Burgen in bezaubernden Landschaften und liebevoll gestalteten Innenräume: Ein liebevoll gestaltetes Stundenbuch aus der Blüte der französischen Renaissance

Moskauer Stundenbuch

Paris (Frankreich) — 15. Jahrhundert

Moskauer Stundenbuch

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Paris (Frankreich) — 15. Jahrhundert

  1. Diese besondere Handschrift der französischen Renaissance ist mit Blattgold und Text in Goldtinte reich geschmückt

  2. Mindestens zwei Illuminatoren, möglicherweise ein Holländer und ein Franzose, schufen die wunderbaren Miniaturen

  3. Der ursprüngliche Besitzer kann nicht mehr bestimmt werden, da das Wappen und eine Krone abgeschabt wurden

Moskauer Stundenbuch

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Porträt des Evangelisten Lukas

Lukas wird vor einem Fenster sitzend gezeigt, während er ein Porträt der Jungfrau Maria malt. Feine Striche mit Goldtinte heben seinen Umhang und den stilisierten Faltenwurf hervor. Abgesehen davon, dass er traditionell als einer der zwölf Apostel und als der erste Ikonenmaler galt, wurde Lukas zugeschrieben, einige der genauesten und zuverlässigsten Werke des Neuen Testaments geschrieben zu haben, was ihn in dieser Perspektive sowohl zu einem Historiker als auch zu einem Künstler machte. Der meisterhafte Künstler, der diese Szene schuf, hat jedoch die Evangelistensymbole vertauscht, indem er einen Löwen statt eines Stiers malte.

Moskauer Stundenbuch

F. 183 Nr. 446 National Library of Russland (St. Petersburg, Russland)
Alternativ-Titel:
  • Moscow Book of Hours
Moskauer Stundenbuch – F. 183 Nr. 446 – National Library of Russland (St. Petersburg, Russland)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Das Moskauer Stundenbuch ist eine imposante Handschrift auf Pergament, die in den 1470er Jahren in Paris entstanden ist. Mit insgesamt 17 großformatigen Miniaturen und 24 Bildern zum Kalenderzyklus lädt sie den Betrachter ein in eine erfinderische Welt aus zauberhaften Landschaften mit Burgen und liebevoll gestalteten Innenräumen. Zudem sorgen 200 Seiten mit Druckgold und 357 Seiten mit 23-karätigem Echtgold für einen glanzvollen Gesamteindruck des Buches zur privaten Andacht. Beteiligt waren an diesem Meisterwerk wohl zwei Maler, die eine enge Beziehung zu der niederländischen und französischen Miniatur-Malerei aufweisen. Wer ihnen den Auftrag für die anschauliche Handschrift gegeben hat muss aufgrund abgeschabtem Wappen und Krone ungeklärt bleiben.

Das Moskauer Stundenbuch

Während der 1470er Jahre entstand in Paris das atemberaubende Moskauer Stundenbuch, das auf seinen 470 Seiten ganze 17 großformatige Miniaturen, 24 Bilder zum Kalenderzyklus und überreichen Bordürendekor auf 173 Seiten versammelt. Zudem sind 200 Seiten mit schimmerndem Druckgold versehen und zusätzliche 357 mit 23-karätigem Echtgold. Ein so prächtig ausgestattetes Stundenbuch diente als Andachts- und Gebetbuch für das Stundengebet. Im 13. Jahrhundert kam dieser Buchtyp auf, der zunächst für Laien bestimmt war, aber später auch von Klerikern genutzt wurde. Vor allem beim reichen und lesekundigen Adel und Stadtadel war er im Spätmittelalter als privates Andachtsbuch verbreitet.

Die Frage nach dem Auftraggeber

Immer wieder spannend, doch nicht leicht zu beantworten, ist die Frage nach dem Auftraggeber von kostbaren Handschriften des Mittelalters. Beim Moskauer Stundenbuch lassen versteckte Hinweise darauf schließen, dass es sich um jemanden von hohem Rang handeln muss. Darauf deuten ein Wappen und innerhalb der Miniaturen wiederkehrende Symbole von Reichtum und Adel hin. Eine Malerei zeigt beispielsweise einen auf Knien betenden Schutzpatron samt Krone auf einem Hocker. Leider sind sowohl Krone als auch Wappen abgeschabt, sodass sich daraus keine weiteren Erkenntnisse gewinnen lassen. Eine solche Vorgehensweise lässt sich öfters finden, wenn spätere Besitzer von Handschriften die Erinnerungen an den Vorgänger löschen wollten. Somit bleibt der Name von der Person, die das mannigfaltige Moskauer Stundenbuch in Auftrag gegeben hat wohl für immer unbekannt.

Impulse aus Frankreich und den Niederlanden

An den herrlichen Miniaturen waren mindestens zwei Buchmaler beteiligt. Die märchenhaften Landschaften mit ihren Burgen und Wäldern sowie die liebevoll gestalteten Innenräume zeugen deutlich von einer Beeinflussung des Coëtivy Meisters, der zu den führenden Pariser Buchmalern seiner Zeit gehörte und bekannt für seine Nähe zur niederländischen Malerei ist. Bezüge zu Rogier van der Weyden (1399/1400-1464) lassen sich auch bei der Miniatur des Evangelisten Markus erkennen. Eine solch aufwändige architektonische Gestaltung war vor allem bei den niederländischen Meistern sehr beliebt. Solche Gemeinsamkeiten kamen wohl durch den Gebrauch einer Musterblattsammlung zustande, die eine Vielzahl an Zeichnungen und Vorlagen enthielt und der Werkstatt der beiden Maler zugänglich war.

Seit dem 19. Jahrhundert lückenhafter Zyklus

Jeder Teil des Stundenbuches enthält einen Miniatur-Zyklus von beachtlicher Größe, doch bedauerlicherweise fehlen insgesamt 12 Darstellungen, darunter die Anbetung der Heiligen Drei Könige, die Flucht nach Ägypten und fast der ganze Passionszyklus. Es kann sein, dass westliche Sammler im 19. Jahrhundert, als im westlichen Europa die mittelalterliche Kunst und Buchmalerei in Mode kamen, die genannten Seiten rücksichtslos aus ihrem Kontext rissen, um sie einzeln auf den Markt zu bringen.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Moscow Book of Hours
Umfang / Format
470 Seiten / 18,5 x 13,5 cm
Datum
15. Jahrhundert
Sprache
Buchschmuck
17 großformatigen Miniaturen, 24 Bilder zum Kalenderzyklus, 200 Seiten mit Druckgold, 357 Seiten mit 23-karätigem Echtgold, überreiches Bordürendekor auf 173 Seite, über 1200 ein- oder zweizeilige Goldinitialen
Moskauer Stundenbuch

Moskauer Stundenbuch

September: Trauben stampfen

Dies ist eine beispielhafte Kalenderseite in roter, blauer und goldener Tinte mit einer kleinen Miniatur und einem farbenfrohen Rahmen aus ineinander verschlungenen Ranken, Früchten und Blumen. An den wichtigen Heiligengedenktagen und anderen Feiertagen des Monats ist jeweils eine winzige Blattgoldinitiale angebracht. Eine blau-goldene KL-Initiale in der oberen linken Ecke steht für Kalendarium.

Diese Miniatur zeigt einen Winzer mit rotem Hut und blauem Hemd, der mit seinen Füßen die Trauben stampft, eine geläufige Aktivität für den September. Der Innenraum ist mit Steinmauern und einem Holzdach in wunderbarer Perspektive präsentiert, die den Blick auf den ruhigen blauen Himmel draußen lenkt. In der Szene wird meisterhaft Blattgold aufgetragen, das den Rahmen bildet und zugleich die Weinfässer und das Dach hervorhebt.

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Moskauer Stundenbuch“

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Moskauer Stundenbuch – F. 183 Nr. 446 – National Library of Russland (St. Petersburg, Russland)
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Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Coron Verlag – Gütersloh, 2007
Limitierung
980 Exemplare
Einband
Brauner Ledereinband mit Echtgoldprägung (nach dem Original aus dem 16. Jahrhundert). Der Buchrücken ist mit 7 erhabenen Bünden versehen, Rundum-Goldschnitt Schmuckkassette (aufklappbar) aus feinstem Rindsleder und mit Echtgoldbeschlägen versehen, verziert mit einem Wappen-Email des Moskauer Stadtwappens (Heiliger Georg, 18. Jahrhundert)
Kommentar
1 Band (88 Seiten) von Ekaterin Zolotova
Sprache: Deutsch
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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