Machsor Lipsiae

Machsor Lipsiae Faksimile

Bodensee-Raum (Deutschland) — Um 1310–1320

Der Leipziger Machsor als strahlendes Ergebnis christlich-jüdischer Zusammenarbeit im frühen 14. Jahrhundert: Ein vermögender jüdischer Auftraggeber, eine christliche Schreibstube und ein großformatiger Machsor aus 68 farbenprächtigen, mit Gold illuminierten Miniaturen

  1. Ein Machsor ist eine Sammlung von Gebeten in hebräischer Sprache für die sieben besonderen Festtage des jüdischen Jahres

  2. Obwohl für einen jüdischen Auftraggeber geschaffen, scheint die Handschrift aus einer christlichen Schreibstube in Südwestdeutschland zu stammen

  3. Der erste Eintrag eines früheren Besitzers ist auf das Jahr 1553 datiert und verortet die Handschrift in Worms

Machsor Lipsiae

Ms. Vollers 1102 Universitätsbibliothek Leipzig (Leipzig, Deutschland)
  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Machsor Lipsiae

In der Zeit zwischen etwa 1310 und 1320 fertigte ein christliches Atelier im Bodensee- oder Oberrheingebiet ein herrliches hebräisches Gebetbuch für einen wohlhabenden Auftraggeber an. Damit schufen sie die prächtigste erhaltene Abschrift eines mittelalterlichen Machsors, einer Sammlung von Gebeten in hebräischer Sprache für die sieben hohen Festtage des jüdischen Jahres. 68 farbenprächtige, mit Gold illuminierte Miniaturen schmücken den religiösen Text, der in verschiedenen Schriftgrößen und Tintenfarben geschrieben ist. Die Herkunft des zweibändigen Werks ist unklar, da die letzten Seiten des Manuskripts, auf denen solche Informationen normalerweise zu finden sind, fehlen. Trotzdem ist das begehrte Werk in der Leipziger Universitätsbibliothek ein außerordentlich kostbares und schönes Zeugnis der Geschichte des hebräischen Schrifttums.

Machsor Lipsiae

Hebräische Manuskripte zählen zu den schönsten Exemplaren mittelalterlicher Buchmalerei und sind bekannt für die Raffinesse ihrer Kalligrafie und Kunst. Dieses Manuskript ist eine Sammlung von Gebeten für die sieben hohen Festtage des jüdischen Kalenders und gilt als das schönste Exemplar seiner Art. Es handelt sich um den Machsor Lipsiae oder Leipziger Machsor - ein zwei-bändiges Werk mit 404 Blättern im Format 49 x 36 cm. Die großzügige Verwendung von Blattgold im gesamten Werk deutet darauf hin, dass der wohlhabende, aber anonyme Auftraggeber kaum Grenzen für die Ausstattung des kostbaren Codexpaares setzte. Darüber hinaus ist es ein wunderschönes Beispiel für die Pracht, die durch die Verschmelzung künstlerischer Traditionen entstehen kann und ein Zeugnis der multikulturell zusammengesetzten mittelalterlichen Gesellschaft.

Eine geheimnisvolle Provenienz

Die Vorsatzblätter am Ende der Handschrift, auf denen normalerweise kodikologische Informationen wie der Auftraggeber der Handschrift und möglicherweise die Namen der beteiligten Schreiber und Künstler verzeichnet sind, fehlen leider. Aufgrund des Schriftstils und der künstlerischen Ausstattung vermuten Wissenschaftler, dass die Handschrift im frühen 14. Jahrhundert in Südwestdeutschland entstanden ist, wahrscheinlich in der Bodenseeregion oder am Oberrhein in den 1310er Jahren. Sie scheint das Produkt einer christlichen Werkstatt gewesen zu sein, deren Künstler wahrscheinlich mit einem jüdischen Schreiber zusammenarbeiteten. Dieser bediente sich verschiedener Formate und Tintenfarben für seine meisterliche Kalligrafie und stand wohl unter der Aufsicht eines Rabbiners. Der erste Eintrag eines früheren Besitzers stammt aus dem Jahr 1553 und verortet das Manuskript in Worms. Danach gelangte die Handschrift um die Wende des 17. Jahrhunderts nach Polen, wo sie neu gebunden wurde, bevor sie nach Thüringen kam, wo sie etwa ein Jahrhundert später ein weiteres Mal neu gebunden wurde. Schließlich wurde sie 1746 von der Leipziger Universitätsbibliothek angekauft, wo sie sich bis heute befindet.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Machzor Lipsiae
Leipziger Machsor
Leipziger Mahzor
Mahzor Lipsiae
Das Lied der Lieder von Schelomo
Umfang / Format
808 Seiten (2 Bände) / 36,5 x 49,5 cm
Herkunft
Deutschland
Datum
Um 1310–1320
Sprache
Schrift
Ashkenasische Quadratschrift
Buchschmuck
68 Miniaturen
Inhalt
Sammlung mit Gebeten in hebräischer Sprache für die sieben besonderen Festtage des jüdischen Jahres
Vorbesitzer
Joseph ben Menahem Mendel Steinhardt

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Machsor Lipsiae – Ms. Vollers 1102  – Universitätsbibliothek Leipzig (Leipzig, Deutschland) Faksimile
Edition Leipzig – Leipzig, 1964
Limitierung: 500 Exemplare
Detailbild

Machzor Lipsiae

Simson ringt mit dem Löwen

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen könnte, als ob eine Frau von einem Löwen angegriffen wird, handelt es sich in Wirklichkeit um Simson mit seinem berühmten langen Haar, das die Quelle seiner Kraft ist. Der vom Geist des Herrn ergriffene hebräische Herkules hat sich auf den Rücken des Löwen begeben und reißt dem Tier den Rachen auf, bevor er es mit bloßen Händen zerreißt. Sein grüner Mantel mit rautenförmigem lila-weißem Futter ist wunderbar gestaltet: Er scheint zu flattern, während Simson mit dem König der Tiere ringt.

Machsor Lipsiae
Einzelseite

Machsor Lipsiae

Der Triumph des Mordechai und die Hinrichtung der Söhne Hamans

Im Buch Esther setzt König Ahasveros, Herrscher des persischen Reiches, Haman als seinen Vizekönig ein. Mordechai, der Cousin der Königin Esther, die er wie seine eigene Tochter erzogen hat, fällt bei Haman in Ungnade, nachdem er sich weigert, sich vor ihm zu verbeugen. Haman schmiedet daraufhin einen Plan, um Mordechai und alle Juden im persischen Reich zu töten. Dies wird jedoch vereitelt und Haman wird an eben jenem Galgen aufgehängt, den er für Mordechai errichtet hatte.

Hamans zehn Söhne werden später in der Schlacht besiegt und wie ihr Vater gehängt, aber in dieser Miniatur sind alle elf an demselben Baum hängend dargestellt. Mordechai hat in der Zwischenzeit Hamans Platz als Vizekönig eingenommen und wird mit einer goldenen Krone ausgezeichnet, die er hoch zu Ross trägt, während er seinen Judenhut auf den Rücken geschlagen hat.

Machsor Lipsiae
Faksimile-Editionen

#1 Machsor Lipsiae

Edition Leipzig – Leipzig, 1964

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Edition Leipzig – Leipzig, 1964
Limitierung: 500 Exemplare
Einband: Grüne Buchkassette
Kommentar: 1 Band von Elias Katz und Bezalel Narkiss
Sprache: German
Faksimile: 1 Band Teilfaksimile des gesamten Originaldokuments. Faksimiliert wurden 68 Tafeln der Originalhandschrift. Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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