Rudolf von Ems: Weltchronik – Der Stricker: Karl der Große

Rudolf von Ems: Weltchronik – Der Stricker: Karl der Große – Faksimile Verlag – Ms 302 Vad. – Kantonsbibliothek, Vadiana (Sankt Gallen, Schweiz)

Zürich (Schweiz) — Um 1300

Zwei der populärsten Verserzählungen der deutschen Gotik vereint zu einem einmaligen Codex: Die Chronik der Welt und die Geschichte Karls des Großen in 58 kostbaren, goldgeschmückten Miniaturen

  1. Zwei deutsche Verserzählungen von Rudolf von Ems (ca. 1200–1254) und dem "Stricker" wurden in einem einzigen Codex mit goldenen Miniaturen zusammengeführt

  2. Die Geschichte der Welt und Kaiser Karls des Großen wird in über 33.000 reimenden Couplets und 58 ausdrucksstarken Miniaturen auf Goldgrund wiedergegeben

  3. Der ursprüngliche Verstext wurde auf Geheiß des Stauferkönigs Konrad IV. (1228–1254) geschaffen

Rudolf von Ems: Weltchronik – Der Stricker: Karl der Große

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  1. Beschreibung
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Beschreibung
Rudolf von Ems: Weltchronik – Der Stricker: Karl der Große

Die Weltchronik des Rudolf von Ems und die biografische Legende von Karl den Großen, verfasst vom sogenannten „Stricker“, waren zwei der beliebtesten Schriftstücke der deutschen Gotik und wurden etwa um 1300 in Zürich zu einem einmaligen Codex vereint. Doch nicht nur die beiden epischen Texte machen die Handschrift zu etwas Besonderem, sondern vor allem ihre prächtigen Buchmalereien, die den gotischen Stil aus Frankreich aufgreifen. Biblische Elemente, antike Heldensagen und Geschichten aus dem Leben Karls des Großen werden hier in 58 großen Miniaturen vor leuchtendem Goldgrund ausdrucksstark und überraschend lebendig in das Spätmittelalter übersetzt. Das einzigartige und reizvolle Manuskript wird heute in der Kantonsbibliothek Vadiana in Sankt Gallen unter der Signatur Ms 302 Vad. verwahrt.

Rudolf von Ems: Weltchronik – Der Stricker: Karl der Große

Etwa um 1300 wurden zwei beliebte Schriftstücke der deutschen gotischen Dichtung in einem Codex vereint, nämlich die Weltchronik des Rudolf von Ems und das Heldenepos des sogenannten Strickers um Karl den Großen. Die beiden mittelhochdeutschen Verserzählungen sind in Paarreimen gehalten und dekoriert mit lebendigen Miniaturmalereien auf kostbarem goldenem Grund. Der Inhalt des Werkes, dessen Auftraggeber wohl aus höfischer Umgebung stammt, richtet sich an ein ritterliches Publikum und versetzt den heutigen Betrachter zurück ins Mittelalter, an eine gotische Tafelrunde, in der bei Speis´ und Trank die Geschichte der Welt und die Legenden Karls des Großen rezitiert wurden.

Zwei Werke, zwei Meister

Die Weltchronik, die sich, wie im Mittelalter üblich, an der Bibel orientiert, wurde verfasst vom staufischen Hofdichter Rudolf von Ems. Sie entstand im Auftrag des Stauferkönigs Konrad IV. und erzählt die Geschichte der Erde in über 33000 Paarreimen, von der Weltschöpfung bis zum Tod König Salomos. Die biblischen Ereignisse wurden hier zeitgemäß gotisch verpackt: die den Text begleitenden Buchmalereien zeigen schlanke Frauengestalten in wallenden Gewändern und kämpfende Ritter in Rüstungen.
Vom Autor der Legende Karls des Großen ist kein Name bekannt, lediglich sein Pseudonym „der Stricker“. Seine Schrift ähnelt nicht der eines Geistlichen oder eines Ritters, sie lässt eher auf einen Schreiber bürgerlichen Standes schließen. Als Grundlage für sein Epos verwendete der Stricker das Rolandslied, welches von Karl und seinem treuen Gefährten Roland berichtet, welcher im tapferen Kampf gegen die Sarazenen fiel. Der durch das Horn Olifant herbeigerufene Karl konnte seinen Freund nicht retten, besiegte jedoch die Feinde in einer Schlacht, welche symbolhaft für den Sieg der Christen über die Heiden gesehen wird.

Die kostbarsten Buchmalereien ihrer Zeit

Bei den 58 Miniaturen des Codex, die auf Goldgrund verewigt wurden, handelt es sich um wahrhaft besondere Buchmalereien. Die Bilder sind nicht wie in vorherigen Werken in einem Zackenstil gehalten, sondern zeigen sich stark beeinflusst von der französischen Illuminationskunst. Biblische Elemente, antike Heldensagen und Geschichten aus dem Leben Karls des Großen werden in ausdrucksstarker Weise und überraschender Lebendigkeit dargestellt. Der Goldgrund der Malereien macht den außerordentlichen Wert des Codex deutlich. Nicht nur die beiden informativen und unterhaltsamen Geschichten, sondern auch die aufregenden Illustrationen machen dieses Werk zu einem besonderen Prachtstück des mittelalterlichen deutschen Buchhandwerkes.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Weltchronik Rudolfs von Ems
Die Weltchronik - Karl der Grosse
Rudolf von Ems: World Chronicle - Der Stricker: Charlemagne
Cronaca del Mondo e Storia di Carlo Magno
Chronicle of the World and History of Charlemagne
Cronica del Mundo
Umfang / Format
582 Seiten / 29,5 × 20,0 cm
Herkunft
Schweiz
Datum
Um 1300
Stil
Sprache
Buchschmuck
58 lebendig leuchtende Miniaturen auf Goldgrund
Künstler / Schule
Vorbesitzer
Bartholomäus Schobinger (1500–85)

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Rudolf von Ems: Weltchronik – Der Stricker: Karl der Große – Faksimile Verlag – Ms 302 Vad. – Kantonsbibliothek, Vadiana (Sankt Gallen, Schweiz)
Faksimile Verlag – Luzern, 1982
Limitierung: 980 Exemplare
Detailbild

Rudolf von Ems: Weltchronik – Der Stricker: Karl der Große

Roland wird zum Statthalter Spaniens ernannt

Oberes Register: Der berühmte Held Roland kniet in Rüstung und rotem Umhang vor seinem König Karl dem Großen, der einen pelzbesetzten Mantel trägt. Als Zeichen seiner neuen Autorität erhält Roland eine Krone und eine Bannerlanze, während Bischof Turpin und zwei Schwerträger Zeugen der Zeremonie sind. Unteres Register: Roland demonstriert Karl und seiner Entourage seine Stärke, indem er seine Bannerlanze in einen Felsen rammt, was als Gottes Bestätigung seines neuen Amts gedeutet wurde.

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Einzelseite

Rudolf von Ems: Weltchronik – Der Stricker: Karl der Große

Eroberung Jerusalems

Nachdem David zum König über ganz Israel gesalbt wurde, erobert er die Stadt Jerusalem von den Jebusiten, macht sie zu seiner Hauptstadt und bringt die Bundeslade dorthin. Die Miniatur ist innovativ in den Text integriert und auf poliertem Goldgrund platziert. Diese einzigartige Szene fühlt sich wie eine Momentaufnahme an, die einen Moment der Handlung einfriert.

Die frühgotische Illumination zeigt die Soldaten, die in hochmittelalterlichen Rüstungen kämpfen: Langhemden, Drachenschilde, bewaffnet mit Schwertern, Äxten, Bögen und Armbrüsten. Das Heer der Israeliten greift einen Turm an, ihr Heerführer Joab steigt mit dem Schild in der Hand die Leiter hinauf, während Pfeile und Steine auf sie herabregnen. Die Zinnen des Turms sind wunderschön gefärbt und oben mit gotischen Vierpassfenstern versehen.

Rudolf von Ems: Weltchronik – Der Stricker: Karl der Große
Faksimile-Editionen

#1 Rudolf von Ems: Weltchronik – Der Stricker: Karl der Große

Faksimile Verlag – Luzern, 1982

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Faksimile Verlag – Luzern, 1982
Limitierung: 980 Exemplare
Einband: Originalgetreuer Einband aus Nappa-Rindsleder, mit 16 Messingbeschlägen versehen. Die Blätter wurden originalgetreu randbeschnitten und das Kapitalband von Hand umstochen.
Kommentar: 1 Band (307 Seiten) von Ellen J. Beer, Johannes Duft, Hubert Herkommer, Karin Schneider, Stefan Sonderegger und Peter Wegelin
Sprache: Deutsch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
€€ (1.000€ - 3.000€)
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