Ein Gebetbuch als eines der letzten wahren Meisterwerke der Buchmalerei, geschaffen von ihrem vielleicht größten Meister: Simon Bening

Beatty Rosarium

Flandern — Um 1530

Beatty Rosarium

Beatty Rosarium

Flandern — Um 1530

  1. Eines der letzten Meisterwerke der 1000jährigen Geschichte der Buchmalerei

  2. Aus der Feder des letzten und wohl größten Meisters der europäischen Buchmalerei: Simon Bening (ca. 1483–1561)

  3. Der Inhalt ist so innovativ angeordnet, dass er das Werk zu einem einzigartigen Gebetbuch macht

Das Rosarium

Beatty Rosarium

Der 12jährige Jesus im Tempel

In einer typisch mittelalterlichen Darstellung dieser Szene aus dem Lukasevangelium wird Christus auf einer erhöhten Kathedra sitzend und gestikulierend gezeigt, als würde er einen Vortrag halten. Die Ältesten umgeben ihn, runzeln die Stirn und tauschen missbilligende Blicke aus, während sie ihre Bücher konsultieren müssen. Sie dienen dem flämischen Meister Simon Bening als schöne Motive mit ihrer verschwenderischen Kleidung, die hell und mehrlagig ist und mit Pelz gefütterte Hüte und Kragen enthält. Obwohl Jesus bei Lukas schon zwölf ist, sieht Christus hier viel jünger aus.

Beatty Rosarium

Alternativ-Titel:
  • Das Rosarium
Beatty Rosarium – MS Western 99 – Chester Beatty Library (Dublin, Irland)
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  1. Kurzbeschreibung
  2. Kodikologie

Kurzbeschreibung

Am Ende ihrer 1000jährigen Tradition erfuhr die Buchmalerei nach Erfindung des Buchdrucks noch eine große Blüte. Der letzte und wohl größte Meister der europäischen Buchmalerei war Simon Bening (ca. 1483–1561). Er schuf ein Mariengebetbuch, bei dem der Gebetstext und die 33 Miniaturen innovativ und einzigartig aufeinander bezogen sind. Ein Beispiel: Der Gebetstext zur Erzählung vom 12jährigen Jesus im Tempel bittet darum, dass das Volk Gottes erkenne, was zu tun sei, und dazu Kraft finde. In der zugehörigen Miniatur malt Bening den Gesichtsausdruck der einzelnen Gelehrten im Tempel von positiv erstaunt bis verärgert so individuell, dass sich der Betrachter fragen kann, welche der vielen Reaktionen seine eigene ist – und was für ihn zu tun ist. Da solche Details so wichtig sind, kann nur ein hervorragendes Faksimile wie das vorliegende einen Ersatz für das heute in der Chester Beatty Library verwahrte Original bieten.

Ein Kleinod aus der Hand Simon Benings

Das Rosarium der Chester Beatty Library ist ein kleines Gebetbuch, das aus mehreren Gründen von Bedeutung ist. An erster Stelle steht die hohe künstlerische Qualität der 33 ganzseitigen Miniaturen, die dem letzten und größten flämischen Buchmaler, Simon Bening (1483–1561), zugeschrieben werden können. Doch auch der Text, der eine Zusammenstellung verschiedener Gebete zu Gott und allen Heiligen sowie zur Jungfrau Maria zum Inhalt hat, verdient gebührende Beachtung.
Sowohl die Miniaturen als auch die Texte gehen auf frühere Quellen zurück, doch sind die einzelnen Elemente so übernommen und zusammengestellt, dass das Rosarium sich als ein innovatives und einmaliges Gebetbuch darstellt. Auffallend ist die große Zahl der Miniaturen, die dem Text gegenüberstehen und seinen Inhalt in anschaulicher Weise unterstützen. Dadurch wird die Aufmerksamkeit gleichermaßen auf den Andachtsinhalt der Gebete wie der Illustrationen gelenkt.
Auf Grund der außergewöhnlichen Schönheit der Miniaturen wurden diese später herausgetrennt und einzeln verkauft. Durch eine glückliche Fügung sind sie heute jedoch mit den Textseiten wieder zusammengebunden und werden gemeinsam mit diesen aufbewahrt.

Simon Bening – Der letzte Meister der flämischen Buchmalerei
Das Beatty Rosarium entstand wahrscheinlich etwa um 1530 und ist damit eines der letzten Meisterwerke in der tausendjährigen Kunst der Buchmalerei. Herausragend ist die seltene Tatsache, dass in diesem Gebetbuch ein Miniaturenzyklus erhalten ist, der ausschließlich von Simon Bening geschaffen wurde. Dieser Buchmaler setzte sich fortwährend mit den Werken anderer Künstler auseinander. Er schöpfte im Laufe seiner langen Schaffenszeit aus einer Fülle von früheren Kompositionen und kompositionellen Details und verwendete sie ausgiebig und abwechslungsreich, sodass er uns nicht bloß als Eklektiker, sondern als origineller, kreativer Künstler vor Augen tritt.

Ein "Rosengarten" mit andächtigen Gebeten
Der Begriff „Rosarium“, der im klassischen Latein „Rosengarten“ bedeutet, bekam im Mittelalter die Bedeutung einer Sammlung von Texten, die wir heute Anthologie nennen würden. Im 14. Jh. hatte sich das Wort jedoch als Titel für Mariengebetbücher eingebürgert, zweifellos, weil die Rose ein so beliebtes Symbol der Jungfrau Maria war.
Im christlichen Mittelalter hielt man es für wichtig, dass man während des Gebetes auf ein passendes Bild schauen und darüber meditieren sollte. Gerade das Beatty Rosarium scheint dafür besonders geschaffen gewesen zu sein, da die dem Text gegenüberliegenden ganzseitigen Miniaturen sich hervorragend für solche Andachtsübungen eigneten. Mit Ausnahme der ersten 16 Textseiten steht jeder Textseite eine Miniaturseite gegenüber, wodurch es dem Betenden ermöglicht wird, sich während des Lesens des Textes meditativ in das Bild zu versenken.
Für das Rosarium wählte Simon Bening Passagen aus bekannten religiösen Texten aus, stellte sie in ungewöhnlicher Weise zusammen und verband sie mit Miniaturen, die sich durch lebhafte Farben, Feinheiten der Details, Darstellung von Raum, Schilderung der Landschaft und emotionelle Ausdruckskraft auszeichnen.

Ein Gebetbuch für einen spanischen König
Obwohl es nur indirekte Hinweise auf die Identität des Erstbesitzers gibt, deuten doch sowohl die Stilelemente der Schrift als auch die Beifügung eines Deckblattes mit spanischer Beschriftung auf einen spanischen Mäzen hin. Mit seiner Verbindung von flämischen Miniaturen und spanischer Schriftform trägt das Rosarium zu unseren Kenntnissen über die künstlerischen Verbindungen zwischen Spanien und Flandern im 16. Jh. bei. Überdies enthalten zwei der Vorsatzblätter Eintragungen, die sich auf frühere Besitzer der Handschrift beziehen und Aufschluss über die Herkunft des Werkes geben; eine davon besagt, daß das Buch König Philipp II. von Spanien gehört hat.

Kodikologie

Alternativ-Titel
Das Rosarium
Umfang / Format
106 Seiten / 12,4 × 8,4 cm
Herkunft
Flandern
Datum
Um 1530
Buchschmuck
33 ganzseitige Miniaturen mit Goldschmuck
Auftraggeber
Vermutlich Philipp II., König von Spanien (1527–1598)
Künstler / Schule
Das Rosarium

Beatty Rosarium

Pfingsten

Diese Darstellung stammt aus einem von insgesamt nur drei vollständigen Bildzyklen, die ausschließlich aus der Hand von Simon Bening (1483–1561) stammen. Jede Miniatur ähnelt einem kleinen, eigenständigen Gemälde, insgesamt ist der Zyklus jedoch stilistisch einheitlich und weist leuchtende Farben, feine Details, räumliche Tiefe sowie emotionale Ausdrucksformen auf.

Die Darstellung von Pfingsten, als der Heilige Geist in Form einer Taube auf die Jünger Jesu Christi herabsteigt, ist in eine zeitgenössische Kirche verlegt. Blattgold strahlt von der Taube aus und ergießt sich auf die von einem Heiligenschein gefassten Gesichter, die verwundert aufblicken. Nur die Jungfrau Maria, die sich genau in der Mitte des Bildes befindet, blickt still nach unten: Die Hände zum Gebet gefaltet, ist ihr Blick ist auf ein Buch vor ihr gerichtet, möglicherweise auf das vorliegende Manuskript; ihr Gesicht zeigt jedenfalls immer noch die Trauer ihres Verlustes vom Karfreitag.

1 verfügbare Faksimile-Ausgabe(n) von „Beatty Rosarium“

Das Rosarium
Beatty Rosarium – MS Western 99 – Chester Beatty Library (Dublin, Irland)
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Das Rosarium

Faksimile: 1 Band Vollfaksimile des gesamten Originaldokuments (siehe unten)
Verlag
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt (ADEVA) – Graz, 1985
Limitierung
1000 Exemplare
Einband
Leder mit Goldprägung. Alle Blätter sind dem Original entsprechend beschnitten.
Kommentar
1 Band (267 Seiten) von J. Testa
Sprache: Deutsch

J. Testa, Illinois, in deutscher Sprache (Übersetzung aus dem Englischen). 267  Seiten Text mit zahlreichen Vergleichsabbildungen.

Der wissenschaftliche Kommentar, von Judith Testa verfasst und von James Marrow herausgegeben, beleuchtet die Handschrift unter verschiedenen Aspekten und beschreibt ihr Umfeld. Es finden sich Beiträge über den Buchtyp des Rosarium, über den Buchmaler Simon Bening und sein Werk, über die kunstgeschichtliche Bedeutung des Beatty Rosarium sowie über den kodikologischen Befund. Weiters bietet der Kommentarband eine Transkription und Übersetzung des lateinischen Textes (von Philipp Harnoncourt und Friederike Kiedl) sowie eine ausführliche Beschreibung aller 33 Miniaturen.
Mehr Informationen
Möglichst detailgetreue Reproduktion des gesamten Originaldokuments (Umfang, Format, Farbigkeit). Der Einband entspricht möglicherweise nicht dem ursprünglichen oder aktuellen Dokumenteneinband. Alle Blätter sind dem Original entsprechend beschnitten. Die Ausgabe erfolgt in Coedition mit Davaco Publishers, Doornspijk, Holland und Ediciones de arte y bibliofilia, Madrid, Spanien. Limitierte Auflage: weltweit 2.350 nummerierten Exemplare. Davon sind nummerierte 1.000 Exemplare für die Ausgabe der Akademischen Druck- u. Verlagsanstalt bestimmt.
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