Fragment der Lorscher Annalen

Fragment der Lorscher Annalen – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Cod. Vindob. 515 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)

Schwaben (Deutschland) — Erstes Drittel des 9. Jahrhunderts

Eine wichtige Quelle zur geschichtstrĂ€chtigen Krönung Karls des Großen zum Römischen Kaiser: Eine frĂŒhe Abschrift der berĂŒhmten Lorscher Annalen in einer faszinierenden Textsammlung von grĂ¶ĂŸter Seltenheit

  1. Die Lorscher Annalen sind eine besonders wichtige PrimĂ€rquelle der wenigen zeitgenössischen Überlieferungen zur Kaiserkrönung Karls des Großen (748–814)

  2. Sie liefern eine bemerkenswerte Gegendarstellung zur Schilderung der Ereignisse um 800, die in der Biografie Karls von seinem Vertrauten Einhard (775–840) zu lesen sind

  3. Das Fragment aus der Österreichischen Nationalbibliothek enthĂ€lt zusĂ€tzlich einen althochdeutschen und einen frĂŒhchristlichen Text, beide von Ă€ußerster RaritĂ€t

Fragment der Lorscher Annalen

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  1. Beschreibung
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Beschreibung
Fragment der Lorscher Annalen

Sammelhandschriften, insbesondere solche, deren Inhalte von vielen verschiedenen Personen zusammengetragen und niedergeschrieben wurden und somit historisch gewachsen sind, gehören zu den spannendsten Texterzeugnissen des Mittelalters. Das nur acht BlĂ€tter zĂ€hlende Fragment aus der Österreichischen Nationalbibliothek gehörte einstmals zu einem solchen Codex. Trotz seines geringen Umfangs ist das Fragment in vielerlei Hinsicht ein bedeutsames und faszinierendes Textzeugnis des FrĂŒhmittelalters. Die ersten neun Seiten sind mit dem letzten Teil der berĂŒhmten Lorscher Annalen beschrieben und enthalten unter anderem die bemerkenswerten Schilderungen rund um die Kaiserkrönung Karls des Großen (748–814) im Jahr 800, die von großer historischer Bedeutung sind. Daran schließen sich zwei Texte von Ă€ußerster Seltenheit an: Ein althochdeutsches Gedicht ĂŒber Jesus und die Samariterin sowie ein Fragment der frĂŒhchristlichen Katechese Instructio ad competentes des Bischofs Nicetas von Remesiana (ca. 335 – 414), dessen Werke kaum ĂŒberliefert sind.

Fragment der Lorscher Annalen

Trotz ihres geringen Umfangs sind die Lorscher Annalen bzw. Annales Laureshamenses ein bedeutendes Zeugnis der Geschichtsschreibung der karolingischen Zeit und eine wichtige PrimĂ€rquelle fĂŒr die Zeit zwischen 703 und 803. Der in nur wenigen Handschriften ĂŒberlieferte Text umfasst Jahresberichte ĂŒber zentrale Ereignisse eines jeden der 100 Jahre – zu Beginn eher notizartig festgehalten, spĂ€ter ausfĂŒhrlicher berichtet. Enthalten sind politische Nachrichten aus dem Frankenreich, Meldungen ĂŒber Tode wichtiger Geistlicher, aber auch immer wieder knappe ErwĂ€hnungen besonders reicher oder karger Ernten.

Karl der Große wird Römischer Kaiser

Die große Bedeutsamkeit der Lorscher Annalen ist vor allem auf ein beschriebenes Ereignis zurĂŒckfĂŒhren, das den Lauf der Geschichte nachhaltig beeinflussen sollte: Die Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom am Weihnachtstag des Jahres 800. Die Annalen sind die einzige zeitgenössische Quelle, die darlegt, dass Karl die Krönung durch Papst Leo III. nicht etwa zunĂ€chst ablehnte, wie es etwa sein Biograf und Vertrauter Einhard in der Vita Einhardi beschreibt, sondern sich ihrer „Notwendigkeit“, fĂŒr der auch der Eintrag der Lorscher Annalen argumentiert, demĂŒtig, aber willentlich beugte.

Eine Handschrift auf Reisen

Die Entstehungs- und Textgeschichte der Lorscher Annalen ist ein Thema, das die Forschung bis heute auf Trab hĂ€lt. Einst wurde angenommen, dass das vorliegende Fragment, Cod. Vindob. 515, aus der Österreichischen Nationalbibliothek das Autograf sei. Diese These wurde mittlerweile widerlegt. Das ĂŒber mehrere Etappen entstandene Autograf ist nicht erhalten. Es wurde wahrscheinlich in Nordfrankreich im Raum Cambrai begonnen, bis 777 im Kloster Gorze in der Diözese Metz fortgesetzt und schließlich im sĂŒdhessischen Kloster Lorsch durch Abt Richbod abgeschlossen.

Rares Schrifttum aus dem FrĂŒhmittelalter

Dass Cod. Vindob. 515 nicht das Autograf ist, macht das Fragment nicht weniger wertvoll. Es ist einst Teil einer frĂŒhmittelalterlichen Sammelhandschrift aus Schwaben gewesen, von der nur noch die acht BlĂ€tter aus der ÖNB erhalten sind, an denen allein vier verschiedene Schreiber:innen gearbeitet haben. Sie umfassen neben den Annalen der Jahre 794–803 auch ein Gedicht, das auf der Evangeliengeschichte von Christus und der Samariterin basiert und auf Altalemannisch, einer althochdeutschen Mundart, und ist damit eine Ă€ußerst rare Quelle frĂŒhen deutschsprachigen Schrifttums. Auf den letzten Seiten findet sich zudem ein Fragment der Instructio ad competentes des Nicetas von Remesiana, einem Zeitgenossen des Kirchenvaters Ambrosius, dessen Werke kaum ĂŒberliefert sind. Das Fragment ist also nicht nur eine frĂŒhe Abschrift der Lorscher Annalen, sondern insgesamt ein Ă€ußerst rares Textzeugnis des 9. Jahrhunderts.

Kodikologie

Alternativ-Titel
A Fragment of the Lorsch Annals
Umfang / Format
16 Seiten / 23,5 × 16,8 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
Erstes Drittel des 9. Jahrhunderts
Schrift
Karolingische Minuskel
Inhalt
Annalen des Frankenreichs der Jahre 794–803, Christus und die Samariterin (altalemannisches Gedicht), Versikeln mit Neumen als Federproben, Katechese des Niceta von Remesiana
KĂŒnstler / Schule
Vorbesitzer
Benediktinerstift Reichenau
Wolfgang Lazius (1514–1565)

VerfĂŒgbare Faksimile-Editionen:
Fragment der Lorscher Annalen – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Cod. Vindob. 515 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1967
Einzelseite

Fragment der Lorscher Annalen

Von der Kaiserkrönung Karls des Großen

Die entscheidende Seite: Der Eintrag aus dem Jahr 801, dessen grĂ¶ĂŸter Teil die oberen zwei Drittel dieser Seite einnehmen, berichtet zunĂ€chst von dem zentralen Ereignis des vorherigen Jahres – der Krönung Karls des Großen durch Papst Leo III. am 25.12.800. Dabei wird zwar Karls Demut und Pflicht betont, indem dargelegt wird, dass er lediglich auf Bitten des Papstes, der in Rom anwesenden Bischöfe, des christlichen Volkes und sogar Gott selbst den Titel „Kaiser“ passiv empfing. Doch es wird kein Zögern oder gar Unwille seinerseits beschrieben.

Auch Karls Handlungen in den Monaten zuvor lassen darauf schließen, dass er ganz aktiv das Ziel der Kaiserkrönung verfolgte, die den Zenit seiner Macht reprĂ€sentiert. So setzte er sich fĂŒr den umstrittenen Leo III. ein und verhalf ihm, wiederum seine Machtposition auf dem apostolischen Stuhl in Rom zu konsolidieren. Damit stand Karl mindestens in der Gunst des Papstes, man könnte gar sagen, dass dieser ihm einen Gefallen schuldig war – eine Krönung zum Römischen Kaiser vielleicht?

Fragment der Lorscher Annalen – Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Cod. Vindob. 515 – Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)
Faksimile-Editionen

#1 Das Fragment der Lorscher Annalen

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Einband: Leineneinband
Kommentar: 1 Band (50 Seiten) von Franz Unterkircher
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Das Faksimile ist eine vollstĂ€ndige Reproduktion des gesamten Originaldokuments. Die Seiten werden auf einem grĂ¶ĂŸeren weißen Hintergrund dargestellt.
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