Krumauer Bildercodex

Cod. Vindob. 370 - Österreichische Nationalbibliothek (Wien, Österreich)

Alternativ-Titel:

Krumlov Picture Codex

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Kodiologie

Alternativ-Titel

Krumlov Picture Codex

Art
Umfang / Format

344 Seiten / 34.5 x 25.3 cm

Herkunft
Datum
Um 1360
Stil
Genre
Sprache

Verfügbare Faksimile-Ausgaben

Beschreibung

Eine Biblia pauperum in packenden Bildern

Der Krumauer Bildercodex wird wegen seines ungewöhnlich reichen Bildschmuckes sowie wegen einer Inschrift auf der Titelseite auch als „liber depictus“ („gemaltes Buch“) bezeichnet. Er zählt zu den wertvollsten Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek, wohin er im Zuge der Klosterauflösungen Josefs II. gelangte.
Auf 172 Pergamentseiten umfasst der Codex eine Biblia pauperum („Armenbibel“), zahlreiche Heiligenlegenden und einige Erzählungen lehrhaften Charakters. Er ist seiner Anlage nach kein Schriftwerk, das illustriert wurde, sondern tatsächlich ein Bilderbuch, dessen Inhalt in Bildüberschriften kurz erläutert wird. Die zahlreichen Federzeichnungen, die von drei verschiedenen Meistern ausgeführt wurden, vermitteln in andächtiger Weise den religiösen Inhalt. So kann sich der fromme Betrachter durch einfühlendes Nacherleben in die Heilsgeschichte vertiefen und diese mehr vom Herzen als vom Verstande her begreifen.
Der Krumauer Bildercodex ist vermutlich als Produkt gemeinschaftlicher Arbeit im Minoritenkloster von Krumau entstanden und war für das Kloster selbst bestimmt. Er diente für den niederen Klerus als Erbauungsbuch, in dem das geschriebene Wort hinter das Bild zurücktrat. Dies vermochte die religiösen Bedürfnisse der Zeit tiefer zu befriedigen als es der reine Text getan hätte.

Ein erbauliches Bilderbuch
Die Bilder des Krumauer Codex sind Federzeichnungen, eine Technik, die zu Beginn des 14. Jh.s in ganz Europa verbreitet war und vor allem für didaktische und wissenschaftliche Handschriften verwendet wurde. Diese Federzeichnungen sind von drei verschiedenen Händen ausgeführt worden, die trotz der stilistischen Unterschiede ein einheitliches Ganzes geschaffen haben. Das Geschehen wird in allen Details sehr lebendig und naturalistisch geschildert, wodurch die anschauliche Wirkung des „liber depictus“ stark zum Ausdruck kommt.
Die in zwei oder drei Streifen übereinander angeordneten Bildfolgen werden von kurzen lateinischen Textpassagen erläutert, die gleichsam als Überschriften die bildliche Erzählung begleiten. Sie wurden von insgesamt sechs verschiedenen Händen in gotischen Minuskeln geschrieben und nehmen nur selten mehr als eine Zeile in Anspruch. Vereinzelt sind noch im Bild selbst Ergänzungen angebracht, wie z. B. Personennamen oder auch Sätze in direkter Rede, die wie bei modernen Comics die beteiligten Figuren sprechen lassen.

Die Biblia pauperum
Die Biblia pauperum, die wohl in der Mitte des 13. Jh.s entstand, gehört zum typologischen Schrifttum des Spätmittelalters und erzählt den gesamten Zyklus des Lebens und Leidens Christi. In drei Bildern werden jeweils Szenen des Alten und des Neuen Testaments einander gegenübergestellt, wobei jeweils zwei Szenen aus dem Alten Testament (sog. Typen) ein Ereignis aus dem Neuen Testament (sog. Antitypus) rahmen. Die alttestamentlichen „Typen“ werden dabei als symbolische Vorwegnahme des neutestamentlichen „Antitypus“ und dieser wieder als nachträgliche Bestätigung jener verstanden.

Eine bildschöne Quelle für Kunst- und Kulturgeschichte
Wertvolle Hinweise auf Ort und Zeit der Entstehung des Krumauer Bildercodex finden sich in den drei ganzseitigen Darstellungen. Das Titelbild mit der Darstellung Marias als apokalyptische Sonnenbraut und die Darstellung der Menschwerdung Christi (fol. 156r) stellen einen direkten Bezug zur Weihe des Minoritenklosters in Krumau her, die im Jahre 1358 „in honore corporis et Virginis Mariae“ erfolgte. Zudem manifestiert sich im Titelbild eine entscheidende Wendung im religiösen Denken des Mittelalters: die Wendung von der spekulativen zur visionären Frömmigkeit, vom Abstrakten ins Anschauliche.
Ein solch anschauliches Bilderbuch sollte weniger die Kenntnis als vielmehr Vorstellungen von erbaulichen Ereignissen vermitteln. Indem das geschriebene Wort hinter das Bild zurücktrat, sollte nicht nur für die unteren Bevölkerungsschichten, die des Lesens unkundig waren, eine religiöse Kunst geschaffen werden, sondern auch die damaligen religiösen Bedürfnisse der adeligen sowie der klösterlichen Kreise tiefer befriedigt werden.

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