Savoy Hours

Savoy Hours Faksimile

Paris (Frankreich) — 1334–1348 und 1370–1378

Die Stilikone für ein ganzes Genre und der Keim der Liebe Jean de Berrys zu Büchern: 26 erhalten gebliebene, prächtig illuminierte Blätter des 1904 verbrannten Meisterwerks für Blanche von Burgund, Gräfin von Savoyen

  1. Die Handschrift bestand ursprünglich aus zwei Teilen: einer illuminiert von einem Werkstattnachfolger Jean Pucelles (ca. 1300–1355) und eines des Meisters der Bibel von Jean de Sy

  2. In Auftrag gegeben wurde es für Blanche von Burgund (1295–1326), die Gräfin von Savoyen und Enkelin von König Ludwig IX. von Frankreich (1214–70)

  3. Das Meisterwerk löste zwischen König Karl V. von Frankreich und seinen drei bibliophilen Brüdern einen Wettstreit der Mäzene aus

Savoy Hours

  1. Beschreibung
  2. Detailbild
  3. Einzelseite
  4. Faksimile-Editionen (1)
Beschreibung
Savoy Hours

Als zauberhaftes Stundenbuch mit besonders reicher Ausstattung wirkten die Savoy Hours stilbildend in der Geschichte der Buchmalerei und haben als Vorbild die Entwicklung der Buchgattung entscheidend vorangebracht. Auf den heute 52 erhaltenen Seiten versammeln sich 50 von dreifarbigen Vierpässen umrahmte Miniaturen und 106 Zierinitialen, die den Betrachter mit feingliedrigen Figuren vor malerischen Hintergründen begeistern. Entstanden ist die von Blanka von Burgund (1295–1326) in den 1330er Jahren in Auftrag gegebene Handschrift in zwei Abschnitten. Der erste Teil wurde wohl von dem Werkstattnachfolger des bekannten Pariser Buchmalers Jean Pucelle (um 1300-um 1334) zwischen 1334 und 1348 gefertigt und der zweite Teil zwischen 1370 und 1378 von dem Meister der Bibel des Jean de Sy hinzugefügt.

Die Savoy Hours

Obwohl nach fast 600 Jahren nur noch ein kleiner Teil der ehemals sehr umfangreichen Savoy Hours übriggeblieben ist, fasziniert es den Betrachter mit seinen fürstlichen Buchmalereien. Entstanden ist das wertvolle Manuskript in zwei Teilen: Der Erste wurde von dem Werkstattnachfolger des bekannten französischen Buchmalers Jean Pucelle (um 1300-um 1334) zwischen 1334 und 1348 gefertigt und der zweite Teil zwischen 1370 und 1378 von dem Meister der Bibel des Jean de Sy. Seine heute erhaltenen 50 Miniaturen und 106 Zierinitialen lassen nur erahnen wie komplex und erfinderisch das in Latein und Französisch verfasste Stundenbuch zur privaten Andacht einst war.

Herrliche Szenen in geschmackvollen Rahmen

Es ist davon auszugehen, dass die Savoy Hours mit geschätzten 187 Miniaturen und 24 Kalendervignetten sehr groß angelegt waren. Einen Eindruck dieser Üppigkeit vermitteln bereits die erhaltenen 52 Seiten mit ihren malerischen Darstellungen von feinen Figuren vor kreativen Hintergründen. Ein dreifarbiger Vierpass umrahmt die Miniatur jeweils, sodass aus ihnen kleine Gemälde werden, die den Text für den Lesenden zusätzlich erläutern. Zu diesen Meisterwerken kommen originelle kolorierte Federzeichnungen von Drolerien und kleinen Vögeln, welche den Text kunstvoll umspielen.

Frühe Portraitmalerei

In den 1330er Jahren gab Blanka von Burgund (1295–1326), die Gräfin von Savoyen und die Enkelin von König Ludwig IX. von Frankreich, das einzigartige Stundenbuch in Auftrag. Allein in den 50 erhaltenen Miniaturen ließ sie sich 25 mal selbst abbilden. Das eine Mal kniet sie anmutig vor einem Heiligen und das andere Mal agiert sie mit ihnen auf gleicher Ebene. Verblüffend ist bei diesen Portraits die besonders feine Wiedergabe ihrer femininen Gesichtszüge.

Stilbildende Wirkung für die französische Buchmalerei der Gotik

Die mannigfaltigen Savoy Hours haben nicht nur unsere Vorstellung von der französischen Gotik geprägt sondern hatten auch einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Buchmalerei und die des Stundenbuches selbst. Als Karl VI. die Handschrift 1409 seinem Onkel Johann, dem Herzog von Berry (1340–1416) schenkte, erweckte diese seine Leidenschaft für kostbare Bücher. Es wird vermutet, dass das Stundenbuch einen großen Einfluss auf die Werke hatte, die er später selbst in Auftrag gab (Petites, Très Belles, Très Riches Heures u. a.).

Kodikologie

Alternativ-Titel
Savoy Stundenbuch
Umfang / Format
52 Seiten / 20,1 × 14,7 cm
Herkunft
Frankreich
Datum
1334–1348 und 1370–1378
Stil
Schrift
Gotische Textualis
Buchschmuck
50 mittelgroße Miniaturen in dekorativen Rahmen, 106 goldene Zierinitialen, teils mit Fleuronnée-Besatz, und etliche kunstvolle Rankenfortsätze mit fantasievollen Randillustrationen
Inhalt
Fragment eines Stundenbuchs
Auftraggeber
Blanche von Burgund, Enkelin König Ludwigs IX. des Heiligen von Frankreich und Witwe des Grafen Eduard von Savoyenen
Künstler / Schule
Vorbesitzer
König Karl V.
Jean duc de Berry

Verfügbare Faksimile-Editionen:
Die Savoy Hours – Beinecke MS 390 – Beinecke Rare Book and Manuscript Library (New Haven, USA) Faksimile
Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2018
Limitierung: 680 Exemplare
Detailbild

Savoy Hours

Portrait des Evangelisten Johannes

Flankiert von seinem Symboltier, dem Adler, zeigen die rote Tunika von Johannes und sein blauer Umhang einen stilisierten Faltenwurf und geben den Blick auf seine nackten Füße frei. Er hält in der einen Hand einen Schreibgriffel, in der anderen ein Messerchen für Korrekturen und wird als bartloser Jüngling dargestellt: Solche feminisierten Darstellungen sollten möglicherweise vor allem den Frauen den Zugang zu ihm erleichtern, besonders in Werken wie diesem, das für eine weibliche Auftraggeberin bestimmt war. Die Szene ist vor einem gemusterten Rankenhintergrund in einem Vierpass aus Gold, Rot, Weiß und Blau dargestellt.

Savoy Hours
Einzelseite

Savoy Hours

Blanka kniet vor der Dreifaltigkeit

Die Auftraggeberin, Blanka von Burgund (1295–1326), ist im Manuskript 25 Mal abgebildet und betet in dieser Miniatur zu verschiedenen Figuren in einem Vierpass, der blau, weiß und rot gerahmt ist. Zusammen mit dem Text wird er von einem gotischen Balkenrahmen mit Efeublättern, Drolerien, Vögeln, einer Libelle und einem Kaninchen eingefasst. Das Bild wird von teurer roter und blauer Farbe sowie Blattgold dominiert.

Der Hintergrund ist mit Elementen aus Blankas Wappen gemustert – mit den königlichen Lilien und den drei burgundischen Schrägbalken in Gold vor blauem Hintergrund. Die anmutigen Figuren der Miniatur haben zarte Gesichter, feine Konturen, harmonische Proportionen und fallen durch ihre eleganten Gesten auf. Die Dreifaltigkeit wird durch Gott Vater dargestellt, der den gekreuzigten Jesus mit einer Taube hochhält, die den Heiligen Geist darstellt.

Savoy Hours
Faksimile-Editionen

#1 Savoy Hours

Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2018

Details zur Faksimile-Edition:

Verlag: Quaternio Verlag Luzern – Luzern, 2018
Limitierung: 680 Exemplare
Einband: Maroquinleder-Einband mit überreicher Goldprägung Edle Schmuckkassette
Kommentar: 1 Band von Raymond Clemens und Roger S. Wieck
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch
Faksimile: 1 Band Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband.
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