriftzeugnisse zur Geschichte der mixtekischen Kultur

  2. Erzählt auf elf Metern gefaltetem Pergament von mixtekischen Dynastien und ihren Wirkungsorten

  3. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Herrschaft von Acht-Hirsch-Jaguarkralle (1063–1115) aus Tilantongo

Codex Zouche-Nuttall

Ausgabe bei uns verfügbar!
Preiskategorie: €
(unter 1.000€)
  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Codex Zouche-Nuttall

Noch 1519, im gleichen Jahr, in dem er mit der Eroberung des Aztekenreichs begonnen hatte, sandte Hernán Cortés dem spanischen König und Kaiser Karl V. (1500–1558) zwei Bücher der „Yndios“, wie er schrieb, um seinem Souverän einen Eindruck von der „Neuen Welt“ zu verschaffen. Es liegt nahe, dass eines dieser Bücher der mixtekische Codex Zouche-Nuttall war, den der spanische Konquistador als repräsentativ für diese in Europa ungewohnte Art von Büchern betrachtete. Wenn das elf Meter lange Faltbuch tatsächlich schon so früh nach Europa gelangte, ist es eine besondere Gunst der Überlieferung, dass es bis heute erhalten ist. Die kunstvolle Handschrift aus Hirschpergament enthält ausgedehnte Darstellungen von Ritualen, aber vor allem Geschichtsdarstellungen, zu denen auch raumgreifende geographische Darstellungen von bemerkenswerter Größe gehören. Die Handschrift ist eine der spannendsten und äußerst rare Quelle für Geschichte, Kunst und Religion des vorkolonialen Mesoamerikas und der mixtekischen Kultur.

Codex Zouche-Nuttall

Der Codex Zouche-Nuttall ist eine der wenigen erhaltenen mixtekischen Handschriften aus vorkolonialer Zeit. Die mixtekische Kultur war einer der prägenden Kulturen des antiken Mesoamerikas, deren Ursprünge bis ins 7. Jahrhundert zurückreichen. Die Ethnie nannte sich selbst ursprünglich Ñuu Dzavuidas „Volk des Regens“ – und umfasste eine der größten Populationen der Region. Im 15. Jahrhundert gerieten die Mixtek:innen unter die Herrschaft des mächtigen Aztekenreichs und waren diesem tributpflichtig. Trotzdem konnten sie ihre Kultur aufrechterhalten, bis sie und ihre Gebiete im Laufe des 16. Jahrhunderts von den spanischen Neuankömmlingen kolonisiert wurden. Daher sind jegliche Zeugnisse des Lebens der Ethnie vor Ankunft der Europäer:innen heute ungemein wertvoll.

Mäandernde Erzählungen in leuchten Farben

Ein solches Artefakt ist der mehr als elf Meter lange, akkordeonartig gefaltete Codex Zouche-Nuttall. Mit seinen farbenfrohen Pikto- und Ideogrammen gilt es als das visuell beeindruckendste mixtekische Manuskript, das noch erhalten ist. Zwei Maler-Schreiber waren für die Ausführung der Handschrift verantwortlich – jeder für eine Seite des 11 Meter langen Pergamentstreifens. Zunächst beschrieb der erste die 43 Seiten der Rückseite, woraufhin der zweite die 41 Seiten der Vorderseite gestaltete. Beide arbeiteten dabei mit viel Rot und Ockergelb. Nur die Farbpalette der Vorderseite wird durch zwei leuchtend blaue Pigmente ergänzt. Zudem zeigen rote Linien, die von den Seitenrändern ausgehen, regelmäßig die meist in Schlangenlinien hoch und runter oder bustrophedon verlaufende Leserichtung an.

Von Acht-Hirsch-Jaguarkralle und anderen mixtekischen Fürsten

Die ästhetische Differenzierung der beiden Seiten entspricht der thematischen Zweiteilung der Handschrift. Während die Vorderseite von den legendären, teils mythischen Ursprüngen der mixtekischen Herrscherdynastien sowie urbaner und religiöser Zentren erzählt, stellt die Rückseite eine unvollständige Biografie des bedeutenden mixtekischen Fürsten der Geschichte der Ethnie dar: Acht-Hirsch-Jaguarkralle bzw. Iya Nacuaa Teyusi Ñaña (1063–1115), der im 11. und 12. Jahrhundert regierte. Er schaffte es als einziger, die einzelnen mixtekischen Fürstentümer zu einem Reich unter seiner Führung zu vereinen. Es werden seine Genealogie dargelegt, seine zahlreichen politisch-strategischen Eheschließungen ausgeführt und einige politische und militärische Erfolge beschrieben, die nicht selten mit großer Brutalität einhergingen – etwa die Ermordung seines Halbbruders. Die Vorderseite des Faltbuchs bietet hingegen mehr Informationen zu religiösen Ritualen und mixtekischen Stätten, die teilweise in großformatigen Darstellungen repräsentiert werden. Damit ist der Codex Zouche-Nuttall zusammen mit den Codices Becker I/II und dem Codex Vindobonensis Mexicanus 1 das wichtigste Schriftzeugnis zur Geschichte der mixtekischen Kultur.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Codex Caso
Codex Tonindeye
The Tonindeye (Nuttall) Codex
Teozacoalco Annals
Umfang / Format
192 Seiten / 23,5 × 19,1 cm (Länge insgesamt: 11,14 m)
Herkunft
Mexiko
Datum
Zwischen 1200 und 1521
Epoche
Schrift
Piktogramme Ideogramme
Buchschmuck
90 vollständig mit Piktogrammen und Ideogrammen beschriebene Seiten
Inhalt
Politische und dynastische Geschichte der Stadtstaaten Tilantongo, Teozacoalco und Zaachila mit einem Fokus auf die Herrschaft von Acht-Hirsch-Jaguarkralle (Iya Nacuaa Teyusi Ñaña)
Vorbesitzer
Robert Curzon, 14. Baron Zouche

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Codex Zouche-Nuttall – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Add. Mss. 39617 – British Museum (London, Vereinigtes Königreich)
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1987
Detailbild

Codex Zouche-Nuttall

Mesoamerikanisches Ballspiel

Dieser Sport mit rituellen Bezügen wird seit mindestens 1650 v. Chr. gespielt. Steinerne Ballspielplätze, von denen mehr als 1 300 entdeckt wurden, kamen erst einige Jahrhunderte später auf. Obwohl die Regeln des Ballspiels nicht überliefert sind, geht man davon aus, dass die Spieler den Vollgummiball mit der Hüfte schlugen, auch wenn in einigen Versionen die Verwendung von Unterarmen oder Schlägern erlaubt war. Die Einbeziehung von Menschenopfern war ein später Zusatz, der erst in der klassischen Periode auftauchte.

Codex Zouche-Nuttall – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Add. Mss. 39617 – British Museum (London, Vereinigtes Königreich)
Einzelseite

Codex Zouche-Nuttall

Angriff aus dem Wasser

Tenochtitlan, die Hauptstadt des Aztekenreiches, war bekanntlich eine Inselstadt, die von einer Reihe von Kanälen durchzogen war, und insofern Venedig nicht ganz unähnlich. Der Konquistador Bernal Díaz del Castillo schrieb in seinen Memoiren, dass er und seine Männer erstaunt darüber waren, wie viele Siedlungen in Gewässern errichtet wurden. Der naheliegendste Grund dafür war die Verteidigung.

Hier sehen wir drei mixtekische Herrscher in ihren Kanus, die sich auf den Weg machen, um eine Stadt auf einer Insel zu erobern. Alle sind bewaffnet und mit Federn und Tierhäuten für den Krieg extravagant gekleidet. In den Gewässern darunter sind verschiedene Kreaturen abgebildet, darunter eine zusammengerollte Schlange und ein Alligator mit Stacheln, die sich vom Kopf über den Rücken bis zum Schwanz erstrecken.

Codex Zouche-Nuttall – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Add. Mss. 39617 – British Museum (London, Vereinigtes Königreich)
Faksimile-Editionen

#1 Der Codex Zouche-Nuttall

Details zur Faksimile-Edition:

Einband: Faksimile und Kommentar kommen in einer Kassette mit Lederrücken.
Kommentar: 1 Band (60 Seiten) von Nancy P. Troike und Ferdinand Anders
Sprachen: Englisch, Deutsch

Vorwort in deutscher Sprache von F. Anders, Wien, einführender Text in englischer Sprache von N. P. Troike, Austin. Insgesamt 60 Seiten.
Faksimile: 1 Band Detailnahe Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband. Das Faksimile wurde dem originalen Faltbuch entsprechend im Leporello-Format hergestellt.
Ausgabe bei uns verfügbar!
Preiskategorie: €
(unter 1.000€)
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